Corona, Kultur & Arbeitsverbote – Viersener Schriftsteller macht mit ausgefallener Installationskunst aufmerksam

Darf man über Kunst streiten? Oder wo fängt Satire an? Streitbar ist das aktuelle „Popel-Mobile“ im Rheydter Kunstfenster des Viersener Schriftstellers Markim Pause auf jeden Fall. Wer es mit Humor nimmt, der findet dagegen ein Statement, einen Protest und einen Aufschrei aus der sterbenden Kulturszene.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen/Mönchengladbach-Rheydt – Die Bühne umrahmt von aufmerksam zuhörenden Gästen hat Markim Pause lange nicht mehr gesehen. Der bekannte Viersener Schriftsteller Markim Pause, der als Moderator der Poesieschlacht in Düsseldorf, der Poeterey in Mönchengladbach, der Sprechstunde in Witten, sowie der Poetry Slams in Dornbirn und Moers zu den bekanntesten Mitgliedern der Slam-Szene gehört, teilt sein aktuelles Schicksal mit Künstlern weltweit. Pause ist Gründungs- und Ensemblemitglied der Lesebühnen „Unter Elchen“ in Düsseldorf und „Die Lesershow“ in Mönchengladbach, doch die Corona-Pandemie hat Veranstaltungen einfach ausradiert, hat eine ganze Branche stillgelegt und vielen die Existenzgrundlage entzogen.

Es ist still geworden in der Kunst- und Kulturszene, denn die Künstler waren die ersten, die alles niederlegen mussten und kaum auf Unterstützung zählen konnten. Betroffen waren ebenfalls Branchen, die nicht im Rampenlicht stehen – Techniker, Bühnenbauer und viele andere. Einige haben den Sprung in die virtuelle Welt geschafft, haben ihre Künste online präsentiert – darunter auch Markim Pause. Nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der verdampft bevor er aufschlägt.

Der Viersener Künstler ist für seine skurrilen Texte bekannt, die weltweit ihre Fans gefunden haben. Ebenso unkonventionell ist seine aktuelle Installation im Kunstfenster-Rheydt. Eingelassen in das Haus an der Hauptstraße 125, am Haus des ehemaligen Friseurs Wallmüller, laufen in normalen Zeiten täglich hunderte Fußgänger an diesem kleinen Kulturraum, der gerade einmal einen Quadratmeter Platz bietet, vorbei. Bleiben stehen, halten inne, lassen die verschiedenen Präsentationen der Künstler aus der ganzen Welt auf sich wirken. Nicht anders ist es nun in diesen Tagen, in denen das „Popel-Mobile“ die Meinungen spaltet. Als „Ein Trockennasenprimat packt aus“ hat Markim Pause ein Kunstobjekt geschaffen, das nicht den Mainstream erreicht. Dieses Ziel hat der Künstler sicherlich auch nicht erreichen wollen, denn das „Popel-Mobile“ ist vielmehr ein Protest, eine Botschaft, welche die Öffentlichkeit auf einer Ebene erreicht, die in der Gesellschaft verpönt ist.

„Jeden Morgen im zweiten Lockdown habe ich, beim Sorgen-Kaffee, einen Popel in ein Stück Klopapier gerollt und dann mit Kordel, in zehn Zentimeter Abstand zueinander, an eine Schnur geknotet“, so Markim Pause. „Seit dem 2. November 2020 sind so 181 Popelröllchen entstanden.“ Am 1. Mai sei das Mobile mittlerweile 1,8 Meter lang gewesen und der Schriftsteller will seine Arbeit weiterhin fortsetzen, solange Künstler keine Bühnen betreten dürfen. „Ich hoffe, dass das Arbeitsverbot bald ein Ende hat“, ergänzt er. „Ich habe mittlerweile oft Nasenbluten.“ Einen Hoffnungsschimmer bringen die aktuellen Entscheidungen der NRW-Landesregierung mit den sinkenden Corona-Inzidenzen. Vielleicht ein Ende des Nasenblutens … (cs)

Der Viersener Künstler ist für seine skurrilen Texte bekannt, die weltweit ihre Fans gefunden haben. Ebenso ungewöhnlich ist seine aktuelle Installation im Kunstfenster-Rheydt. Foto: Kunstfenster-Rheydt e. V.

2 Kommentare

  1. Ephraim Kishon,auch Kunsthistoriker,bezeichnete die modernen Kunst und ihre verzerrte Überhöhung einmal als „erbärmlichen Schrott“. Zu dem Popelwerk kann man nur ergänzend hinzufügen: primitiv und ekelhaft.

  2. Streitbar ist das richtige Wort. Aber Installationskunst ist häufig streitbar. In Viersen wurden Fotos von verlorenen Haargummis präsentiert und Nylonstrümpfe aufgehangen. Tieferer Sinn? Hier kann ich ihn zumindest erkennen und diese Kunst wird genau das erreichen was der Künstler wahrscheinlich erreichen will – Aufmerksam mache n auf die Künstler die um ihre Existenz bangen.

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