„Lehren heißt ein Feuer entfachen …“: Neue private Schule in Gründung

Bis auf den letzten Stuhl waren die Besucherplätze im offenen Atelier Viersen bei der Vorstellung der FASAN, einer freien aktiven Schule am Niederrhein in Gründung am gestrigen Sonntag besetzt. Eine Schule, bei der das selbstorientierte Lernen und ein gleichwürdiges Miteinander im Vordergrund stehen sollen.

Viersen – Bereits seit 2016 hat sich die FASAN-Elterninitiative mit Sitz an der Viersener Eichenstraße der Gründung einer alternativen Schule in freier Trägerschaft verschrieben. Gestern informierte sie über die aktuellen Planungen der Schule, die so gar nichts mit den üblichen Regelschulen gemein hat.

„Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass Schulen Orte sein sollen, an denen Kinder Raum für ihre Bedürfnisse haben, an denen die Integrität der Kinder gewahrt wird und jeder in seinem eigenen Tempo frei von Zwängen sein Potential voll entfalten kann“, so die Elterninitiative. „Wir FASAN-Gründer haben uns zum Ziel gesetzt, dass unsere Schule genau solch ein Ort sein wird. Zusammen mit unseren zukünftigen Mitarbeitern und anderen Pädagogen erarbeiten wir nun das pädagogische Konzept, um den FASAN für unsere und alle anderen Kinder zum Leben zu erwecken.“ Wo genau diese Schule ihre Wurzeln finden wird, steht aktuell noch nicht fest. Die Gründer stehen in Verhandlungen in Viersen und Mönchengladbach, suchen ein Gebäude mit Entwicklungsmöglichkeiten, denn zunächst soll FASAN als einzügige Grundschule mit einer Gruppe 5- bis 8-Jähriger starten und in jedem Jahr erweitert werden. An die Grundschulzeit schließt dann in den Planungen ebenfalls eine weiterführende Schule an, damit die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung einen Schulabschluss ihrer Wahl machen können – wenn sie wollen, denn ein Wechsel auf eine andere Schule ist jederzeit möglich.

Obwohl sich die Schule an die Kompetenzerwartungen des Landes NRW angliedert, wird den Kindern im Wunsch der Gründer die Zeit zugestanden um das eigene Tempo zu finden, den eigenen Willen zu lernen zu entdecken. Tempo, welches häufig nichts gemein hat mit den üblichen Lernmethoden der allgemeinen Schulen, denn hier werden kein Klassenverbund, kein Stundenplan und keine Noten angeboten. „Aus Erfahrung anderer Freier Schulen ist jedoch zu beobachten, dass die Kinder mit sozialer Kompetenz und Kreativität überraschen“, berichtet die Elterninitiative weiter, bei der ebenfalls keine Schulglocke zu hören sein wird. Ein offener Anfang nach dem Gleitzeitsystem, keine Hausaufgaben und eigenverantwortliches Lernen bei einem gleichwürdigen Miteinander ohne Altersgrenzen in vorbereiteten Lernräumen – oder auch den ganzen Tag spielen. Nicht alle Besucher sind von der Idee überzeugt. Einige nicken, andere tuscheln und fragen, wie weit das Loslassen gehen soll, wenn die Kinder ihre Anwesenheit morgens selber abhaken, kein Lehrpersonal überprüft ob ein Schüler tatsächlich am Schultag teilnimmt. „Das Ziel ist, dass die Kinder gerne zur Schule kommen“, ist die Antwort in die Runde, denn schließlich würde den Kindern auch die Verantwortung für ihr Lernen übergeben. So würde eine Beziehung statt Erziehung entstehen, ein Lernort mit Wir-Gefühl sowie die Entdeckung und Entfaltung der angelegten Begabungen. Anmeldungen für die Schule in privater Trägerschaft, bei der noch nicht feststeht ob es sie sich als Verein oder GmbH darstellen wird und für die die Eltern einen Teil der Schulkosten selber finanzieren müssen, sind bereits möglich. Weiterführende Informationen und Anmeldeunterlagen finden Interessierte auf www.fasan.schule. (re)

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