Kreis Viersen: Befragung bei Hausarztpraxen liefert Ansatzpunkte für Folgeprojekte

Wie gut erreichen Patienten im Kreis Viersen einen Hausarzt? Dieser Frage haben sich Studierende des Kreises Viersen im Rahmen ihres Dualen Studiums an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW gewidmet.

Kreis Viersen – Die Projektarbeit von acht Studierenden des Einstellungsjahrgangs 2018 analysiert die Mobilität ambulanter Patienten im Kreis Viersen. Die Ergebnisse ihrer Arzt- und Patientenbefragung präsentierten sie nun Landrat Dr. Andreas Coenen, Thomas Heil, kommissarischer Gesundheitsdezernent des Kreises Viersen, Gesundheitsamtsleiterin Dr. Barbara Nieters sowie Marie-Christin Dieser, Geschäftsführung der Kommunalen Gesundheitskonferenz.

Die ärztliche Versorgung sicherzustellen, ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung. „Zusätzlich initiieren wir zahlreiche Maßnahmen wie ein Hospitationsprogramm und einen Ärzte-Scout, um gute Allgemeinmediziner im Kreis Viersen anzusiedeln und die medizinische Grundversorgung in allen Städten und Gemeinden sicherzustellen“, betont Landrat Dr. Coenen. „Die Ergebnisse der Umfrage sind aufgrund der Coronapandemie zwar nicht repräsentativ, sie liefern uns aber gute Hinweise, an welchen Stellen wir mit unseren Projekten ansetzen können.“

Landrat Dr. Andreas Coenen (r.), Thomas Heil (hinten Mitte), kommissarischer Gesundheitsdezernent des Kreises Viersen, Gesundheitsamtsleiterin Dr. Barbara Nieters (hinten 4.v.l.) sowie Marie-Christin Dieser (2.v.r.), Geschäftsführung der Kommunalen Gesundheitskonferenz, mit Auszubildenden des Kreises Viersen. Die Projektarbeit von acht Studierenden des Einstellungsjahrgangs 2018 analysiert die Mobilität ambulanter Patienten im Kreis Viersen. Foto: Kreis Viersen

Obwohl einige Hausarztsitze im Kreis Viersen frei sind, zeigt die Studie, dass die vorhandenen Hausarztsitze gut über das Kreisgebiet verteilt sind: Nahezu aus allen Ortsteilen können Patienten einen Allgemeinmediziner im Umkreis von ein bis drei Kilometern erreichen. Die Mobilität der in der Studie befragten Patienten ist vergleichsweise gut. Viele erreichen ihren Arzt zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem eigenen Auto oder mit Unterstützung aus dem sozialen Umfeld. Sorgen bereitet allerdings, dass der Altersdurchschnitt der Mediziner in einigen Kommunen hoch ist. Die Studierenden empfehlen, bereits bestehende Hilfen wie Bürgerbus-Angebote und Unterstützung durch private Vereine auszubauen beziehungsweise stärker zu bewerben, da diese von den Befragten bislang kaum genutzt werden. Außerdem seien die Chancen und Möglichkeiten der Telemedizin sowohl den befragten Patienten als auch den Ärzten noch nicht hinreichend bekannt.
„Die Analyse gibt einen guten ersten Eindruck über die medizinische Grundversorgung im Kreis Viersen und liefert Ansatzpunkte zur Optimierung. Wir werden die Ergebnisse bewerten und überlegen, wo wir gezielt ansetzen können“, sagt Heil.

Von 189,9 zur Verfügung stehenden Hausarztsitzen im Kreis Viersen sind aktuell 182,55 besetzt. Durch eine Überversorgung des Bereiches Kempen/Grefrath sowie Aufrundungen in anderen Kommunen gibt es aktuell zwölf freie Hausarztsitze. Die meisten liegen in den Stadtgebieten Viersen (4,5) und Willich (4).
Bereits beschlossene Maßnahmen des Kreises Viersen Trotz des Versorgungsauftrags der Kassenärztlichen Vereinigung ergreift der Kreis Viersen eigene Maßnahmen, um Allgemeinmediziner im Kreisgebiet anzusiedeln. Vom Kreistag beschlossen und in den Kreis-Haushalt eingebracht sind ein Hospitationsprogramm sowie ein Ärzte-Scout: Das Hospitationsprogramm richtet sich an Ärzte, die zunächst einen Eindruck vom Praxisalltag im Kreis Viersen erhalten möchten. Sie können bis zu vier Wochen in einer Praxis hospitieren und erhalten finanzielle Unterstützung. Aktuell hat die Coronapandemie den Start des Projektes verzögert.

Der Kreis Viersen wird einen Ärzte-Scout einstellen. Dieser ist Netzwerker und berät zugleich interessierte Ärzte. Er hält Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung und den niedergelassenen Ärzten im Kreis, bespricht mit interessierten Medizinern Fördermöglichkeiten und hilft bei der Suche nach Praxisräumen. Der Ärzte-Scout berät beim Start in die Selbstständigkeit und bringt den medizinischen Nachwuchs mit ausscheidenden Ärzten zusammen. In Kürze beginnt das Bewerbungsverfahren.

Um darüber hinaus medizinischen Nachwuchs frühzeitig für eine Arbeit im Kreis Viersen zu gewinnen, werden angehende Allgemeinmediziner auf die Möglichkeit der Facharztausbildung in einer universitären Lehrpraxis im Kreisgebiet Viersen aufmerksam gemacht. 19 Lehrpraxen stehen den Studierenden im Rahmen der Ausbildung „Facharzt für Allgemeinmedizin“ kreisweit zur Verfügung.