Literarisches: Kein anonymes Begräbnis. Trauerfeier für Queen Elizabeth

Beim Staatsbegräbnis für Queen Elizabeth II. am 19. September werden fünfhundert Staats- und Regierungschefs, Angehörige von Königshäusern und sonstige Würdenträger in der britischen Hauptstadt erwartet. Angekündigt sind unter anderem US-Präsident Biden und Bundespräsident Steinmeier.
Von Peter Josef Dickers

Literarisches – „Was ist zu tun, wenn jemand stirbt?“ Eine hiesige Verbraucherberatung bietet Hilfestellung an. Sechs Euro kostet der Ratgeber. Brauchen wir nicht, sagen einige. „Freude, Freude, immer nur Freude, Halleluja.“ Traueranzeige in der Tageszeitung. „Anonymes Urnengrab“ steht unter dem Halleluja. Das Lachen kann weitergehen. Für Trauer besteht kein Anlass.

Das mit Lars ist weniger zum Lachen. „Tief bewegt teilen alle mit, die mit ihm waren, dass er tot ist.“ Wer war Lars? Wer sind „alle“? Wird nicht gesagt. Bleibt anonym. Immerhin haben sie ihn begraben, irgendwo zwischen zwei Bäumen. Ob sie sich die Stelle gemerkt haben? Warum „irgendwo“, anonym, namenlos? „Wir werden dich nicht vergessen.“ Silke, Achim, Alex, Martina, Michael. Immerhin. Wenn auch nur Vornamen.

„Im Andenken an Hongkong Stefan.“ Auch ein Namenloser. Bekannt nur jenen, bei denen er Namen und Bedeutung hatte. Einiges wird angedeutet. „Lippenstift am Kragen. Badewanne voll Geschirr. Geniales Chaos und ein Lächeln.“ „Dein Charisma werden wir vermissen.“ Isi und Ralf, Dana und Tim schreiben das.

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Ich hätte ihn gern kennen gelernt. Ich möchte seine Freunde besuchen, mir sein Charisma beschreiben lassen. Aber sie offenbaren sich nicht. Warum teilen sie ihre Trauer mit, wollen aber allein bleiben? Ist es so wie bei Josef? „För de Welt wär he nix, för siene Frünn veel, för uns allns.“ Für die Welt bedeutete er nichts. Seinen Freunden bedeutete er alles.

Zwei Tage nur ist Melina alt geworden. Viel kann sie nicht erlebt haben in den achtundvierzig Stunden ihres Lebens. Daher nicht der Erwähnung wert? Doch, sagen die Eltern. „Du bist wie eine Wurzel, tief eingegraben in unseren Herzen, für immer und ewig.“

Jedes Leben hat Bedeutung. Jedes Leben ist der Rede wert. Kein Leben bleibt anonym. Auch der Tod ist nicht anonym. Es müssen nicht Staatsgäste aus aller Welt „das letzte Geleit geben“. Man muss nicht Königin von England gewesen sein, aber einen Namen und eine Bedeutung hat jeder.


Aus konkretem Anlass aktualisierter Text aus: Peter Josef Dickers, Esel haben keine Lobby 

Foto: Privat

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend  war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.

„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.