Keine Schützen- und Heimatfeste in Viersen

Bruderschaften im Bezirksverband Viersen-Mitte sagen meiste Veranstaltungen ab und stellen sich auf alternative Vereinsangebote für alle Altersgruppen ein.

Viersen – Was sich im Laufe der letzten Wochen bereits abzeichnete wird traurige Gewissheit: In diesem Jahr wird es im Bezirksverband Viersen-Mitte keine Schützen- und Heimatfeste geben. Nachdem bereits die St. Mathias-Bruderschaft Heimer ihr traditionelles Pfingstschützenfest aufgrund der Corona-Pandemie absagen musste, werden auch die folgenden Schützenfeste nicht stattfinden können:

• St. Matthias-Bruderschaft Hamm – 12.-14. Juni
• St. Peter+Paul-Bruderschaft Bockert – 26.-29. Juni
• St. Konrad-Schützengilde Grenzweg – 18.-20 Juli
• St. Hubertus-Bruderschaft Oberbeberich – 7.-11. August
• St. Notburga-Bruderschaft Rahser – 21.-24. August

Daneben fallen in den vorgenannten sowie den anderen Viersener Bruderschaften zahlreiche weitere Termine aus, darunter auch die, deren Erlös traditionell sozialen Zwecken zugutekäme.

Viersens rund 1.600 Mitglieder große Schützenfamilie schmerzt die Absagen. „Wir feiern gerne, bereiten vielen Menschen in unserer Stadt mit unseren Veranstaltungen sowie öffentlichen Auftritten große Freude und leisten durch zahlreiche soziale wie karitative Aufgaben auch einen wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Leben in Viersen. Wie jeder wollen auch wir so schnell wie möglich wieder ein Stück Normalität zurück. Dieses Ziel erreichen wir aber nur, wenn wir uns jetzt und in den kommenden Monaten zurücknehmen und unseren Beitrag dazu leisten, die Verbreitung des Corona-Virus möglichst einzudämmen“, so Bezirksbundesmeister Hans-Willi Pergens.
Auch wenn man nicht bereits von Beginn der Corona-Krise an alles hätte „schwarzmalen“ wollen, sei die Entwicklung seit Ende März absehbar gewesen, so dass die Vorstände der Bruderschaften in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit zahlreichen Geschäfts- und Vertragspartnern geführt hätten. Schließlich stünden die Schützen auch denen gegenüber in der Verantwortung, die mit Festen Geld verdienten. Das seien nicht nur die Zeltverleiher, Musiker und Tontechniker, die Musikvereine und Trommlercorps, sondern auch die Betreiber von Imbiss- und Süßigkeitenbuden, der örtliche Getränkehändler, Gärtnereien und Blumenläden, Cateringbetriebe oder die Textilreinigung.

„Ich hatte mich so auf das Bezirksschützenfest am zweiten August-Wochenende gefreut und gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Königshauses schon viel Herzblut in die Planung investiert“, berichtet der aktuelle Bezirkskönig Dominik Hendriks von der St. Hubertus-Bruderschaft Oberbeberich. „Aber die Gesundheit geht vor und daher müssen wir das Feiern verschieben“.

Alexander Wassen, langjähriger Präsident der St. Notburga-Schützen ergänzt, dass eine Verschiebung auf die späten Monate des Jahres 2020 nicht realistisch sei: „Verschieben heißt für uns, das nächste Jahr ins Auge zu fassen, denn alleine schon mit Rücksicht auf noch in diesem Jahr geplanten Termine auch anderer Veranstalter außerhalb unserer Schützenfamilie macht ein sogenanntes Nachholen im Zeitraum September bis Dezember wenig Sinn“.

Präsident Konrad Bobber von der St. Matthias-Bruderschaft stellt seine Mitstreiter auf eine noch längere Geduldsprobe ein, denn im Hamm wird nur alle zwei Jahre Schützenfest gefeiert und damit erst wieder im Jahr 2022.

„Den nächsten feuchtfröhlichen Sturm auf die Königsburg an der Niers wird es wohl frühestens im Juli 2021 geben. Bis dahin sind wir Schützen gefragt, auf andere Weise Freude zu bereiten“, teilt der Präsident der St. Konrad-Schützengilde Jürgen Latzke mit. Hierzu greife man auf Bewährtes zurück, lote aber auch neue Möglichkeiten aus.

Für Pragmatismus wirbt auch der erst Anfang März gewählte Präsident der St. Peter+Paul-Schützen Bockert Stefan Hüpkes. „Wir sind uns einig, dass das designierte Königshaus dieses Jahres um ein Jahr verzögert im kommenden Jahr in Amt und Würden kommt. Das schafft bei der aktuellen Situation zumindest etwas Planungssicherheit, und gibt uns Raum jetzt auf die Dinge zu konzentrieren, die wichtig für unser Vereins- und Sektionsleben sind“.

Wie es jetzt weitergeht

Zunächst hat der Bezirksverband Viersen-Mitte personell für Kontinuität gesorgt. Alle Vorstandsmitglieder des Bezirksvorstandes sowie des Bezirksvorstandes der Schützenjugend bleiben vorerst im Amt, darunter Bundesmeister Hans-Willi Pergens selbst, der sich ursprünglich in diesem Frühjahr verabschieden wollte. „Wir brauchen jetzt ein starkes und reibungslos funktionierendes Team mit viel Erfahrung und gutem Netzwerk“, teilt dazu die stellv. Bezirksbundesmeisterin Claudia Küsters mit und wirbt in den Bruderschaften darum, es diesem Vorbild gleich zu tun. Auch Bezirkskönig Dominik Hendriks sowie die Bezirksmajestäten der Schützenjugend sollen über 2020 hinaus im Amt bleiben und im nächsten Jahr ihre Feste feiern können.

Es gibt auch weithin viel zu tun: So sind von jetzt auf gleich zahlreiche Seniorenangebote weggefallen und Angebote für die über 200 Schützenjugendlichen mussten auch eingestellt werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck an neuen Konzepten, damit wir trotz der Corona-Krise und dem notwendigen Abstand Kindern und Jugendlichen zeigen können, dass der bruderschaftliche Gedanke gerade jetzt von Bedeutung ist“, erklärt der für die Jugend zuständige Bezirksjungschützenmeister André Gormanns. „Wir müssen ebenso Wege finden, wie wir Bruderschaft für die vielen älteren Mitglieder trotz der Distanz erlebbar machen“, ergänzt Hans-Willi Pergens, der als Hubertus-Präsident auch den 14-tägigen Klöntreff für Senioren verantwortet. „Unsere Senioren vermissen diesen Treffpunkt und die verschiedenen Seniorennachmittage in den Bruderschaften – das müssen wir versuchen zu kompensieren. Aber ich bin zuversichtlich: Uns wird in den nächsten Wochen einiges einfallen – für alle Mitglieder. Die Stärke der Schützenbruderschaften ist, Krisen zu meistern – ansonsten hätten unsere Vereine die letzten Jahrhunderte nicht überstanden und uns es gäbe uns jetzt nicht mehr.“