Kempen: Webshops und Logistik vom Niederrhein

Der Internethandel boomt. Viele Mittelständler und auch kleinere Händler betreiben Shops. Auch hier am Niederrhein tut sich Einiges. Wir haben in Kempen die Firma Portica besucht. Einen Dienstleister, der den kompletten Versand organisiert und Shops anbietet.
Von RS-Redakteur Georg Grohs

Kempen – Kommt man in die von-Galen-Straße, fallen große Hallen und ein reges Kommen und Gehen von Lieferwagen auf. In den Hallen haben Onlinehändler ihre Waren eingelagert. Bei einer Bestellung nehmen die Mitarbeiter die passenden Artikel aus den Regalen und machen sie versandbereit. Karton greifen, Ware einpacken, Rechnung, Adresse und Porto. Das ist eine Mischung aus Handarbeit und Hightech.

Die Aufträge kommen vollautomatisch herein. Die verschiedenen Internetshops der Kunden leiten die Bestellung in die Kommissionierung bei Portica weiter. Dort werden automatisch Lieferlisten und Rechnungen gedruckt. Ein Mitarbeiter nimmt die bestellten Waren aus den Regalen und macht sie versandfertig. Binnen weniger Stunden sind die Produkte auf dem Versandweg und oft schon am nächsten Tag beim Endkunden. Hierbei werden, je nach Kundenwunsch, verschiedene Logistikunternehmen beauftragt. Auch das so genannte Zahlungsmanagement oder den Versand in Länder außerhalb der EU können die Kempener übernehmen.

Portica und die Tochterfirma Gedak bieten auch Shopsysteme und Auswertungssoftware an. Oxid als Shop ist eine vorzertifizierte, preisgekrönte deutsche Software, die sich gut bei modernen Anforderungen beispielsweise für das Online Marketing eignet. Die Kunden von Portica können sich einen kompletten Internetshop aufsetzen lassen, oder einen bereits existierenden Shop anbinden lassen. Verbindungen zur Warenwirtschaft, also Vorratshaltung und Lagerbestand oder zu anderen Systemen (z. B. CRM „Customer Relationship Management“) werden individuell angepasst. Dazu kommt ergänzend selbst entwickelte Software zum Einsatz. Flapsig formuliert: Was auch immer der Kunde für ein Shopsystem – ob Oxid oder ein anderes – einsetzt, kann angebunden werden.

Foto: Rheinischer Spiegel/gg

Wir haben uns mit Angela te Neues, der Marketingchefin, unterhalten.

RS: Wie lange sind Sie schon im E-Commerce tätig?
Angela te Neues: Seit Anfang an. Wir haben schon sehr früh vollelektronische Bestellsysteme für Kataloge und Werbematerial eingesetzt. Beispielsweise für Automobilhersteller. Seit Mitte der 80ger Jahre bieten wir die komplette Logistik auch für den Versandhandel, heutzutage E-Commerce.

RS: Wie viele Pakete können Sie pro Tag versenden?
Angela te Neues: Wir versenden jeden Tag im Schnitt mehrere tausend Pakete. Wenn unsere Kunden Sonderaktionen haben oder beispielsweise das Weihnachtsgeschäft ansteht, stocken wir unser Personal auf und können problemlos auch ein Vielfaches pro Tag verschicken.

RS: Viele kleinere und mittlere Ladengeschäfte haben Probleme mit dem Internethandel. Was sagen Sie dazu?
Angela te Neues: Das ist schade. Man braucht keine Angst vor den „großen Jungs“ wie Amazon oder ebay haben. Die können gar nicht alles gleich gut bewerben und verkaufen. Wir kennen diverse kleinere und mittlere Firmen, bei denen der Versand boomt. Natürlich bedeutet dies erst einmal Arbeit und eine neue Technik. Aber es gibt tolle Erfolgsstories.

RS: Wie stark wächst der Internethandel?
Angela te Neues: Das ist enorm. Jedes Jahr nimmt der Online-Umsatz deutschlandweit um ca. 25 Prozent zu. Auch bei unseren Händlern tut sich viel. Viele Mittelständler und auch kleinere Betriebe haben schon richtig große Versandumsätze.

RS: Einige Händler sind ja auf dem Amazon Marketplace. Dort ist immer die Gefahr, dass Amazon die Kundendaten der Verkäufe mitliest und das Geschäft übernimmt. Sprich, was gut läuft, wird schnell von Amazon selbst angeboten und der Händler fällt hinten über. Wie machen Sie das bei Portica?
Angela te Neues: Wir arbeiten ausschließlich treuhänderisch und führen den Versand durch oder betreuen die Kundenshops. Portica wird niemals in Konkurrenz zu den Händlern auftreten und selbst Produkte anbieten.

RS: Man kann sich für kleines Geld bei den üblichen Providern einen Shop mieten. Was bieten Sie an Mehrwert?
Angela te Neues: Einiges. Der Kunde braucht sich nicht mehr um die Verwaltung und Sicherung seiner Daten kümmern. Auch die Analyse der Daten stellen wir auf Wunsch bereit. Damit helfen wir dem Kunden, mehr Umsatz zu machen. Auch haben wir Anbindungsmöglichkeiten an diverse andere Systeme. Nicht vergessen: Bei den Providern gibt’s Standardlösungen. Wir können den Oxid-Shop so anpassen, bis er am besten die Anforderungen des Händlers erfüllt. Außerdem haben wir eigene Webserver, die bedeutend schneller sind als viele Standardlösungen. Das ist gut für die Zufriedenheit der Besucher und auch gut für Suchmaschinen.

RS: Gibt es eine Möglichkeit, dass Händler einfach mal ein Shopsystem ausprobieren, sozusagen reinschnuppern können?
Angela te Neues: Natürlich. Unter portica-shop.de haben wir ein Demosystem. Dort kann man sich kurz registrieren und dann einen Oxid-Shop ohne Kosten kennenlernen.

Weiter ging es durch die Hallen, wo Betriebsleiter Rüdiger Rohde die Lagertechnik und die Logistik erklärte. Was hier versendet werden kann, ist schon beeindruckend. Portica übernimmt auch die Wareneingangskontrolle. Ein Mitarbeiter rollt einen Tisch mit einem Computer zu den Paletten mit den eingetroffenen Waren. Sie werden elektronisch erfasst. Alles passiert computergestützt. Die Produkte werden so eingelagert, dass die Lauf- und Fahrwege möglichst kurz und damit effizient bleiben. Entsprechend ist für Händler und große Kunden aus dem Bereich Werbung der komplette Warenfluss von Herstellern und Zulieferern über die Verpackung bis zum tatsächlichen Versand auslagerbar. In verschiedenen Lagerbereichen bis zum eindrucksvollen Hochregallager warten die Waren auf den Abruf. Große Gabelstabler und Hubwagen stemmen ganze Paletten oder schwere Güter. (gg)

Foto: Rheinischer Spiegel/gg