Ministerin Ina Scharrenbach las in Viersen aus dem Roman des Jahres

Bereits zum siebten Mal lud die Frauen Union Kreis Viersen zu einer Lesung in die Mayersche Buchhandlung in Viersen ein. Die Vorleserin, Heimatministerin Ina Scharrenbach, hatte mit „Herkunft“ von Saša Stanišić ein prämiertes Werk gewählt, welches in seiner Erzählung aktueller nicht sein könnte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Sonja Fucken-Kurzawa, die Vorsitzende der Frauen Union Kreis Viersen, durfte bei der letzten Lesung in diesem Jahr eine hochkarätige Vorleserin in der Mayerschen Buchhandlung an der Hauptstraße begrüßen. NRW-Ministerin Ina Scharrenbach war gerne angereist und hatte nicht nur ein aufrüttelndes Werk für ihre Lesung gewählt, sondern stand zudem gerne für einen Dialog im Anschluss zur Verfügung.

Ihr gewähltes Werk mochte im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen, allerdings hatte die Ministerin es überlegt nach einem Besuch in Bosnien ausgesucht. „Bis heute zählt die Herkunft. Bosnien ist ein Dreivölkerstaat und bis heute kommt es darauf an, ob man Moslem, Serbe oder Kroate ist. Das zerfallene Land findet einfach nicht zusammen. Wenn Sie Sarajevo besuchen, fällt bereits an der Architektur auf, der eine Teil der Stadt ist österreichisch-ungarisch, der andere Teil der Stadt ist muslimisch geprägt. Die Menschen setzen große Stücke auf die Bundesrepublik und die Europäische Union“, so die Ministerin und berichtete von den Ängsten der Menschen, von einem schwelenden Konflikt. „Und dann sitzen Sie da vor Studenten und einem Großteil der Menschen, der Bosnien-Herzegowina verlässt, weil sie keine Perspektive sehen, weil sie auch sagen die Politik schafft für uns keine Perspektive und sie fragen: Können wir auf die Europäische Union vertrauen?“

Foto: Rheinischer Spiegel

Selberlesen ist eine Empfehlung, denn Saša Stanišić spielt geradezu mit der deutschen Sprache. Selten verbinden sich Worte zu einer solch perfekten Symbiose, reflektieren und rühren. Der Autor wurde 1978 in Višegrad als Jugoslawe geboren, seiner Familie gelang die Flucht nach Deutschland. Stanišićs Vater war ein Serbe in Bosnien, Stanišićs Mutter eine Muslimin, nicht einfach für einen Jugendlichen. Sein neustes Werk „Herkunft“ ist nicht nur eine autobiografische Erinnerung an Bosnien, Heidelberg, die Alpen oder an Hölderlin und Eichendorff, es wird zu einem interaktiven Erlebnis mit vielen Enden, die jeder für sich selber erfahren kann. Jeder Leser kann selbst entscheiden, wie das Buch ausgeht, indem er den Anweisungen und Seitenzahlen folgt.

Gerade erst ist „Herkunft“ zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden, greift es doch ehrlich und unverblümt auf seine ganz eigene Art die Frage auf „Woher kommst Du?“ „Herkunft“ zeigt auf, worauf es im politischen Diskurs heute ankommt und wirkt fast wie eine Liebeserklärung gleichzeitig an Fantasie und Wirklichkeit. (nb)