Mit der Bimmelbahn zu den Hotspots, dazwischen große Lücken

Vom Remigiusplatz bis zum Gereonsplatz fuhr am Wochenende zum ersten Mal die Weihnachtsbimmelbahn durch die Viersener Innenstadt. Während rund um die Hotspots die Besucher eine Pause zum Shoppen einlegten, war dagegen an den wenigen Ständen von Vereinen und anderen Anbietern eher Ruhe angesagt.

Viersen – Bei Volkmar Hess, der am Café Becker Tanzbares der 50er und 60er Jahre präsentierte, ist eigentlich immer etwas los. Im weihnachtlichen Outfit mit Petticoat ziehen die Paare interessierte Zuschauer an, da stört auch die winterliche Kälte nicht. Aktuell noch weniger besucht die aufblasbare Rutsche, die über auf dem Gereonsplatz aufgebaut ist. Auf dem Weg zum Remigiusplatz mit einer Carrerabahn lockt ein Foto mit dem Maskottchen der Borussia Mönchengladbach und auch vor der großen Bühne an der Rathausgasse scharren sich die Besucher. Ein weiterer Anziehungspunkt die Eiscurlingbahn der ISG Nordstadt in der Rathausgasse, wo Tim (10) sein Glück versucht. Dazwischen immer wieder große Lücken, doch schließlich soll es auch kein Weihnachtsmarkt sein. Die Stände zu weit auseinandergezogen so die Meinung von Hildegard Dreyer, die mit ihrer achtjährigen Enkelin extra für die Bimmelbahn nach Viersen gekommen ist. „Eine schöne Idee“, sagt sie, „aber nicht genügend durchdacht und mir fehlt das Weihnachtsflair.“ Nach einer Runde hat kommt die Langeweile langsam bei Lina auf, weshalb Oma sie zu einem Kakao einlädt. Ebenfalls am großen Stand des Viersener Budo-Clubs auf dem Sparkassenvorplatz ist man aktiv. „Wenn wir die Leute nicht direkt ansprechen würden, dann würden sie nicht stehen bleiben“, so eine Mutter. Daneben die Viersener Senfmanufaktur, gegenüber das Gewächshaus für Jungunternehmer. Wieder fährt die Bimmelbahn vorbei, nur wenige Fahrgäste steigen aus, gut eine halbe Stunde dauert die Tour.

Trotzdem ist die Stadt gut gefüllt. „Das ist natürlich auch wegen der Bahn, aber am 3. Advent hatten wir sowieso schon mit einer höheren Frequenz gerechnet“, berichtet Verkäuferin Beatrice Kräfft. „Es ist gut, dass etwas getan wird, ob es allerdings eine solche Bahn sein muss …“ Sie zuckt mit den Schultern, schließlich gehöre Viersen nicht gerade zu den beliebtesten Innenstädten beim Weihnachtseinkauf. „Viele unserer Kunden fahren in der Vorweihnachtszeit in die umliegenden Städte und Einkaufszentren, da tut eine solche Aktion gut.“

Im Vorfeld hatte es aus der Politik und von Vereinen Kritik gegeben, weil die Bimmelbahn ungünstig auf den gleichen Tag mit dem langjährigen Dülkener Weihnachtstreff gelegt wurde. Während die Dülkener Ortsbürgermeisterin Simone Gartz ihren Unmut über die Gegenveranstaltung geäußert hatte, schrieb ebenfalls die Bürgerinitiative Viersen-Hamm auf ihrer Seite: „Ein interessantes Angebot beim Weihnachtsmarkt in Dülken, aber leider war die Zahl der Besucher doch überschaubar. Kein Wunder, wenn in Alt-Viersen an diesem Tag mit Weihnachtsgebimmel den Dülkenern die Schau gestohlen wird. Hätte hier die Bürgermeisterin nicht koordinierend eingreifen können? Amüsiert sich die BM lieber beim Weihnachtsgebimmel? So kann man Gräben zwischen Viersen und den Eingemeindungen auch vertiefen!“

Davon weiß die Kundin von Beatrice Kräfft nichts, die nur selten noch in die Innenstadt fährt. Sie streift sich die Tasche über den Arm. „Ich gehe noch schnell in die Sparkasse“, lächelt sie, „da gibt es heute einen Koffermarkt.“

Hier veranstaltet das Fachwerk den 1. Viersener Koffermarkt. Bis 18.00 Uhr hat er geöffnet, da haben die meisten Viersener Geschäfte bereits einige Stunden geschlossen. Einheitliche Öffnungszeiten, daran wird seit Jahren gearbeitet, teilen die Meinungen. Während einige Einzelhändler länger öffnen, wollen andere frei entscheiden können, wann sie ihr Geschäft schließen, sprechen von Bevormundung und Kernöffnungszeiten.

Doch zurück zum Koffermarkt, bei dem alle Teilnehmer ihre angebotenen, handgemachten Unikate in einem Koffer präsentieren. Schmuck, selbstgenähte Kindersachen, Produkte aus Beton, Filz oder Papier, Kerzenständer und vieles mehr wird angeboten. „Ich glaube, die Mütze mit den Hubschraubern kaufe ich meinem Enkelkind“, sagt die Kundin, die immer noch die Tragetasche fein säuberlich an ihrem Arm trägt. Zumindest beim Verlassen der Sparkasse hat sie mehr als eine Tasche dabei. Sie hätte direkt noch mehr gefunden, lächelt und legt den Finger auf ihren Mund. Mehr wolle sie nicht verraten, schließlich seien es Weihnachtsgeschenke und die würde erst nächste Woche das Christkind bringen. (dt)

Foto: Martin Häming, Carmen Lange