Kleine Nachwuchströdler ganz groß beim traditionellen Viersener Trödelmarkt

Die ersten Stände wurden bereits um drei Uhr in der Nacht aufgebaut – zu früh, denn beim diesjährigen Kinder- und Jugendtrödelmarkt waren auch um acht Uhr noch genügend Standplätze für Nachwuchströdler frei.

Foto: Martin Häming

Viersen – Noch vor zehn Jahren waren die Standplätze bereits mitten in der Nacht alle besetzt, doch im letztem wie auch in diesem Jahr waren auch am Morgen noch genügend Plätze frei. Die Lücken wuchsen erneut. „Schade eigentlich“, erinnert sich Michaela Hoch (42), „denn dabei waren doch die ersten Stunden in der Nacht für uns Kinder eigentlich immer das größere Erlebnis. Dann, wenn dann gegen sechs Uhr noch einmal eine Stunde dick eingepackt in eine Decke die Augen zufielen.“ Auch ihrem Sohn Luca (8) ging es nicht anders, denn nachdem die beiden bereits um kurz nach vier ihren perfekten Platz gefunden hatten, schnorchelte der junge Mann vier Stunden später wie ein kleiner Engel zwischen seinen Spielsachen.
Genau die Uhrzeit, zu der die ersten Schnäppchenjäger jedes Angebot genau betrachteten und mit vollen Tüten die Fußgängerzone wieder verließen. Zwar hatte der Sommer seine Temperaturen etwas zurückgefahren, aber dem Besucherstrom machte auch der zugezogene Himmel nichts aus.

Foto: Rheinischer Spiegel

„Wenn ich heute Abend noch etwas habe, dann machen wir noch einen Stand beim Trödelmarkt in der Schule“, lacht Luca und rückt sein Feuerwehrauto ins rechte Licht auf dem Tapeziertisch. „Dafür will ich mindestens acht Euro.“ Er weiß genau, wie viel Taschengeld am Abend in die Kasse geflossen sein soll, denn ein Kettcar hat es ihm angetan. Zusammen mit seinem Geburtstagsgeld soll der Wunsch heute Wirklichkeit werden. Die traditionellen 100.000 Besucher schafften es allerdings in diesem Jahr nicht zum Kinder- und Jugendtrödelmarkt. „Ungünstig geplant“, sagt ein Vater am Stand neben Luca, während er sein Handy die ganze Zeit in Sichtweite hat und die WM verfolgt. Er zuckt mit den Schultern und ist schon wieder in Russland, während die zehnjährige Jenny gerade über den Verkaufspreis zu ihrer rothaarigen Puppe feilscht und zwölf Euro über die Decke wandern, auf der sie ihre Waren präsentiert.
Ein Grund vielleicht, warum schon um kurz nach 15.00 Uhr die ersten ihren Stand wieder abbauen. So gut wäre es allerdings auch nicht gelaufen sagt Jennys Vater und schiebt die erste Kiste in den Kofferraum. Luca dagegen hat sein Kettcar sicher – ein voller Erfolg für den Achtjährigen. (nb)

Foto: Martin Häming