Mahnwache erinnert an Jahrestag des Affenhausbrandes im Krefelder Zoo

Mit der bevorstehenden Silvesternacht jährt sich zum zweiten Mal die Erinnerung an die verheerende Brandkatastrophe im Krefelder Zoo. Unterstützer der Organisation „Great Ape Projekt“ rufen deshalb am kommenden Wochenende zu einer Mahnwache auf und kritisieren die aktuelle Unterbringung der überlebenden Tiere.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Krefeld – Es war eine grauenvolle Brandkatastrophe, die noch lange ihre Spuren hinterlassen wird. In der Silvesternacht zum Jahr 2020 verbrannten mehr als fünfzig Tieren im Krefelder Tropenhaus. Unterstützer der Organisation „Great Ape Projekt“ rufen deshalb am 2. Januar 2022 von 12.00 bis 14.00 Uhr zu einer Mahnwache am Krefelder Zoo auf. Der Kölner Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke unterstützt nach Angaben der Initiatoren diese Forderung: Er wird, zusammen mit anderen Prominenten, an der Mahnwache teilnehmen und seine Stimme für die beiden Schimpansen erheben, die das Feuer überlebt hatten.

Die Schimpansen Bally und Limbo leben seit dem Vorfell in einem 43 Quadratmeter großen Bereich, der nicht den bundesministeriellen Haltungsvorschriften entspricht. Im Zuge einer vom Great Ape Project erstatteten Strafanzeige gegen den Zoo hatte die Staatsanwaltschaft Krefeld vor einigen Monaten festgestellt, dass die derzeit genutzten Räumlichkeiten „nicht dem national vorgegebenen Standard entsprechen und im Rahmen einer dauerhaften Haltung nicht genutzt werden dürften“. Der Krefelder Zoo plant im nächsten Jahr eine Außenanlage, denn die Suche nach einem anderen Zoo mit einer verträglichen Tiergruppe war erfolglos geblieben. Zudem gehe es den Tieren gut, die intensiv von ihren Pflegern betreut und beschäftigt würden.

Dennoch fordern die Initiatoren der Mahnwache den umgehenden Umzug der Tiere in ein Primatenschutzzentrum. Bei solchen Zentren handelt es sich überwiegend um Privatzoos, die aufgrund von Haltungsmängeln durchaus kritisiert werden.

Die seit nunmehr zwei Jahren fortdauernde Haltung der beiden Schimpansen stehe in eklatantem Widerspruch zu Vorgaben des bundesministeriellen Säugetiergutachtens und stellt zudem einen klaren Verstoß gegen geltendes Tierschutzrecht dar, so die Initiatoren.

Foto: Rheinischer Spiegel

„Die Haltung der beiden Schimpansen in dem Absperrraum kann nach nunmehr zwei Jahren nicht mehr als „zeitlich befristete Übergangslösung“ gelten, als die der Zoo sie ausgibt, sondern muss, zumal ein Ende der Unterbringung der Tiere in dem Bunkerraum nicht absehbar ist, als nicht statthafte „dauerhafte Haltung“ gewertet werden“, sagt die Krefelderin Adrienne Kneis. „Angesichts des fortgerückten Lebensalters von Bally (48) besteht die Gefahr, dass die Schimpansin den Umzug in das geplante neue Affenhaus – Fertigstellung nicht vor 2025/26, wenn überhaupt – gar nicht mehr erleben wird.“ (dt)