Literarisches: Nordsee-Geschichte. Geht die Welt unter?

Der südliche Teil der Nordsee war einmal festes Land. „Doggerland“ nennen es Forscher. Vor vielen tausend Jahren siedelten hier Menschen. Es gab Leben lange vor unserer Zeit.
Von Peter Josef Dickers

Literarisches – Als sich die Gletscher zurückzogen, stieg der Meeresspiegel an. Klima-Aktivisten hatten nicht vorgewarnt. Das Meer löschte aus, was ihm im Weg stand. Küstenlinien verschoben sich nach Süden, dorthin, wo sie im Augenblick sind. Ob sie da bleiben werden?

Die Geschichte der Nordsee ist die Aufeinanderfolge von Fluten und Stürmen, eine Geschichte von Naturgewalten. Die verheerende Flut am Weihnachtstag des Jahres 1717 brachte Tod und Verwüstung über die Küsten Skandinaviens, der Niederlande und Norddeutschlands. „Statt das Fest der Geburt Jesu zu feiern, hörte man Geschrei und Klagen, Heulen und Weinen.“ So die Schilderung des Pastors einer Gemeinde in Ostfriesland.

Heinrich Heine hat solche Ereignisse in Verse gefasst:
Der Sturm spielt auf zum Tanze
Er pfeift und braust und brüllt
Heisa, wie springt das Schifflein
Die Nacht ist lustig und wild
Ein lebendes Wassergebirge
Bildet die tosende See
Hier gähnt ein schwarzer Abgrund
Dort türmt es sich weiß in die Höh‘
Ein Fluchen, Erbrechen und Beten
Schallt aus der Kajüte heraus:
Ich halte mich fest am Mastbaum
Und wünsche: Wär‘ ich zu Haus

Die tobende See mit ihren orkananrtigen Stürmen ist „Der Blanke Hans“, das wütend gewordene, personifizierte Meer. Der Lyriker Detlev von Liliencron beschrieb den „Blanken Hans“ in einem Gedicht. Darin schildert er, wie eine Stadt auf einer Nordseehallig von Sturmfluten überrollt wurde und unterging. In der Novelle „Der Schimmelreiter“ erzählt auch Theodor Storm von der unberechenbaren Macht des Meeres. Geboren 1817 in Nordfriesland am Meer, erlebte er dessen Faszination, aber auch das Bedrohungspotential und die unbezwingbaren Kräfte der Natur. Obwohl die Menschen hinter Deichen lebten, waren sie Naturgewalten ausgeliefert.

Die Welt gibt es immer noch. Wahrscheinlich noch lange. Auch wenn die Gletscher schmelzen. (opm)

Foto: Privat

Aus: Peter Josef Dickers, Nicht unfehlbar. Geschichten in aufgeregten Zeiten. Books on Demand 2020, 9,99 Euro.

Foto: Winkler

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend  war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.

„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.

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