Metzgerei Esser vergrößert sich mit einem Hofladen an der Viersener Freiheitsstraße

Auf 280 Quadratmetern entsteht bis Anfang November in dem ehemaligen Matratzengeschäft an der Freiheitsstraße der neue Hofladen-Imbiss mit Metzgerei der Metzgermeister Karl-Heinz und Max Esser. Neben den bekannten Wurstspezialitäten wird das Angebot um eine Vielzahl schmackhafter Produkte aus der Region erweitert.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – „Wir sind ein Frischespezialist“, sagt Metzgermeister Max Esser stolz. Sein 68-jähriger Vater hat vor mehr als vierzig Jahren die Metzgerei „Wurst Esser“ mit ihrem Hauptsitz in Erkelenz gegründet. Nun ist der 31-Jährige bereits die nächste Generation, die das wichtige Handwerk fortführt. Eigentlich hat der Heinsberger Food-Management und Kulinaristik studiert, war im Anschluss einige Jahre in der Entwicklungshilfe in Afrika tätig, bevor er in den elterlichen Betrieb einstieg. Kein einfacher Beruf, wie der eigentlich ungewollte, jedoch Bauamt-bürokratisch nötige Umzug aus der Viersener Innenstadt heraus zum kleinen Gewerbegebiet an der Freiheitsstraße 200 zeigt. Noch wird dort nämlich fleißig angepackt und ausgeräumt, schließlich steht der Neueröffnungstermin am 3. November bereits fest.

„Wir sind ein Frischespezialist“, sagt Metzgermeister Max Esser stolz. Foto: Rheinischer Spiegel

Wer dann das 280 Quadratmeter große Ladenlokal auf der Ecke zur Straße hin betritt wird mehr als positiv überrascht sein von der breiten Palette des Angebots. Neben dem Sitzplatz-Imbissbereich, in dem sechzehn Plätze zur Verfügung stehen, wird jeder Kunde durch einen kleinen Rundlauf geführt. Bei dem stetigen Andrang, der aus der Innenstadt bekannt ist, nicht verwunderlich. „Wir bespielen eigentlich alles, was man aus der Region bekommen kann“, erklärt Max Esser, der seine Leidenschaft für nachhaltige Lebensmittel nicht verbergen kann. Weniger Beruf mehr Berufung strahlt in seinen Augen, als er von Milch aus Heinsberg oder Tiefkühlpizza im Neapel-Style wie selbstgemacht von der Manufaktur Piccolino aus Aachen berichtet. Nudeln aus Troisdorf oder Büffelbolognese aus Wegberg von freilaufenden Wasserbüffeln reihen sich neben veganen Angeboten, von denen übrigens einige die Metzgerei selbst herstellt – darunter vegane Rübenkrautleberwurst oder beispielsweise Humus aus der rheinischen Ackerbohne.

„Warum Pasta aus Italien mit dem Lkw durch das gesamte Land schicken, wenn es auch hier machbar ist“, lächelt er und hat Pasta aus Troisdorf eingekauft, immer wieder ergänzt mit dem eigenen Sortiment. Da darf natürlich auch Wurst nicht fehlen und wer hätte gedacht, dass der Speck auf dem Burger der „Fetten Kuh“ in Köln, der beliebtesten Burgerbude Deutschlands, ebenfalls von Esser stammt. So werden natürlich auch deren Produkte verkauft, die sich hervorragend mit den Saucen einer Manufaktur aus Erkelenz verbinden lassen. Der geneigte Käufer mag jetzt ein wenig stutzen, denn auch Gambassauce hat den Weg in die Regale geschafft. Aber Fisch, den gibt es hier nicht. Max Esser lacht, nein, das würde sich nicht vertragen, aber die Sauce sei halt eben einfach zu lecker.

Backmischungen aus dem Bergischen Land, Biobackmischungen aus Köln oder Eier von Hühnern, die von Hütehunden geschützt werden, sowie Waldeier – alle möglichen Nachhaltigkeitskonzepte sind vertreten. Waldeier? „Wenn die Sonne scheint, dann sind die Freilandhühner trotzdem im Stall, weil sie sich vor dem Habicht verstecken“, so Max Esser. „Es gibt also nur wenige Möglichkeiten, damit Hühner auch draußen bleiben. Ein Stall so groß, dass kein Habicht reinkommt oder wir pflanzen einfach einen Wald daneben, denn Hühner sind ursprünglich Waldbewohner.“ Hier beißt sich die Idee mit der deutschen Gesetzgebung, denn die Tierhaltung im Wald ist eigentlich verboten, obwohl es artgerechter wäre. Und dennoch bietet Esser die einzige Möglichkeit in Deutschland Waldeier zu kaufen. Denn was für uns Menschen vier Meter hohe Bäume sind, das ist für Hühner schon ein Gestrüpp von einigen Metern Höhe – wodurch in Hückelhoven das Forstgesetz ausgehebelt wurde. Die Hühnersuppe kommt damit dann auch direkt von einem Landwirt – gemacht aus eigenen Hühnern. Hinzu kommt Senf aus Erkelenz, Bonbonmanufaktur aus Mönchengladbach, Popcorn aus Mönchengladbach oder Chips aus eigenen Kartoffeln direkt beim Landwirt produziert.

