„Man bekommt ganz viel zurück!“

Trotz Notstand in der Pflege: Menschen gibt‘s, die „brennen“ für ihren Beruf. Die frisch examinierte Altenpflegerin Klaudia Leisten-Schmicker ist eine davon.

Foto: stb/Seniorenzentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen gGmbH

Viersen – „Blutdruck 120/80, Puls okay, Bewusstseinszustand gut“: Knackig-kurz, kompetent und auf den Punkt sind Klaudia Leisten- Schmickers Informationen für die Sanitäter. Herr L. ist im Bad gestürzt. „Nichts Ernstes“, vermutet die Pflegefachkraft im Viersener „Haus am Nordkanal“. Aber Herr L. hat eine Hautabschürfung am Hinterkopf und die soll im Krankenhaus kontrolliert werden. „Sicher ist sicher“, Leisten-Schmicker hilft den Bewohner im Transportstuhl des Krankenwagens zu platzieren. „Bestimmt sind sie gleich wieder da“, beruhigt sie ihn, drückt herzlich seine Hand. Angespannte Gesichtszüge des Seniors weichen einem Lächeln, das er Schwester Klaudia dankbar zurückschenkt.

Meistens sind die Pflegefachkräfte so um die 20, wenn sie das Fachseminar für Altenpflege absolviert haben. Nicht so Klaudia Leisten-Schmicker, Jahrgang 1965: Die „gestandene Frau“ hat gerade erst seit April ihr Examen in der Tasche. Mit Bestnoten! Aber von Anfang an: Nach der Hauptschule Abschluss der Handelsschule – der Vater wollte es so. „Das war nicht mein Ding“, erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Oma, Mutter, Tante: alle Krankenschwestern. Durch den behinderten Bruder bekam Klaudia Leisten-Schmicker zusätzlich ein „Händchen“ für die Pflege. Sie entschied sich für die Ausbildung zur Krankenpflegehelferin.
Dann: Familienphase, hilfsbedürftige Angehörige – erst mal raus aus dem Job, später folgten elf Jahre Exkurs im Einzelhandel.

Klaudia Leisten-Schmicker und Pflegedienstleitung Elke Mergel
Foto: stb/Seniorenzentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen gGmbH

„Nur satt, sauber, versorgt – da geht bestimmt noch mehr in der Altenpflege“, Klaudia Leisten-Schmicker wollte es irgendwann wissen und landete prompt in einer Senioreneinrichtung: Arbeitsvertrag im „Haus am Nordkanal“. „Mit viel Liebe und gleichzeitig großem Respekt vor der Fülle gelebten Lebens“, lautet ihr Credo im Umgang mit alten Menschen. Aber damit nicht genug: Sie schwört auf höchste Fachkompetenz. „Wer rastet, der rostet“ meint sie und ging mit knapp über fünfzig in die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin. Pflegedienstleiterin Elke Mergel schmunzelt. „Sie ist eben nicht aufzuhalten. Ich stand von Anfang an hinter ihr.“
„In der Schule war ich natürlich ein Exot“, erinnert sich Klaudia Leisten-Schmicker, aber sie hatte schnell einen „Draht“ zu den jungen Klassenkameraden. Das Lernen fiel ihr auch nicht schwer, Ehemann und Kinder hielten der ehrgeizigen Schülerin den Rücken frei. Als sie im Frühjahr das Examen mit Bravour hinlegte, freute sich Einrichtungsleiterin Petra Gratza schon darauf, sie als Pflegefachkraft einzustellen. „Man bekommt ganz viel zurück“, schwärmt die Altenpflegerin über ihren Beruf und will damit besonders junge Menschen motivieren. „Und, vom Lernen jetzt genug?“ „Nix da, Fachzeitschriften gehören zur täglichen Lektüre dazu!“ (stb)