Mit der Königsvesper wird die Schützensaison eröffnet

Auch zur diesjährigen Königsvesper im Ratssaal des Rathauses Abtei, zu der schon seit Neubegründung des Bezirksverbandes Mönchengladbach, Rheydt, Korschenbroich in den 80-er Jahren vom jeweiligen Oberbürgermeister (Theodor Bolzenius 1975–1984) eingeladen wird, waren die Präsidenten bzw. Brudermeister Bruderschaften des Bezirksverbandes erschienen. Damit ist dann die offizielle Schützensaison eröffnet.
Von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach – Bevor Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners das Wort an die Gäste richtete, spielte das Brass-Ensemble der Musikschule mit 4 Schülern (Dominik Reugels und Lukas Fremmer (Trompete), Nils Reiher (Waldhorn) und Alexander Misch (Euphonium), die bei Jugend musiziert schon oft gepunktet haben und mehrfache Landespreisträger waren, auf.

OB Hans Wilhelm Reiners

OB Reiners freute sich, die Gäste zur traditionellen Königsvesper hier im Rathaus Abtei begrüßen zu können. Im Ratssaal war alles vertreten, was im Schützenwesen Rang und Namen hat. Hinzu kamen zahlreiche Gäste, die sich dem Brauchtum in Mönchengladbach eng verbunden fühlten.

So begrüßte er den Bezirksbundesmeister Horst Thoren und seinen karnevalistischen Pendant Gert Kartheuser, das Bezirkskönigshaus mit den Ministern Michael Verbocket und Barbara Kremer. Bezirkskönig Jens Schmidt konnte aus beruflichen Gründen leider nicht teilnehmen und wurde durch den Bezirkskönigsadjutanten Berndt Knitter vertreten.

Ebenfalls anwesend war der Bezirksschülerprinz Philipp Robens mit seinem Ritter Tobias Portz und Bezirksjungschützenmeister Sebastian Schnock.

Weitere Vertreter der Politik und Medien wurden ebenfalls begrüßt, stellvertretend für alle Bürgermeister Michael Schroeren und Dr. Maximilian Backes.

Für Reiners gehört Brauchtumspflege mitten hinein in das Leben, in den Jahreskreislauf, in das religiöse Jahr und das gesellschaftliche Leben. Die Schützenbruderschaft ist ein Ort des Miteinanders, ein Ort des Zusammenhalts und des Zusammenseins der Generationen. Schützen stehen für Hilfe in Not, Freude in Gemeinschaft, soziales Engagement, Glaube und Hoffnung in die Zukunft. Sie helfen, wo Hilfe notwendig ist – ob in der unmittelbaren Nachbarschaft oder in fernen Ländern. Feste zu feiern ist für sie Ausdruck von Lebensfreude.

Gepflegtes und gelebtes Brauchtum hat viel mit Werten zu tun. Schützen zeigen Flagge – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Das, was sie sich auf ihre Fahnen schreiben, ist das, was sie leben. Sie pflegen Wurzeln und schöpfen daraus Kraft, den Herausforderungen der Zukunft entgegenzutreten. Sie sind Teil einer aktiven Bürgergesellschaft. Und ihr Auftreten sorgt für Farbe und Festlichkeit. Das zeigen Sie einmal mehr hier und heute.

In einer Welt des stetigen Wandels und der globalen Herausforderungen bekommen feste Größen, verlässliche Dinge, an denen man festhalten kann, eine immer größere Bedeutung. Das Brauchtum und die dort gepflegten Traditionen sind solche festen Größen. Die Gemeinschaft gibt den Menschen Halt. Über das fröhliche Feiern hinaus bildet sie ein wichtiges soziales Netz mit ihrem ehrenamtlichen Engagement.

In diesem Zusammenhang ging er auf das Corona-Virus ein und teilte mit, dass wieder eine Schule in Mönchengladbach geschlossen werden musste. Da die Eltern durch ihre Arbeit Schwierigkeiten bei der

Johannes van der Vorst

Kinderbetreuung bekommen könnten, wäre es schön selbst zu helfen oder Hilfe anzubieten, damit man diese schwierige Situation in den Griff bekommt. Auf die Frage, was wird aus den Schützenfesten, kann man noch keine Antwort geben. Aber die Stadt hat ein Punktesystem herausgebracht, wonach man selbst entscheiden kann, wie hoch das Risiko für die Veranstaltung ist.

Zum Schluss bedankte er sich bei allen, die ehrenamtlich in ihrer Bruderschaft, in der Pfarre oder an anderer Stelle, wo sie gebraucht werden, das Brudersein und Schwestersein leben und er freute sich mit allen gemeinsam auf die bevorstehenden Schützenfeste.

Außerdem dankte er den hier anwesenden zahlreichen Unterstützern des Brauchtums. Sie bilden das stabile Gerüst, das die Bruderschaften und Vereine mit Leben füllen. Dann wünschte er allen Gästen einen schönen, gemeinsamen Abend und guten Appetit beim Grünkohlessen.

Bezirksbundesmeister Horst Thoren

Bezirksbundesmeister Horst Thoren begann seine Rede, dass für launige Worte im Moment kein Bedarf besteht. Alle die im Ratssaal waren machen sich Sorgen, was mit der Epidemie weiter geschieht. Schon bei der Begrüßung war die Überlegung, soll man die Hand oder den Ellbogen reichen. Die Armbeuge war Thoren zu gewalttätig und er schlug das Schulterklopfen vor als allgemeine Wertschätzung und man soll den Menschen so annehmen wie er ist. Auch ist der Friedensgruß in der Hl. Messe mittlerweile abgeschafft.

Das Brauchtum lebt durch Begegnungen und persönlicher Nähe. Er hat große Sorge, dass dieses Miteinander verloren gehen könnte. Denn seit Aschermittwoch ist die Kuschelzeit vorbei, denn da kam die Nachricht vom Corona-Virus.

Auch ging er auf das diesjährige Leitwort der Nachtwallfahrt ein und zwar „Fürchtet Euch nicht“. Das ist die Bitte um Beistand, Mut und Kraft zu geben, an diejenigen die Angst haben allein gelassen zu werden.

Weiter führte er an, dass man bei Schützenfesten Kraft sammelt und diese an andere weitergeben soll. Auch was Bezirkspräses Johannes van der Vorst vorlebt, sollten alle befolgen.

Als Geschenk für den Oberbürgermeister hatte Thoren einen geflochtenen Weidenbaum in mittlerer Größe sowie zwei grüne Fläschchen Desinfektionsmittel mitgebracht.

Anschließend gab es die obligatorischen Geschenke und zwar an die Bezirksjugend je ein Handtuch mit Wappen der Stadt sowie das Abtssiegel für das Bezirkskönigshaus.

Bevor dann der Gang zum Grünkohlbuffet los ging, sprach Johannes van der Vorst noch ein Gebet aus dem Schützenbetbuch.

Das vorzügliche Essen wurde, wie in jedem Jahr, vom Catering-Service Siegers präsentiert.