Neben dem Sitzplatz-Imbissbereich, in dem sechzehn Plätze zur Verfügung stehen, wird jeder Kunde durch einen kleinen Rundlauf geführt. Foto: Metzgerei Esser

Sie sind jetzt schon fast erschlagen? Dabei haben wir bisher nur von einem kleinen Teil des neuen Angebotes berichtet. Im Tiefkühlbereich wartet zudem nämlich noch Wildfleisch aus der Eifel in bester Qualität. „Den besten Rehbockbraten gibt es nun mal nur ein, zwei Mal im Jahr“, so Esser. Daneben eine Kühltheke, damit eine Mitarbeiterin direkt beraten kann.

Ebenfalls eine SB-Theke ist eingeplant mit Fleisch am Stück. Hier gibt Esser rund 20 Prozent Rabatt auf das Angebot, wenn man es sich selber schneidet. Das Fleisch stammt fast ausschließlich aus der Region. Bei allen Schweinen handelt es sich um Strohschweine mit mehr Platz und frischer Luft. „Wir sind bisher einer der ganz wenigen Metzger, der sein Angebot ausschließlich auf Strohschweine umgestellt hat.“ Auch die Hühner sind beispielsweise Antibiotika-frei und so berücksichtigt die Metzgerei Esser fünfmal so viele Tierwohlkriterien wie der vergleichbare Haltungskompass des Handels. Hinter der Fleischtheke mit einer riesigen Fleischauswahl ist der Fleischwolf einsehbar, denn „gewolft“ wird direkt frisch vorm Kunden, dem sich nebenan die vielfältige Wurstauswahl präsentieren wird – ergänzt von Bildschirmen, wo Esser transparent zeigt, welche Landwirte aus der Region kommen und wie artgerecht die Tiere gehalten werden. Hier wird zudem zu sehen sein, wie hoch das Level der täglichen regionalen und nachhaltigen Produkte ist. „Das ist Rekord in Deutschland: Über 80 % des gesamten Sortiments stammt nicht nur aus alternativer Haltung, sondern auch noch aus der Region!“

Wo Wurst ist, da sollte Käse nicht fern sein. „Die einzigen nicht-regionalen Produkte sind vor allem Käse, beispielsweise aus Nordholland oder ein paar internationale Rindersteaks“, erklärt der 31-Jährige. Dafür kommen aber bereits der Brie und der Bergkäse aus der Eifel, der Camembert aus Heinsberg und am ersten rheinischen Mozzarella wird aktuell noch getüftelt. Bis 2030 möglichst CO²-frei und mit Tierwohl, wie einige der Discounter, so lange will die Metzgerei nicht warten, sondern jetzt umsetzen was möglich ist – 70 Prozent des Co2-Ziels konnte so bereits erreicht werden und Esser liefert bereits heute mehr Tierwohl als die Konzerne bis 2030 versprechen. Und das regional und nachhaltig mit rheinischer Ackerbohne als Futter.

„Wir sind bisher einer der ganz wenigen Metzger, der sein Angebot ausschließlich auf Strohschweine umgestellt hat.“ Foto: Metzgerei Esser

Dadurch wachsen sie zwar langsamer, die Qualität des Erzeugnisses wird allerdings dadurch erhöht. Komponente zwei sind Überreste der Leinsamen-Öl-Produktion – Superfood für den Menschen. Der verbleibende Kuchen ist für die Schweine ein Leckerbissen. Die dritte und letzte Komponente wird gerade geplant, durch Corona hatte sich die Umsetzung verzögert. Eigentlich wird als größter Bestandteil des Futters Getreide hinzugefügt, dies soll in Zukunft durch trockene Brötchen ersetzt werden. „Hier testen wir gerade und versuchen das Ziel umzusetzen“, so Esser. „Wir verwenden sowieso bereits nur regionales Getreide, mit den Alt-Brötchen könnten wir allerdings das erste CO²-neutrale Schwein in Deutschland anbieten. Dass es geht, das haben wir bereits bewiesen und jetzt müssen wir es nur noch umsetzen.“

