Krefeld: Wirtschaftswissenschaftler erstellen Gutachten im Wirecard-Skandal

Der an der Hochschule Niederrhein lehrende Wirtschaftswissenschaftler Marius Gros hat zusammen mit seinem Kollegen Hans-Joachim Böcking von der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Gutachten erstellt. Damit wollen sie zur Versachlichung der Debatte infolge des #Wirecard-Skandals beitragen.

Finanzen – Ist das bisherige Bilanzprüfverfahren den Aufgaben gewachsen? Das zweistufige Enforcementsystem („Bilanzkontrolle“) ist 2005 installiert worden, vorausgegangen waren mehrere Bilanzskandale: Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), ein privatrechtlicher Verein, prüft die vorgelegten Konzernbilanzen als erstes. Die BaFin tritt regelmäßig nur dann als zweite Instanz auf, wenn das Unternehmen nicht kooperationsbereit ist oder die von der DPR beanstandeten Fehler abstreitet.

Dieses System kann durchaus auch im Falle eines Betrugsverdachts funktionieren, dies entspräche der vom Gesetzgeber intendierten Aufgabenverteilung zwischen privater und staatlicher Stelle. Denn die eigenständig und unabhängig von der BaFin agierende Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sei mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattet, auch vertrauliche Informationen anzufordern sowie gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft einzuschalten, meinen Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking und Prof. Dr. Marius Gros.

Auch die finanzielle Ausstattung der DPR sei genügend, um bei Bedarf zusätzliche externe Prüfer hinzuziehen. Daher seien die derzeitigen Möglichkeiten der BaFin begrenzt, ein Verfahren an sich zu ziehen. Verbesserungswürdig sei das Verfahren hinsichtlich seiner Transparenz auf der ersten Stufe.

Marius Gros lehrt Rechnungswesen und Controlling im Gesundheitswesen am Fachbereich Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein. Beauftragt wurden er und sein Frankfurter Kollege von der BaFin. Hintergrund waren die Vorwürfe gegen die Behörde, sie hätte die Bilanzprüfung bei Wirecard in Anbetracht der Betrugsvorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister früher übernehmen müssen, um Schaden abzuwenden. Um die Diskussion zur Reform der Bilanzkontrolle und die Rolle von BaFin und DPR im Rahmen des „Fall Wirecard“ zu versachlichen, haben Böcking und Gros die BaFin gebeten, das Gutachten veröffentlichen zu dürfen. Das Gutachten gibt es komplett zum Herunterladen: https://www.accounting.uni-frankfurt.de/index.php?id=5827.