Kreissynode Krefeld-Viersen tagte im Seidenweberhaus

Die Konzeption des Kirchenkreises, die Bildung von Regionen und die Pfarrstellenplanung bildeten einen Schwerpunkt der Synode. „Kirche sein im Horizont des Reiches Gottes“ – dieses Leitmotiv hat sich im Laufe der Arbeit mit der Konzeption herauskristallisiert.

Krefeld/Viersen – Wie können wir in Krefeld-Viersen die Inhalte und Anliegen des Evangeliums zeitgemäß verkünden und für viele Menschen erfahrbar machen? In der Präambel heißt es weiter: „Erkennbar evangelisch – vielfältig – den Menschen zugewandt“. Diese Konzeption soll in Zukunft die Richtschnur und der Maßstab aller kirchlicher Arbeit sein. Die ersten drei Teile wurden von der Synode einstimmig verabschiedet: Grundlagen sowie Herausforderungen und Chancen sowie Kennzeichen des Handelns. Noch weitergearbeitet wird an dem vierten Teil, den Bausteinen, die Vorhaben der Arbeit im Kirchenkreis in den kommenden Jahren abbilden.

Die ersten Bausteine daraus wurden bereits jetzt verabschiedet: Die Bildung von Regionen und die Pfarrstellenplanung. Die Gemeinden verpflichten sich bis zur Frühjahrssynode 2021 verbindliche Regionen zu bilden. Diese haben eine Mindestgröße von etwa 10.000 Gemeindemitgliedern und mindestens drei Pfarrstellen, damit eine Vertretung gewährleistet ist. Schwerpunkte und Profile der einzelnen Gemeinden fließen in die Regionen ein. Eigene Schwerpunkte werden gesetzt. Ebenso werden die funktionalen Dienste wie Krankenhausseelsorge eingebunden. So zieht sich über den Kirchenkreis ein Netz von Kooperationsräumen. Ganz nach der Devise: Gemeinsam ist man eben stärker. Viele Gemeinden arbeiten längst unterschiedlich eng in Regionen zusammen, etwa Nettetal, Krefeld, Viersen oder Meerbusch. Kempen fusioniert sogar mit St. Hubert und Tönisberg zum 1. Januar 2021.

Foto: Evangelischer Kirchenkreis Krefeld-Viersen

Diese Dynamik komme aus den Gemeinden, so Superintendentin Dr. Barbara Schwahn. „Wir haben im Moment 45 Pfarrstellen“, erklärt Superintendentin Schwahn. „In zehn Jahren werden es noch knapp 34 sein.“ Dabei seien die refinanzierten Stellen in JVA und Schulen nicht eingerechnet. Viele Pfarrer gehen in den nächsten Jahren in Ruhestand, zu wenige kommen nach. Zudem gehe die Gemeindemitgliederzahl um etwa 1 Prozent pro Jahr zurück. Etwa 1.000 Pfarrstellen stehen 2030 in der gesamten Evangelischen Kirche im Rheinland zur Verfügung. Heute sind es gut 1.800. Die Zahl der Pfarrstellen pro Kirchenkreis berechnet sich nach refinanzierten Stellen und Anzahl der Gemeindemitglieder. Die Synode beschloss, die Diakonie Krefeld-Viersen mit einer Finanzspritze zu unterstützen, die vor allem der soliden Weiterentwicklung in den beiden Haupthandlungsfeldern dient: Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien sowie Erwachsene in Krisensituationen. Zusammen mit den anderen, kleinteiligeren Handlungsfeldern stabilisiert sich die Diakonie so als große kirchliche Sozialeinrichtung, in der 130 Mitarbeitende und etwa 7 Millionen jährliches Haushaltsvolumen an verschiedenen Standorten in Krefeld und im Kreis Viersen für die Allgemeinheit eingesetzt werden. Durch diese Unterstützung ist die Geschäftsführung in der Lage, bei Bedarf flexibel und schnell auf diakonische Anforderungen zu reagieren.

„Auf dem Weg zum ökofairen Kirchenkreis, Über Grenzen hinweg – Beyond borders und Regionalkonferenzen zu KiTas – dies sind aktuelle Aktionen des Kirchenkreises. Der Kirchenkreis macht sich auf den Weg Ökofair zu werden. Das Themenjahr #FairWandeln beginnt mit den Gottesdiensten in allen Gemeinden an Erntedank, am 4. Oktober. Ideen, Projekte und Aktionen werden den Weg prägen: schonender Umgang mit Ressourcen, fair gehandelte Produkte, ökologische Akzente, der Aufbau des „Grünen Datenkontos“, und vieles mehr. „Über Grenzen hinweg – Beyond borders“ heißt ein Projekt der vier Kirchenkreise im so genannten Kleeblatt, sich in der Zeit von „Corona“ für die Partner in der Welt zu engagieren. Die Aktion schließt den Partnerkirchenkreis von Krefeld-Viersen in Humbang / Nord-Sumatra ein. Die Partner bitten um Unterstützung von Lebensgrundlagen. Videos und persönliche Statements, Informationen und Austausch sowie mehrere Gottesdienste sollen den Blick über den Tellerrand weiten auf die Probleme der Partner während Covid-19. In mehreren Regionalkonferenzen können die Gemeinden als Träger von KiTas im September ihre Fragen zum neuen Kita-Gesetz stellen und fachkundig beantworten lassen sowie ihren Unterstützungsbedarf klären. Einige Wahlen zu Fachschüssen etwa der Frauenarbeit, Kitas, Jugend und Krankenhausseelsorge standen turnusmäßig an. Mit dem Wechsel im Vorsitz des Fachausschusses für Verwaltung und Finanzen ging eine Ära im Kirchenkreis zu Ende. Harald Ohlmeier war seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Gremien aktiv. Er sei immer ein kritischer Begleiter gewesen, und mit seiner Sachkompetenz an allen Entscheidungen der Synode beteiligt gewesen, würdigte Superintendentin Schwahn. „Es waren wohl um die 50 Synoden, zählt man die Landessynoden mit“, meinte Ohlmeier, der nun auch in seinem Ehrenamt in Ruhestand geht.

Es war die erste konstituierende Synode des Kirchenkreises nach den Presbyteriumswahlen im März. „Deshalb war es wichtig und gut, sich zu sehen und persönlich miteinander zu beraten“, erklärt Superintendentin Schwahn. Mit der Hybridsynode war die komplizierteste Form gewählt worden. Präsent – mit ausreichendem Abstand zueinander – im Seidenweberhaus oder per Video-Schaltung nahmen die Synodalen an der Tagung teil. 87 vor Ort, 27 per Zoom. Die Herbstsynode im November könnte eine reine Zoom-Synode werden.