Mahnwache gegen die Baustelle: „Wir wollen unsere Straße zurück“

Zu einer Protest-Mahnwache „Gegen die Ignoranz der Stadtverwaltung Viersen“ trafen sich am vergangenen Samstag die Händler der Großen Bruchstraße an der Baustelle, über die seit Wochen emotional diskutiert wird. Während auch Anwohner und Südstädter zum Gespräch vorbeischauten warteten die Teilnehmer vergebens auf Vertreter der Stadt Viersen oder NEW.

Foto: Martin Häming

Viersen – Seit Anfang April versperrt die Baustelle die Zufahrt zur Großen Bruchstraße. Acht Stromkabel, eine Erdgas-Hochdruckleitung sowie eine Trinkwasserleitung werden für die Versorgung der Innenstadt durch die NEW hier verlegt. Eine wichtige Maßnahme, da sind sich die betroffenen Händler einig, doch die Baustelle dauert an und die Bedrohung der Existenzen wächst. „Das hätte man auch anders regeln können“, so ein Zuschauer der Mahnwache, der selber im Straßenbau tätig ist und die Planung als schlecht durchdacht bezeichnet. „Es geht auch in Teilstücken“, ergänzt er und schüttelt den Kopf. Zwar wäre das für das Bauunternehmen teurer, aber die Maßnahme hätte die Händler der Großen Bruchstraße nicht so getroffen wie es zurzeit der Fall ist.

Mit Plakaten bewaffnet stehen diese am Samstagabend zusammen und hoffen auf Unterstützung oder zumindest ein offenes Gespräch. Doch weder ein Vertreter der Stadt Viersen, noch ein Ansprechpartner der NEW ist zu dem breit angekündigten Termin erschienen. Die Umsatzeinbußen wuchsen bisher auf rund 40 Prozent.
Ursprünglich waren vier Wochen für die Baustelle vorgesehen, mittlerweile hat sich die Bauzeit verdoppelt.
„Die Stadtverwaltung und ihr voran die Bürgermeisterin Sabine Anemüller scheinen unfähig und machtlos zu sein um die Arbeiten voranzutreiben, die bereits beendet sein sollten“, so Ioannis Panagou, Inhaber des Mexican Restaurants und verweist auf den Sitz der Bürgermeisterin im Aufsichtsrat der NEW. Seit 30 Jahren betreibt er sein Geschäft an der Großen Bruchstraße, doch so etwas hätte er noch nie erlebt. Einen nichtssagenden Brief der Bürgermeisterin hätten sie erhalten, die Händler fühlen sich allein gelassen. „Vielleicht erleben wir hier gerade auch einen ersten Blick auf die Zukunft der Großen Bruchstraße als Einbahnstraße, wenn die Stadt gegen die Mehrheitsmeinung der Betroffenen ihre Pläne umsetzen sollte“, so Sven Engelbergs, Inhaber der LVM-Agentur einige Häuser weiter.

Foto: Rheinischer Spiegel

Andere Händler weisen darauf hin, dass es in letzter Zeit Tage gegeben hätte, da hätten sie ihr Geschäft nicht aufschließen müssen. Kunden riefen an und teilten mit, dass sie durch die Baustelle verwirrt wieder nach Hause gefahren wären. Etwas, dass Ayhan Baksi, Inhaber des Restaurants Di-to an der Oberrahserstraße dazu gezwungen hat sein Restaurant vorübergehend zu schließen. Auch er nimmt zur Unterstützung der Händler an der Mahnwache teil. Seit zehn Monaten kämpft er mit der Baustelle im Rahser, spricht ebenfalls von fehlender Unterstützung durch die Stadt, die seine Lage nicht hätte nachvollziehen können. Nun bleiben die Türen geschlossen außer für größere Gesellschaften, manchmal hätte er drei Tage hintereinander keinen einzigen Kunden begrüßen dürfen. Weitere drei Monate dauert „seine“ Baustelle noch an. Die Händler der Großen Bruchstraße hoffen, dass es bei ihnen keine weiteren Verzögerungen gibt, denn auch hier rücken die ersten Kündigungen jeden Tag näher. (nb)