Ludwigsburg: Kürbisausstellung im „Blühenden Barock“

Eine der größten Schlossanlagen Deutschlands eröffnet sich den Besuchern in Ludwigsburg. Drei Generationen von Herrschern, Baumeistern, Künstlern und Kunsthandwerkern haben die Räume gestaltet, die den Schlossbesuch zu einer Zeitreise machen. Doch nicht nur das Residenzschloss selbst lockt die Besucher an, erst 1954 wurde die riesige Gartenanlage in teils dem Barock frei empfundener Form gestaltet, mit ihrem Märchengarten ist sie als „Blühendes Barock“ bekannt.
Von RS-Redakteur Leo Dillikrath

Reisen – Mit einem besonderen Ensemble aus Residenzschloss, umliegenden Lustgärten und ausgeprägter Gartenanlage hat das Schloss Ludwigsburg bis heute seine Bedeutung als beliebtes Ausflugsziel erhalten. Besonders die originalen Raumausstattungen und die Architektur zeigen Gestaltungsformen des Rokoko, Barock, Empire sowie Klassizismus und sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Erbaut wurde die Anlage zwischen 1704 und 1733 unter der Herrschaft von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, bereits während der Bauzeit, 1709, begannen zusätzlich die Planungen für die Stadt Ludwigsburg als typisch barocke Planstadt. Mit ihr sollte der Anspruch des Herzogs unterstrichen werden.

Mit einer Vielzahl von Ausstellungen und Veranstaltungen lockt das Schloss neben den Rundgängen mit der Schlosskapelle, welche mit einem imposanten Deckengemälde des Malers Carlo Carlone begeistert, oder der Barockgalerie, in welcher über 150 ausgewählte Meisterwerke deutscher und italienischer Malerei des 17. und 18. Jahrhundert aus der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt werden. 1998 konnte das Schlosstheater nach fünfjähriger Restaurierung wieder eröffnet werden. In dem theatergeschichtlichen Denkmal von 1758 finden unter anderem die Ludwigsburger Schlossfestspiele statt.
Ein Keramikmuseum auf mehr als 2.000 m² zeigt im Obergeschoss des südlichen neuen Hauptbaus bedeutende Stücke bekannter Porzellanmanufakturen, etwas kleiner fällt das Modemuseum aus, welches dennoch auf 750 m² einen Besuch wert ist, denn die originalen Kostüme und Accessoires aus dem 18. bis 20. Jahrhundert zeigen einen beeindruckenden Querschnitt aus der Geschichte der Mode.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Ein ganz besonderer Zauber liegt inmitten des Parks über dem legendären Märchengarten, der Groß und Klein zu einer Erlebnisreise einlädt. Dafür sorgen die Elfen, Könige und Prinzessinnen, die Hexen und Riesen, die dort heimisch sind. Hier fand bereits zum 20. Mal die weltgrößte Kürbisausstellung in diesem Herbst statt, mit welcher der gestiefelte Kater, Pumuckl, ein Einhorn oder Medusa die Parklandschaft in ein verwunschenes Kürbisreich verwandelten. Moderne Fantasiegestalten, bekannt aus Comics und Filmen, wie Pikachu oder dem Phönix vermischten sich mit altbekannten Klassikern – über 450.000 Kürbisse hatten einen Platz gefunden in der „Fabelhaften Märchenwelt“, die ein Geschenk zum 60. Jubiläum des Märchengartens war.

Über 600 verschiedene Sorten Zierkürbisse, Schnitzkürbisse oder Kalebassenkürbisse reihten sich aneinander oder boten den Gaumen einen Hochgenuss. Kürbisstrudel, Kürbis-Secco, gebrannte Kürbiskerne oder Kürbis-Flammkuchen waren nur einige der wenigen Spezialitäten, die aus der Herbstfrucht gezaubert wurden.
Rund vierzig Helfer kümmern sich in jedem Jahr um die Kürbisausstellung, die in jedem Jahr unter ein anderes Motto gestellt wurde und sich zu einem Erfolgsgarant entwickelt hat. Neben der Ausstellung rundeten Veranstaltungen, von der Kürbisregatta oder einem Schnitzfestival die Märchenwelt ab.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Welche Ausmaße ein Kürbis erreichen kann, bewiesen die Kürbiszüchter bei der EGVGA-Europameisterschaft im Kürbiswiegen. 1.013 Kilogramm wog der schwerste Kürbis, der in Ludwigsburg präsentiert wurde, ein Riese, der den ersten Platz belegte. Mario van Geel aus Belgien hatte das gute Stück gepflegt, wobei in diesem Jahr ebenfalls Platz zwei und drei nach Belgien vergeben wurden. 979 Kilogramm Kürbiskraft brachte Luc van Heuckelom mit, der Vorjahressieger Jan Biermans legte mit 860 Kilogramm nach. Das Interessante: Alle drei Sieger kommen aus der Gemeinde Kasterlee bei Antwerpen. Züchter aus Italien und Österreich belegten die nächsten Plätze, auf Platz sechs dann der amtierende Deutsche Meister Michael Asam aus Heretshausen in Bayern mit seinem 681,5 Kilogramm schweren Kürbis. Den bisherigen Weltrekord konnte allerdings auch in diesem Jahr niemand knacken. Dieser liegt ebenfalls bei einem Belgier, denn Mathias Willemijns hatte 2016 einen Kürbis vorgestellt, der mit 1.190,5 Kilogramm bisher unerreichbar blieb.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Wer schon immer einmal einen Blick in ein solches Riesengewächs werfen wollte, der war gerne Gast beim großen „Schlachtfest“. Mit großen Messern gingen die Züchter ihren Kürbissen an den Kragen, schließlich enthielten sie die wertvollen Kerne für den Wettkampf im kommenden Jahr. Für die Ausstellungsbesucher eröffnete sich dabei die Chance selber etwas von dem Saatgut zu erhaschen, welches im Internet für Preise zwischen 50 und 500 Euro gehandelt wird. Ein Fest nicht nur für Hobbyzüchter, sondern auch für Zuschauer.

Vom 28.08. – 01.11.2020 öffnet die Weltkürbisausstellung bereits zum 21. Mal, es lohnt sich nicht nur einen Tag für den Besuch einzuplanen. Übernachtungsmöglichkeiten sind in und um Ludwigsburg in jeder Preisklasse vorhanden, eine hervorragende Küche und eine Auswahl bester Weine bietet das Schlosshotel Monrepos im Park am See. Umrahmt von einer 250 Hektar großen Parkanlage mit Schloss, Golf- und Reitplatz, bittet das idyllische Schlosshotel eine Verschmelzung von Tradition und Moderne mit romantischer Aussicht. (ld)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

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