Kreisarchiv publiziert Abschrift des Viersener Bannbuchs

Heimat- und Familienforscher dürfen sich über eine neue Abschrift zur Viersener Stadtgeschichte freuen. Der Diplom-Verwaltungsbetriebswirt Herbert J. K. Söthe hat „Das Bannbuch des Schöffengerichtes Viersen 1574-1702“ transkribiert. Es ist die älteste notarielle Überlieferung Viersens.

Viersen – Das Kreisarchiv hat die Abschrift nun im Rahmen der „Kleinen Reihe“ publiziert. Das Bannbuch ist eine Vorform des Grundbuchs und des Liegenschaftskatasters. In ihm wurden seinerzeit die Rechts- und Eigentumsverhältnisse von Grundstücken und deren Lage festgehalten. „Überall dort, wo der Besitz einer Familie unter den Erben aufgeteilt oder Grundstücke verkauft wurden, war ein Eintrag in das Bannbuch notwendig. Darin wurde genau festgehalten, wem welches Grundstück gehört oder wer beispielsweise von seinen Miterben ausgezahlt wurde“, erklärt Herbert J. K. Söthe. Mit seiner Abschrift des Buches ist die Mehrheit der Rechtsgeschäfte, die vom 16. bis 18. Jahrhundert in Viersen geschlossen wurden, nun leicht lesbar zugänglich.

„Die Abschrift ist ein geeignetes Hilfsmittel für ortsgeschichtliche, genealogische und auch wissenschaftliche Forschungen. Mit seiner Arbeit leistet Herr Söthe dieser Forschung einen wertvollen Dienst und vollendet er ein Gesamtwerk. Denn das Bannbuch ist der funktionale Vorläufer der Realisationsprotokolle, von denen er von 2013 bis 2015 bereits Abschriften in den Publikationen des ehemaligen Stadtarchivs veröffentlicht hat. Für diese große Arbeit danken wir Herrn Söthe ganz herzlich“, sagt Kreisarchivar Dr. Michael Habersack.

V.l.n.r.: Kreisarchivar Dr. Michael Habersack und Autor Herbert J.K. Söthe präsentieren die Abschrift des Bannbuches. Der frühere Stadtarchivar und Kreisarchivamtmann, Marcus Ewers, hält die restaurierte Originalquelle. Foto: Kreis Viersen

Söthe begann bereits vor 25 Jahren im Rahmen der Familienforschung rechtshistorische Quellen aus Viersen zu studieren. Er selbst kommt aus dem westmünsterländischen Ahaus-Ottenstein. Durch seine Urgroßmutter, die 1863 in Viersen zur Welt kam, wurde er auf die Kreisstadt aufmerksam. Um mehr über die Vergangenheit seiner Familie zu erfahren, besuchte Söthe regelmäßig das ehemalige Stadtarchiv und nahm dafür die weite Anfahrt in Kauf. Das brachte ihn auf die Idee, Abschriften von Quellen anzufertigen: „Natürlich findet nicht jeder die Gelegenheit, vor Ort einen Blick in die Originalquellen zu werfen. Mit der Abschrift möchte ich nun das Bannbuch allen leichter zugänglich machen“, erläutert Söthe. Die Schrift und die südniederfränkische Sprache der Quelle bereiteten ihm aufgrund langjähriger Erfahrung kaum Probleme. Unterstützt wurde er in seiner jahrelangen Arbeit von dem früheren Stadtarchivar, Kreisarchivamtmann Marcus Ewers.

Bereits der Süchtelner Pfarrer Dr. Peter Norrenberg (1847-1894) nutzte die Bannbücher als zentrale Quelle für seine stadtgeschichtlichen Untersuchungen. Er veröffentlichte 1886 eine Arbeit unter dem Titel „Aus dem Viersener Bannbuch“, mit der er die ältere Ortsgeschichte erzählen und das in Viersen besonders lebhafte historische Interesse befriedigen wollte. An die Arbeit von Norrenberg knüpft Söthe nun an. Dabei ist sein Werk um einiges ausführlicher. Es verzeichnet alle im Bannbuch enthaltenen 5947 Einträge gegenüber den von Norrenberg ausgewählten 1152 Einträgen.
In der „Kleinen Reihe“ veröffentlicht das Kreisarchiv bedarfsbezogen Nutzerpublikationen. Sie gliedern sich in die drei Kategorien Quellenabschriften, Hilfsmittel und Darstellungen.