Kreis Viersen/Krefeld: Saisonbedingt Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit um 517 Personen gegenüber dem Juni ist saisontypisch dem Ende der Schulzeit und vieler Ausbildungsverhältnisse geschuldet“, erläuterte Dr. Bettina Rademacher-Bensing, Leiterin der Agentur für Arbeit Krefeld, bei einem Besuch der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) am Standort Viersen. 

Kreis Viersen/Krefeld – Aktuell sind 21.304 Männer und Frauen in Krefeld und im Kreis Viersen im Juli arbeitslos gemeldet. Das waren 517 Menschen (oder 2,5 Prozent) mehr als im Juni, jedoch 575 Personen (oder 2,6 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote im Bezirk der Agentur für Arbeit Krefeld liegt aktuell bei 7,5 Prozent (Juni: 7,3%), gegenüber dem Juli des Vorjahres liegt sie um 0,2 Prozentpunkte niedriger.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit trifft vor allem die Jüngeren auf dem Arbeitsmarkt. In den Sommermonaten enden viele Ausbildungsverhältnisse, und nicht alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen. So erklärt sich der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit (Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren) um 217 Personen (13,8 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Wert des Vorjahresmonats ist die Zahl jedoch um 51 Personen (oder 2,8 Prozent) gesunken.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass gerade diese jungen Fachkräfte nach der Sommerpause schnell in den Arbeitsmarkt aufgenommen werden“, zeigt sich Rademacher-Bensing optimistisch, dass sich die insgesamt positive Entwicklung dieses Jahres nach dem Sommer fortsetzen wird. „Der Bedarf an Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt ist da.“

In der Stadt Krefeld beträgt die Arbeitslosenquote 10,3 Prozent (Juni: 10,0%, Juli 2018: 10,1%), im Kreis Viersen liegt sie nun bei 5,4 Prozent, und damit um 0,2 Prozentpunkt höher als im letzten Monat (Juli 2018: 5,9%).

Im Geschäftsstellenbezirk Kempen (Kempen, Grefrath, Tönisvorst) beträgt die Quote 4,1 Prozent (Juni: 4,1%), im Geschäftsstellenbezirk Nettetal (Nettetal, Brüggen) liegt die Arbeitslosenquote bei 5,8 Prozent (Juni: 5,7%), im Geschäftsstellenbezirk Viersen (Stadt Viersen, Willich, Niederkrüchten, Schwalmtal) ist sie ebenso leicht auf jetzt 5,8 Prozent (Juni: 5,6 %) gestiegen.

Positiv: Die Kräftenachfrage bewegt sich weiter auf einem hohen Niveau. Im Juli wurden in der gesamten Region 937 neue sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Aktuell stehen dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit 4.646 sozialversicherungspflichtige Stellen zur Besetzung zur Verfügung. „Qualifizierte Kräfte werden gesucht“, stellt Rademacher-Bensing beim Blick in die Stellenstatistik fest. „Da wünsche ich mir, dass die Arbeitgeber bei der Einstellung vor allem auch die Potentiale der Menschen mit Behinderung, der Älteren oder auch der Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer ausschöpfen. Dort haben wir oft hoch qualifizierte Kräfte, die eine Einstellung mit großem Engagement und hoher Loyalität danken. Diese Menschen haben alle eine Chance verdient“, wirbt Rademacher-Bensing bei den Arbeitgebern dafür, keine Plätze unbesetzt zu lassen. „Und da wo es einzelnen Beschäftigten oder Arbeitslosen an Qualifikationen noch fehlt sind diese ja zu vermitteln“, schlägt sie den Bogen zu ihrem Schwerpunktthema dieses Monats, der Qualifizierung von Beschäftigten in Unternehmen.

Von links: Dr. Bettina Rademacher-Bensing (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld), Holger Sommerfeld und Aline Okrongli (beide EGN mbH). – Foto: Agentur für Arbeit Krefeld

Die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) nutzt am Standort Viersen bereits die Angebote der Agentur für Arbeit zur Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Unternehmen. Mit attraktiven Konditionen (anteilige Übernahme der Lehrgangskosten, Arbeitsentgeltzuschuss) beteiligt sich die Agentur für Arbeit an der Qualifizierung im Betrieb und unterstützt damit Arbeitgeber, die dem Fachkräftemangel aktiv entgegenwirken wollen. Fragen zum Qualifizierungschancengesetz und den detaillierten Fördervoraussetzungen beantworten die Mitarbeiter des Arbeitgeber-Service in Krefeld und im Kreis Viersen unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20.

Reinhard Van Vlodrop, Geschäftsführer der EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH ist überzeugt vom neuen Gesetz: „Die Weiterbildung sowie zusätzliche Qualifizierungsmöglichkeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zu unseren Strategiezielen und sind wichtiger Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Uns ist bewusst, dass Chancen und Risiken am Arbeitsmarkt maßgeblich vom Faktor Qualifikation abhängen. Das Qualifizierungschancengesetz stellt daher für uns eine sehr gute Möglichkeit dar, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten. Derzeit suchen wir dringend qualifizierte Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft.“

Mit Holger Sommerfeld absolviert gerade ein Mitarbeiter seine Qualifizierung im Bereich Kreislauf- und Abfallwirtschaft und gibt sein Wissen und seine positiven Erfahrungen an die nächsten Weiterbildungskandidaten der EGN weiter.

„Auf dem Ausbildungsmarkt geht es in den Endspurt, aber es ist noch viel Bewegung auf dem Feld. Wir merken hier ganz klar, dass sich sowohl die Bewerberinnen und Bewerber als auch die Betriebe früher als in den Vorjahren auf die Suche nach der passenden Ausbildungsstelle bzw. dem passenden Azubi gemacht haben“, erklärt Rademacher-Bensing die aktuellen Zahlen.

Seit Beginn des statistischen Berichtsjahres im Oktober 2018 wurden der Agentur für Arbeit insgesamt 3.622 Ausbildungsstellen zur Besetzung von den Betrieben gemeldet. Das sind 418 Stellen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zugleich haben sich in diesem Zeitraum 3.836 Jugendliche und junge Erwachsene als Bewerber um eine Ausbildungsstelle in der Berufsberatung gemeldet (-380 im Vergleich zum Vorjahr). Rechnerisch stehen damit 100 Bewerberinnen und Bewerbern 94 Ausbildungsstellen zur Verfügung.
Unternehmen, die noch freie oder zusätzliche Ausbildungsstellen zu besetzen haben, oder die Fragen zu den ausbildungsbegleitenden Hilfen oder zur assistierten Ausbildung haben, steht der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 oder direkt über den persönlichen Ansprechpartner zur Verfügung.
Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, melden sich über die kostenfreie Servicenummer 0800 4 5555 00 zur Berufsberatung an. Fast alle Ausbildungsstellenangebote findet man in der der Jobbörse der Agentur für Arbeit unter www.arbeitsagentur.de .