Das umfangreiche Angebot schließt mit einem warmen Imbiss ab, in dem auch vor Ort Frikadellen gebraten werden. Keine vorgegebenen Speisen, sondern verschiedene kalte Komponenten wie oft in London zu finden, aus denen sich jeder Gast ganz nach Geschmack seine Mahlzeit zusammenstellen und To-Go mitnehmen kann. Wer möchte kann seinen Einkauf dann kalt mit nach Hause nehmen oder heiß noch im Hofladen essen, wobei das Take-away den größten Bereich einnehmen wird. Dafür sind zwei Kassenbereiche bereits fertiggestellt. Online besteht hier die Möglichkeit im Voraus auf der Webseite esser-togo.de zu bestellen, die Mitarbeiter stellen die ausgewählten Waren zusammen, die dann mit der vergebenen Nummer im Geschäft ohne großen Zeitaufwand oder langes Anstehen an der Expresskasse abgeholt werden können.
Das I-Tüpfelchen setzt der Metzgermeister auf das Nachhaltigkeitsprinzip mit der Reduzierung des Plastikbedarfs. Nicht nur, dass Esser die erste Metzgerei in NRW war in der mit einer eigenen Dose eingekauft werden konnte, Wurst und Fleisch wird demnächst wieder in „echtes“ Papier verpackt – wie früher.

Bereits vor vier Wochen hat das Unternehmen eine ähnlich modernes Fachgeschäft in Jülich eröffnet, mit dem Imbissbereich setzt Viersen ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Qualitätsstufe um, allerdings wäre Max Esser lieber weiterhin in der Viersener Innenstadt verblieben, doch nach Unstimmigkeiten mit dem Viersener Bauamt muss dieses Fachgeschäft nun unfreiwillig geschlossen werden.

„Gewünscht habe ich mir das alles anders, aber die Stadt Viersen ist nicht ohne Grund für die höchste Bürokratie im ganzen Revier bekannt“, erklärt Esser und sein Unmut ist nicht zu überhören. „In Viersen, wie auch in vielen anderen Kommunen, werden wissentlich falsche Baugesetze erlassen, die kleine Unternehmen benachteiligen und uns schlussendlich aus der Stadt drängen. Die Baubehörden rechtfertigen das mit „Schadensbegrenzung“, weil sich Konzerne in besondere Standorte auf der grünen Wiese einklagen, wir Handwerker uns diese Klagen nicht leisten können und die Baubehörde so die Handwerker nur in Gebieten erlauben kann, die der Konzern nicht will. Im Bebauungsplan werden dann die Innenstadtkonzepte falsch zitiert und wie in unserem Fall sogar behauptet Metzgereien würden Grundstückpreise hochtreiben oder gar andere Metzgereien in der Stadt gefährden – obwohl es keine mehr außer uns gibt.“ Gerade eine solche Situation dürfe jedoch nicht auf die kleinen Unternehmen abgewälzt werden. „Laut Gesetz kann ein Geschäft erst ab 800 Quadratmeter die Innenstadt gefährden, in Viersen lustigerweise aber bereits ab Null Quadratmetern und das sogar ohne Begründung.“

Nach den Hitzesommern mit über 35 Grad und weniger Parkplätzen, aufgrund dessen die Innenstädte immer weniger Passanten anzogen, musste Esser jedes der Metzgerei Fachgeschäfte in der Innenstadt um ein zweites Fachgeschäft außerhalb erweitern, zu dem Kunden und vor allem auch die Mitarbeiter zeitweise ausweichen können. „Hier hatte ich sogar einen tollen Standort in Viersen, an dem ich ein zweites Fachgeschäft öffnen wollte, um das Fachgeschäft in der Innenstadt zu retten“, so Max Esser weiter. „Dieser wurde mir durch das Bauamt aber verboten mit der Begründung ich würde ja dann die Metzgereien in der Innenstadt gefährden. Dass ich die einzige und letzte bin und das sogar tue um diese zu retten, das wurde bürokratisch ignoriert, weshalb wir einen anderen Weg suchen mussten.“ Hierzu wurde nun eine andere Lösung gefunden, mit dem der neue Standort gerechnet werden konnte – und bürokratisch betrachtet liegt die neue Metzgerei sogar nur rund 50 Meter von der Innenstadtgrenze entfernt. (nb)

