„Krefelder Engel“ weiten das Spendenangebot für Bedürftige auf Viersen aus

Seit mittlerweile drei Jahren ist der Verein „Krefelder Engel“ aktiv, der die Versorgung von Bedürftigen mit Lebensmitteln oder Kleidung in der Region ergänzt. Nachdem viele Empfänger sogar aus Viersen den Weg nach Krefeld auf sich nahmen, wurde nun ein ortsnaher Ausgabepunkt an der Dechant-Stroux-Straße geschaffen. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Rahser – Hinter dem Klapptisch warten Sandra Backes und Marco Bernards auf die nächste Besucherin, die mit einem kleinen Einkaufswägelchen zwischen der Häuserzeile ihren Weg findet. Die beiden Ehrenamtler betreuen den neusten Anlaufpunkt des Vereins „Krefelder Engel e. V.“, der seit 2018 in und um Krefeld ein Angebot für Bedürftige geschaffen hat. Mit einem kurzen Schnack hinter den Coronamasken werden an diesem Tag Käse, Joghurt, Rotkohl, Butter und einiges mehr in der rollenden Tasche verpackt. „Die beiden sind sehr freundlich. Ich komme hier gerne hin“, lächelt sie und macht sich auf den Heimweg, damit sie den nächsten Bus noch erreicht.

„Es sind viele aus Viersen nach Krefeld gefahren, darunter auch Senioren. Ich selbst habe eine Freundin begleitet und irgendwann sprach mich unser Vorsitzender Bernd Oertel an, ob ich nicht auch aktiv werden möchte“, berichtet Sandra Backes. Mittlerweile ist sie gemeinsam mit ihrem Nachbarn Marco Bernards seit zweieinhalb Monaten aktiv. Die Ausgabe erfolgt aus der eigenen Garage heraus, die für dieses Projekt Corona-gerecht gestaltet wurde. Die Spenden werden aus Krefeld einmal die Woche geliefert, wird etwas knapp, wird innerhalb kurzer Zeit wieder aufgefüllt.

Nachdem viele Empfänger der Krefelder Engel e. V. sogar aus Viersen den Weg nach Krefeld auf sich nahmen, gibt es nun einen ortsnahen Ausgabepunkt an der Dechant-Stroux-Straße. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

„Am Anfang hatten wir nur acht, neun Besucher, mittlerweile sind wir auf 20 bis 25 Gäste, die regelmäßig unser Angebot nutzen“, berichtet die Ehrenamtlerin weiter. Die Ausgabe erfolgt zwei Mal in der Woche zu vorgegebenen Zeiten mit Termin. „Wir sind dabei aber durchaus flexibel, wenn jemand nur zu einer bestimmten Zeit an diesen Tagen kann“, ergänzt Marco Bernards. Aus Viersen, Süchteln, Dülken oder Mönchengladbach stammen die Besucher. Voraussetzung für dieses Angebot ist allerdings eine Vorabanmeldung telefonisch oder über Facebook um einen Abholtermin zu vereinbaren. Hierdurch hat der Verein zudem einen Überblick um genügend Spenden bereitstellen zu können. „Wenn mal etwas zu viel ist, dann werden wir auch einen Teil ausliefern“, sagt Bernards. „Zum Beispiel Obdachlose oder Senioren, die nicht zu uns kommen können, werden dann ebenfalls bedacht.“

Berechtigt sind Personen, die einen Hartz IV- oder Rentenbescheid besitzen sowie Personen, die bereits länger erkrankt sind und nur eine kleine Unterstützung bekommen. Der Bescheid wird kopiert und in der Krefelder Zentrale des Vereins abgeheftet. „Wir machen aber auch Ausnahmen für Familien in der aktuellen Corona-Situation, die momentan vorne und hinten nicht auskommen“, erklärt Backes. Sie selbst ist in der Pflege tätig. „Menschen zu helfen ist irgendwo mein Ding. Ich habe auch schon immer viel ehrenamtlich gearbeitet und ich dachte mir, warum nicht hier auch etwas Gutes tun.“ Als ihr Nachbar von der Idee hörte, brauchte es keine Überredungskunst. Mit Feuer und Flamme dabei, hat er bereits frühere, ehrenamtliche Erfahrungen im Möbellager der Caritas oder bei der Tafel in Nettetal sammeln können. „Ich weiß wie das ist, wenn man mit dem Geld nicht wirklich hinkommt, besonders wenn man Kinder hat“, sagt er.

„Niemand muss sich schämen unser Angebot in Anspruch zu nehmen. Wir verurteilen keinen, der in einer solchen Notlage ist und hier ist alles ganz locker“, ergänzt die Viersener Initiatorin, die bereits auf Spendersuche vor Ort gegangen ist. Brot und Brötchen werden mittlerweile vom Backwerk Viersen gesponsert, Gespräche mit weiteren Sponsoren werden aktuell geführt.

Die Ausgabe erfolgt an der Dechant-Stroux-Straße 65 (am Haus links führt ein Weg in den Hof) in Viersen-Rahser, immer montags und donnerstags von 15.00 Uhr bis 17.30 Uhr (Feiertage verschieben die Ausgabetage). Wer sich für eine Abholung anmelden möchte, kann vorab bei den Krefelder Engeln/Sandra Backes unter der Telefonnummer 0163 7711795 einen Abholtermin vereinbaren (https://krefelderengelev.wixsite.com/website). (nb)

2 Kommentare

  1. Es ist gut, dass es solche Menschen und Institutionen gibt, die sich Hilfe, Menschlichkeit und Nächstenliebe auf die Fahnen schreiben. Hierfür gebürt ihnen Respekt und Dank!

    Die bittere Note jedoch ist die Tatsache, dass so etwas in einem der reichsten Industriestaaten Europas überhaupt notwendig ist.

    Hierfür gebürt allen Regierungen Deutschlands, vor allem seit Schröder, ein sarkastisches „DANKE“ und für die Zukunft entsprechende Konsequenzen!

    1. Absolut! Ein Armutszeugnis.Ehrenamtler übernehmen die Aufgaben, die eigentlich der Staat erfüllen müsste.Ähnliches gilt für die Tafeln. Das wäre so, als wenn der Supermarktleiter die Verantwortung für frische der Ware in die Hände der Kunden legen würde….Hier hat der Staat völlig versagt!

Kommentare sind geschlossen.