Kreis Viersen erster Straßenbaulastträger Deutschlands mit strategischem Erhaltungsmanagement

In welchem Zustand ist jede einzelne Kreisstraße? Was muss getan werden, um diesen Zustand zu erhalten oder zu verbessern? Diese Fragen managen die Mitarbeiter der Kreisverwaltung Viersen jetzt auf der Basis einer speziellen Software mit einem objektiven Bewertungssystem.

Kreis Viersen – Der TÜV Hessen hat das Amt für Technischen Umweltschutz und Kreisstraßen für das erarbeitete Straßenerhaltungsmanagement gemäß DIN ISO 55001 zertifiziert. Der Kreis Viersen ist damit bundesweit der erste Straßenbaulastträger, dessen Straßenerhaltungsmanagement mit einem DIN-Zertifikat ausgezeichnet ist.

Das systematische Management der Kreisstraßen beruht auf folgenden Schritten: regelmäßige Analyse des Straßenzustands – klare Standards zur Bewertung – Strategien zur Erhaltung der Straßen und Radwege – Bestimmung des Mittelbedarfs – Planung, Priorisierung und Umsetzung der Erhaltungsmaßnahmen.

Landrat Dr. Andreas Coenen sieht das strategische Management als wichtiges Element, um den Wert der Kreisstraßen zu erhalten: „Mit dem Zertifikat belegen wir, dass wir mit dem Anlagevermögen – unseren Kreisstraßen – verantwortungsvoll umgehen. So können wir der Politik fundierte und objektive Konzepte für notwendige Investitionen vorlegen.“ Die Software des renommierten Darmstädter Beratungsbüros Heller IG verwertet die Daten der systematischen Zustandserfassung und –bewertung (ZEB) und bildet auf dieser Grundlage automatisch eine Liste mit dem Zustand aller Abschnitte. Die Mitarbeiter der Abteilung Kreisstraßen haben weitere Kriterien in die Software eingearbeitet, die es ermöglichen, Prioritäten zu setzen. So stellt bei den Fahrbahnen das Verkehrsaufkommen einen wichtigen Faktor dar. Ebenfalls gewichtet werden die Zugehörigkeit zum LKW-Vorrangroutennetz und die Nutzung durch den ÖPNV. Bei den Radwegen sorgen die Nutzung als Schulweg oder die Ausweisung als Radwanderroute für einen höheren Platz in der Vorrangliste.

Der Dezernent für Bauen und Umwelt, Andreas Budde, schätzt besonders die Steuerungsfunktion der Software: „Wir können als Ziel z. B. festlegen, dass die Fahrbahnen bis zu einem konkreten Zeitpunkt einen definierten Zustand haben sollen. Die Software errechnet dann, wie hoch der finanzielle Aufwand für die erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen sind.“ Auch der umgekehrte Weg ist möglich: Die Software kann prognostizieren, wie sich der Zustand der Kreisstraßen und Radwege bei einem höheren oder niedrigeren Budget entwickeln würde. Mit diesen Zahlen hat der Kreistag eine optimale Grundlage für seine Entscheidungen.

Die Verwaltung hat den Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt in seiner Sitzung am 19. September über das neu eingeführte Straßenerhaltungsmanagement informiert. Konkrete Beschlüsse zu den künftigen finanziellen Aufwendungen werden in den Beratungen zum Haushalt 2018 des Kreises Anfang des nächsten Jahres getroffen. Der Kreis Viersen bewirtschaftet 165 Kilometer Fahrbahnen und 128 Kilometer Radwege.

TÜV-Zertifizierung für den ersten Straßenbaulastträger Deutschlands mit strategischem Erhaltungsmanagement: (v.l.) Marek Skakuj (Heller Ingenieurgesellschaft), Rainer Röder (Amtsleiter Technischer Umweltschutz und Kreisstraßen), Andreas Budde (Dezernent für Bauen und Umwelt), Thomas Vorst (TÜV Hessen), Landrat Dr. Andreas Coenen, Christian Böker (Leiter der Abteilung Kreisstraßen). Foto: Kreis Viersen