Bereits vor vier Wochen hat das Unternehmen eine ähnlich modernes Fachgeschäft in Jülich eröffnet, mit dem Imbissbereich setzt Viersen ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Qualitätsstufe um, allerdings wäre Max Esser lieber weiterhin in der Viersener Innenstadt verblieben, doch nach Unstimmigkeiten mit dem Viersener Bauamt muss dieses Fachgeschäft nun unfreiwillig geschlossen werden. Foto: Metzgerei Esser

 

6 Kommentare

  1. Esser schließt ja nicht, sondern wandert nur etwa 5 Gehminuten weiter direkt neben den Biomarkt Vienheus. Ich finde das super, auch wenn ich genau in der falschen Richtung liege, aber ich bin schon vorher immer an den neuen Standort gegangen für den Bio Markt, der sein eigenes Gemüse anbaut, die Bio Bäckerei dort hat super Brot und beim Stinges nebenan hole ich mir lieber die Brötchen. Jetzt ist Esser auch noch da und für mich lohnt sich richtig!

    1. Hier antwortete eine fitter, sportlicher Mensch, aber die Mehrzahl der Kunden in der Innenstadt sind im Rentenalter, oder haben einen Rolllator! Ich habe schon viele Leute klagen gehört, die jetzt ohne Versorgung , auch Fertiggerichte sind. Diese Menschen können nicht jedesmal die Strapazen der“5 Minuten “ auf sich nehmen!

      1. Da stimme ich Ihnen zu, dass das für viele Viersener nicht so einfach ist, allerdings bin ich froh das Esser dafür gekämpft hat überhaupt in Viersen zu bleiben. Ansonsten hätte unsere unnötige Viersener Bürokratie auch noch den letzten Metzger getötet
        Und ich war heute im neuen Laden und muss sagen WOW, das ist wirklich ein tolles Konzept

  2. Ich kann den Unmut von Herrn Esser verstehen und in vielem beipflichten en !
    Vielleicht sollten sich die Herren vom Amt mal überlegen von wem Sie eigentlich bezahlt werden ?….????? Denn nur eine gut florierende Innenstadt. Schafft auch Positionen im Amt und in der Verwaltung ?. Aber vielleicht sollten diese Personen auch mal persönlich durch Viersen gehen und versuchen Ihren “ täglichen Bedarf “ an Lebensmitteln zu decken – was mittlerweile eine größere.Schwierigkeit ist –
    Und warum holen sich Grosssstädte wie Düsseldorf. Lebensmitteler in die Innenstadt – teilweise in den besten Lagen der Altstadt 😕 Damit die Innenstädte belebt und frequentiert werden !,, Hier müssen sich Bürgermeisterin – Verwaltung – Bauamt und Wirtschaftsförderung dringend mal ein einen Tisch setzen !,,, denn sonst geht Viersen unter !,,,,,,,,!,,,,,,!

  3. Es ist schade das die viersen er Verwaltung es allen Einzelhändler so schwer macht. Esser wahr ein sehr gut besuchte Metzgerei die eine sehr grosse Lücke hinterlässt. Die älteren Menschen müssen nun mal wieder sehen wie sie ihre Kühlschränke füllen. Es könnte besser zwei esser geben das wäre mal eine massnahme
    Für einen alten nicht so fitten Menschen sind 5 Minuten sehr viel. Also an alle die da für verantwortlich wären überlegt noch mal und sucht für die Firma esser ein neues Plätzchen in der Innenstadt denkt dran jeder wird mal alt. Ein bisschen umdenken kann doch nicht so schwierig sein
    Also um es noch mal auf den Punkt zu bringen viersen braucht einen Metzger in der Stadt.

  4. Wir, die Familie Rentzsch sind Eigentümer von Anja Rentzsch Feinkost, auf der Hauptstraße 103 in Viersen.
    Wir verkaufen nun seit fast 10 Jahren qualitativ, wenn möglich aus der Region, Wurst und Fleischwaren,
    eine internationale Käseauswahl, frische selbstgemachte Salate /auch vegan) und bieten einen Mittagstisch und Snacks zum mitnehmen an. Unser Geschäft ist über eine Stufe erreichbar und helfen tun wir hierbei gern.
    Wir liefern auch zu ihnen nach Hause.

    Gerne begrüßen wir all diejenigen bei uns im Geschäft, die sich von unserer Qualität und Freundlichkeit
    überzeugen möchten

    Anja und Achim Rentzsch

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