Landrat Dr. Andreas Coenen: Verkauf der RWE-Aktien war richtige Entscheidung

Der Kreis Viersen wehrt sich gegen die öffentlich geäußerte Kritik, der Verkauf der RWE-Aktien im Jahr 2017 sei eine falsche Entscheidung gewesen. Selbst mit Blick auf den seitdem gestiegenen Aktienkurs sei es richtig gewesen, sich seinerzeit von den Anteilen zu trennen, betont Landrat Dr. Andreas Coenen. Der Kreistag hatte dem Vorschlag mit großer Mehrheit zugestimmt.

Kreis Viersen – „Das langjährige Festhalten am RWE-Aktienpakt hat einen massiven Vermögensverlust des Kreises Viersen verursacht.“ Bei der Aufstellung der Eröffnungsbilanz des Kreises Viersen konnte der Wert der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) noch mit 94 Millionen Euro beziffert werden. Die WFG hielt den Großteil der RWE-Aktien. Durch die massiven Kursverluste der RWE-Aktien musste bereits vor dem Verkauf der Wert der WFG auf rund 40 Millionen Euro in der Bilanz korrigiert werden – ein Vermögensverlust von rund 54 Millionen Euro für den Kreis Viersen.

Zudem hatte RWE in den Jahren 2015 und 2016 keine Dividende ausgezahlt. Geld, das für die Finanzierung der laufenden Kosten der WFG fest eingeplant gewesen war, fehlte dadurch.
„Den Umstand, dass der damalige Landrat sich stets gegen einen Verkauf der RWE-Aktien ausgesprochen hatte und heute dem Aufsichtsrat des Unternehmens angehört, möchte ich nicht kommentieren“, sagt Dr. Coenen. „Fest steht aber: Wer heute den Verkauf der Aktien wegen des seitdem gestiegenen Aktienkurses moniert, sollte auch erwähnen, dass der Aktienkurs schon einmal beinahe dreimal so hoch war. Damals, als die Aktien bei um die hundert Euro standen, wurde eine große Chance vertan, Gewinne zu erwirtschaften.“ Zu diesen Rekordzeiten in den Jahren 2006/07 machten einige Kommunen ihre Anteile zu Geld – etwa die Stadt Düsseldorf. Solche Forderungen und sogar konkrete Vorschläge dazu gab es auch im politischen Raum des Kreises Viersen. „Sie wurden aber nicht aufgegriffen.“

Es sei nicht die Aufgabe einer Kommune, mit dem Geld der Steuerzahler Spekulationsgeschäfte zu betreiben, sondern die Aufgabenerfüllung für die Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Nach dieser Maxime hat der Kreis Viersen den Erlös von 19,5 Millionen Euro aus dem Verkauf der RWE-Aktien in Fondsanteile, die eine breite Streuung des Risikos gewährleisten, investiert. Die enthaltenen Titel schütten nicht nur Dividende aus, sondern sind auch mit Blick auf die Themen Energiewende und Nachhaltigkeit ausgewählt.

Zum durchschnittlichen Anschaffungspreis von 99,88 Euro gekauft, beträgt der tagesaktuelle Wert dieser Anteile jeweils 104,20 Euro. Der Gesamtwert für die mit den Erlösen durch den Verkauf der RWE-Aktien erworbenen Anteile beläuft sich aktuell damit auf 20,3 Millionen Euro. Zusätzlich schütte der Fonds in dieser vergleichsweise knappen Zeitspanne insgesamt 866.000 Euro aus.

Die Kritik, der Kreis Viersen würde sich der Energiewende versperren, weil er nicht Mitglied in der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) sei, ist falsch. Die vom Kreis sogar angestrebte Mitgliedschaft wurde von der ZRR mit der Begründung abgelehnt, dass nur direkt vom Tagebau betroffene Kommunen Mitglied werden können. Die Aufgabe der ZRR ist es, den Strukturwandel zu organisieren, aber nicht die Energiewende.