Malteser aus dem Kreis Viersen unterstützen im Hochwassergebiet: „Es ist wie ein Knopfdruck und man ist wieder in der Steinzeit.“

Es war der erste Tag der Hochwasserkatastrophe, das Wasser bahnte sich unaufhörlich seinen Weg und zerstörte, was sich ihm entgegenstellte. Die Alarmierung betraf nicht nur die Einsatzkräfte der umliegenden Regionen. Weit darüber hinaus erfolgte die Bitte um Unterstützung, die ihr Ziel auch bei den Maltesern im Kreis Viersen erreichte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Kreis Viersen – Die Malteser sind im Kreis Viersen an vier Standorten in Nettetal, Willich, Grefrath und Kempen vertreten. An den Standorten Willich und Nettetal können sie auf rund 100 aktive und dienstbereite Helfer im Katastrophenschutz und erweiterten Rettungsdienst zurückgreifen.

So geschehen beim aktuellen Jahrhunderthochwasser, welches eine unfassbare Zerstörung mit sich gebracht hat. Bereits am ersten Tag der Tragödie erreichten die Malteser aus dem Kreis Viersen die stark betroffene Stadt Eschweiler, wo die Einsatzkräfte am Abend noch an der Evakuierung des dortigen Krankenhauses mitgewirkt haben. Nahtlos ging es weiter nach Düsseldorf, wo sie gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz die Unterbringung von 1.000 Einsatzkräften koordinierten.

Bereits am ersten Tag der Tragödie erreichten die Malteser aus dem Kreis Viersen die stark betroffene Stadt Eschweiler, wo die Einsatzkräfte am Abend noch an der Evakuierung des dortigen Krankenhauses mitgewirkt haben. Foto: Malteser

Am Samstag folgte ebenfalls gemeinsam mit dem DRK Kreis Viersen die Evakuierung von Altenheimbewohnern in Erftstadt. Hier hatte sich in den frühen Morgenstunden die Gefahrenlage durch eine Kraterbildung in der Nähe des Gebäudes eröffnet. Nach der notdürftigen Unterbringung auf Feldbetten in einer Schule, fanden die Senioren eine feste Behausung in einem Altenheim in Köln.
Nur ein Auszug der Einsätze, welche in mehreren Schichten jeweils ca. 20 – 30 Helferinnen und Helfer forderten.

Thomas Schöne von den Maltesern im Kreis Viersen war nicht nur mit den Maltesern mehrfach vor Ort, hat ebenfalls privat das Katastrophengebiet vom Innersten her kennengelernt. „Auch als Einsatzkraft ist es erschreckend, dass Szenarien, über die man in Lehrgängen spricht, plötzlich da sind“, so Schöne. Es sei der Moment, in dem man sich bei geübten Planspielen denkt „gut, bis hierhin war alles realistisch, aber alles darüber hinaus wird wohl eher nicht eintreten…“. „Wir sind ja nicht in einem Kriegsgebiet und leben in einem Land mit guter Infrastruktur“, erklärt der Malteser weiter. Doch plötzlich finden sich die Katastrophenschützer in einer Situation, in der viele der durchgespielten Einsätze erschreckende Wirklichkeit werden, wenn es an Frischwasser, Strom oder Sanitäranlagen fehlt – in einem hochentwickelten Land.

Nahtlos ging es weiter nach Düsseldorf, wo sie gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz die Unterbringung von 1.000 Einsatzkräften koordinierten. Foto: Malteser

„Es ist wie ein Knopfdruck und man ist wieder in der Steinzeit. Die Menschen haben in einem gesamten Ort kein Trinkwasser, keine Kanalisation, weil die Rohre nicht mehr existieren. Keine Elektrizität, weil keine Stromleitungen mehr da sind“, berichtet Schöne, der privat mit dienstfreien Kollegen zusammen bei Aufräumarbeiten in Schuld und in Ahrweiler half. „… und dann sieht man wie das THW eine Trinkwasseraufbereitungsanlage aufbaut, die sonst in fernen Krisengebieten zum Einsatz kommt.“

Es habe ihn begeistert, dass, wenn es darauf ankommt, niemand zurückgesteckt hat und die Malteser mit einer großen Anzahl Helfer unterwegs waren – unterstützt durch ihre Arbeitgeber. Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe gab es keine Kritik oder bürokratischen Hindernisse, vielmehr verzichteten viele Arbeitgeber sogar und zahlten aus eigener Tasche den Verdienst vieler Einsatzkräfte weiter.

Auf die Frage, warum er und seine Mit-Malteser im Katastrophenschutz tätig sind, hat Schöne eine Antwort, die viel tiefer geht, als sie zunächst scheint. „Jeder sollte das tun was er kann. Jeder von uns leistet diese Arbeit in der Rettung und im Katastrophenschutz mit großer Überzeugung. Jeder Einsatz ist eine neue Herausforderung, die uns manchmal viel abverlangt und die wir nur als Team gut leisten können. Hilfe bekommt, wer Hilfe braucht! Das ist unser Motto und Antrieb.“

Die starke Gemeinschaft der Malteser kam ebenfalls in der Corona-Krise immer wieder zum Einsatz – transportierte Infektionsschutzmaterial oder unterstützte im mobilen Corona-Untersuchungszentrum des Kreises Viersen. „In „normalen“ Jahren leisten wir viele Sanitätsdienste bei Veranstaltungen oder sind unter anderem bei jedem Heimspiel im Borussia-Park eingesetzt“, erklärt Thomas Schöne und nutzt die Möglichkeit auf die wichtige Arbeit hinzuweisen, die, so wie bei vielen anderen Organisationen, mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat. „Wir freuen uns über jeden, der sich für eine Mitarbeit interessiert. Unsere ausgebildeten Ehrenamtler/innen üben und trainieren regelmäßig – Interessierte sind gerne zum Reinschnuppern gesehen.“ (nb)

Kontaktmöglichkeiten:
https://www.malteser-dioezese-aachen.de/mitarbeiten/ehrenamtlich-helfen.html
Instagram: malteser_im_kreis_viersen
Facebook: Malteser Einsatzdienste im Kreis Viersen

Die Alarmierung betraf nicht nur die Einsatzkräfte der umliegenden Regionen. Weit darüber hinaus erfolgte die Bitte um Unterstützung, die ihr Ziel auch bei den Maltesern im Kreis Viersen erreichte. Foto: Malteser

Ein Kommentar

  1. Es ist großartig, daß Menschen wie Herr Schöne und seine TeamkollegInnen sich in den Dienst anderer stellen und dafür Ihre Freizeit einsetzen und sich bis zur Erschöpfung engagieren und dafür sogar ihr Leben riskieren.
    Verantwortung, Teamgeist, soziales Engagement und Hilfsbereitschaft sind wesentliche Eckpfeiler unserer Gesellschaft.
    Herzlichen Dank an diese selbstlosen HelferInnen.

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