Kreis prüft BUND-Vorwürfe gegen die Stadt Viersen

In der vergangenen Woche hat der BUND Stadt und Kreis Viersen eine offizielle Anzeige gegen die verantwortliche Baudezernentin der Stadt Viersen Beatrice Kamper unter anderem aufgrund der Rückschnitte an den Platanen in der Viersener Innenstadt beim Kreis Viersen eingereicht. Die Untere Naturschutzbehörde prüft den Tatbestand und hat die Ermittlungen aufgenommen.

Foto: meineresterampe

Viersen – Während der gesetzlichen Schonzeit hat die Stadt Viersen durch ein externes Unternehmen einen umfangreichen Rückschnitt an den Platanen in der Fußgängerzone vornehmen lassen. Der übliche Rückschnitt, der traditionell im Herbst vorgenommen wird, wird von dem BUND Stadt und Kreis Viersen nicht mehr als erlaubter Pflegeschnitt in der gesetzlichen Schonzeit gesehen und weshalb der Verband Anzeige wegen mehrerer Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz § 39 bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen stellte.

Der Kreis Viersen bestätigt nach Rückfrage die Anzeige, und dass noch Ermittlungen vorgenommen werden hinsichtlich der Frage, wann was mit wem abgesprochen wurde. Ob die tatsächlichen Maßnahmen überhaupt den Tatbestand erfüllen wird ebenfalls noch geprüft, da ggfs. die Ausnahmeregelung des § 39 Bundesnaturschutzgesetz, nach der Form- und Pflegeschnitte (Rückschnitt des Zuwachses eines Jahres auch innerhalb der Schonzeit) gestattet sind. Ein Ergebnis ist erst nach Ostern zu erwarten.

Mittlerweile hat der BUND seine Anzeige beim Kreis Viersen konkretisiert. „Mehrere Bürger hatten uns darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadt Viersen (bzw. deren Auftragnehmer) in der Fußgängerzone, an der Goethe-Straße und im Park neben dem Busbahnhof großflächig an allen Platanenreihen sämtliche Äste abschneiden bzw. abgeschnitten werden sollen“, so Almut Grytzmann-Meister, Vorsitzende des BUND Stadt und Kreis Viersen. „Im Hinblick auf die Fußgängerzone hatte Frau Dezernentin Kamper mir im Februar telefonisch mitgeteilt, dass die Sägearbeiten noch vor Beginn der Schonzeit beendet werden. Der Grund dafür, dass diese Arbeiten nicht schon im Herbst 2017 erledigt worden sind, liegt aber nicht in dem von ihr jetzt in der Presse geäußerten Umstand, dass „der Formschnitt“ bewusst nach hinten verlegt wurde – damit den Bäumen eine Phase der Kräftigung ermöglicht werde …“.  Tatsache ist, dass Frau Kamper mir sagte, dass im vergangenen Herbst allein Personalgründe dafür verantwortlich waren, dass die Schnitte nicht erfolgten. Auch eine weitere, von Frau Kamper jetzt in der Presse zitierte Behauptung „Der Kreis Viersen hat die Maßnahmen nicht beanstandet“ macht eine Klärung seitens des Kreises Viersen dringend notwendig. Unseres Wissens hat die Stadt Viersen vom Kreis Viersen keinerlei Sondergenehmigung für diese radikalen, flächendeckenden Sägearbeiten erhalten. Weshalb wir unsere Anzeige um diese aktuellen Informationen erweitert haben.“ Als problematisch sieht sie ebenfalls, dass die Stadt Viersen diese Sägearbeiten an den Platanenreihen im gesamten Stadtgebiet erst drei bis vier Wochen nach Beginn der Schonzeit vorgenommen habe bzw. derzeit noch immer vornimmt.

„Dass Frau Kamper all diese Fakten jetzt als „sachlich falsche Vorwürfe“ in der Presse bezeichnet, hat sie allein zu verantworten“, so Grytzmann-Meister weiter. „Wir als Natur-und Umweltschutzverband BUND bezeichnen diese von der Stadt als „Formschnitte und Pflegeschnitte“ genannte Maßnahme als völlig unverhältnismäßig und vom Gesetz nicht in dieser Form gedeckt. Immerhin handelt es sich dabei nicht um einzelne Bäume, sondern um zusammen gerechnet mindestens einige Dutzend und mehr Platanen auf der gesamten Stadtfläche verteilt Dass diese Vorgehensweise der Baudezernentin in Viersen keine einmalige Aktion war bzw. ist, belegen weitere von Bürgern an uns gesandte Hinweise.“

Nicht nur in der Fußgängerzone auf mehreren hundert Metern zwischen Lambersartstraße und Remigiusbrunnen, im gesamten Park am Busbahnhof und in der Goethe-Straße am Bahnhof – auch aus anderen Stadtteilen wie z. B. am Hochfeldweg in Dülken wurden dem BUND Beschwerden von Bürgern an den Sägearbeiten innerhalb der Schonzeit gemeldet, hier soll es sich um sieben gesunde Erlen und einen Apfelbaum handeln. „Es ist für uns als Naturschützer nicht nachvollziehbar, dass sich Verwaltungen nicht in ihrem eigenen Selbstverständnis selbst genau an die entsprechenden Gesetze halten, sondern durch fadenscheinige Schutz-Argumente diese umgehen“, ergänzt die Vorsitzende. „Es wäre im Gegenteil ihre Aufgabe und Pflicht nicht nur als Behörde korrekt zu arbeiten, sondern dadurch auch mögliche Verstöße der Bürger aufzudecken und zu vermeiden, die sich durch das bisherige Verhalten der Viersener Baudezernentin und ihrer Mitarbeiter eher bestärkt fühlen in der Schonzeit zur Säge zu greifen. Eine Vorbildfunktion der Stadtverwaltung in Viersen ist nicht sichtbar!“ (re/BUND)

BUND Viersen stellt Anzeige gegen Viersener Baudezernentin Beatrice Kamper