Keine Schöppen und ein deutlich geschrumpftes Erlebnis

Eine leere Lange Straße und rund ein Drittel weniger Aussteller empfingen die Besucher des gestern stattfindenden Dülkener Schöppenmarktes, einem der ältesten Krammärkte in Deutschland.

Viersen-Dülken – 1847 standen die Schöppen, die Schaufeln, im Mittelpunkt eines der ältesten Krammärkte Deutschlands – des Dülkener Schöppenmarktes. Im Laufe der Zeit änderte sich das Angebot, aus Schöppen wurden über Marktstände aus der ganzen Region oder aus den Niederlanden mit Schuhbürsten, Küchenutensilien, Kerzen, Fisch und anderen Lebensmitteln wie orientalischen Gewürzmischungen. Während noch im letzten Jahr jedoch über 300 Aussteller nach Dülken kamen, war das Angebot in diesem Jahr um gut ein Drittel geschrumpft. Angesprochen erzählt die Dame hinter den Tuchwaren von ihrer Meinung nach zu hohen Standkosten, denn es würde in jedem Jahr schwerer alleine diese bis zum Abend wieder reinzuholen. Viele würden kaufen, aber längst nicht mehr so viele Besuche wie noch vor einigen Jahren. „Wenn der Veranstalter einen solchen Markt erhalten will, dann muss er mit der Zeit gehen und die Preise runterschrauben. Viele stöbern nur noch und bei diesen Standpreisen lohnt sich für viele Aussteller die Anreise nicht mehr.“

Dadurch verändere sich ebenfalls die Qualität des Schöppenmarktes. „Schauen Sie sich um“, sagt sie. „Viele Stände bieten Billigwaren an. Das wird mal eben schnell gekauft. Die Anbieter qualitativ hochwertiger Waren verkaufen weniger und dann müssen sie abwägen ob sie sich überhaupt zwischen all den Krimskrams stellen wollen. Es wirkt, als habe der Veranstalter alles angenommen um überhaupt einen Markt veranstalten zu können. Aber das ist falsch. Will man die Qualität erhalten, muss man sortieren und diesen Anbietern einen Grund geben nach Dülken zu reisen. Ich bin immer gerne hier, aber wenn weiter so geplant wird komme ich nicht mehr.“ Ihre Nachbarin stimmt ihr mit einem kräftigen Nicken zu, dann steht schon der nächste neugierige Käufer vor ihren Waren.

Trotz des veränderten Angebotes gab es viel zu finden, was man schon immer haben wollte oder von dem man noch gar nicht wusste, dass man es brauchen konnte. Kleinigkeiten zum Stöbern und eine wahre Fundgrube von Dingen die es so eben auch nicht unbedingt im Internet zu kaufen gibt.
So standen neben den verführerischen Damenstrümpfen die Körbe und daneben dann Herrenunterhosen, die einem Focksegel in nichts nachstanden. Auf der Schulstraße staute es sich deshalb gerne für die guten Wurstwaren, die für einen Zehner zu haben waren.

Käse Rudi hörte man schon um die Ecke rufen, doch es gab auch ausgefallene Gewürze, Bürsten, Gardinen, Backformen und Spritzhüllen oder eine neue Brieftasche. Nelli Heckes hat direkt mehrere Tüten dabei. „Wattwürmer und Mettwürstchen für meinen Mann, für mich neue Messer“, lacht sie. Bei dem Preis hätte sie einfach zuschlagen müssen. Das Wetter hielt sich und trotzdem bauten bereits um 17 Uhr die ersten Aussteller wieder ab. „Es hat sich nicht gelohnt“, sagt der Verkäufer durchgefroren mit Blick auf ein ganzes Stück Rückweg nach Hause. Andere dagegen sprechen von einem guten Tag und auch die Meinungen der Besucher sind zwiespältig. (cs)

Foto: cs

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