Mit drei Hammerschlägen startete die Dülkener Narrenakademie in die närrische Session

Die Dülkener Bockwindmühle wurde beim traditionellen Karnevalsauftrag erneut zum Ort eines einzigartigen Ereignisses. Denn wo sonst reiten erwachsene Männer auf Holzpferden um eine Mühle oder schwingt ein Rector magnificus gleich drei Mal den Hammer.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Dülken – Längst war die Dunkelheit hereingebrochen, als an der Dülkener Narrenmühle ein lebendiges Treiben herrschte. Illuminiert und begleitet von närrischen Klängen kamen hier die Karnevalisten für ein Karnevalserwachen zusammen, welches in der ganzen Region in dieser Form einzigartig ist. Denn hier starteten die Narren mit dem Ritt um die Narrenmühle und mit drei Hammerschlägen in die Session, die unter dem Motto „Di Sonn di looch, et Stripke steet, in Dölke wet man wi-et jeet“ stehen wird.

Schon 1505 traf man sich an einer Mühle, damals noch an der Tränkenmühle vor dem Süchtelner Tor außerhalb der Stadtmauer und des Stadtbanns. Sie war die „Ur“-Mühle, die zunächst im Jahr 1800 durch einen Orkan zerstört und nach dem Wiederaufbau 1880 bei einem Brand zerstört wurde. 1809 baute dann Witwe Holtz die heutige Narrenmühle zur Nutzung als Kornmühle vor dem Gladbacher Tor. Seit 1810 nun treffen sich die Karnevalisten an dieser Mühle, die 1906 an die Stadt Dülken, damals freie Hansestadt Dülken, übergeben wurde. Im Jahre 1937 übergab die Stadt Dülken die Mühle zur Nutzung und Betreuung. Hier tagt seit 1950 der Senat der Narrenakademie im Großen Weisheitssaal und seit 1952 beherbergt die Mühle das einzige Narrenmuseum der Welt. Daran hat sich bis heute nichts geändert und das soll es auch nicht, obwohl die Mühle mittlerweile sanierungsbedürftig ist.

Foto: Rheinischer Spiegel

„Gestern ist durch viele Straßen noch St. Martin geritten, heute reiten wir um die Narrenmühle. Unsere liebe alte, Mühle“, so Rector magnificus Dr. Volker Müller. „Wer sich auf das Steckenpferd setzt und damit um die Mühle reitet, der gibt zu, dass er Schwächen und Fehler hat und vor allen Dingen, dass er über sich selbst lachen kann. Die Narrenmühle ist das Wahrzeichen von Dülken und wir Dülkener lieben diese Mühle. Vor zwanzig Jahren war diese Mühle schon mal sehr reparaturbedürftig. Wir haben sie restauriert und wir haben in der Zeit auch einen Förderverein gegründet, der sich für diese Mühle verantwortlich fühlte und fühlt.“ Jetzt ist die Mühle wieder sanierungsbedürftig, seit einiger Zeit wird sie bereits mit Stahlstützen gehalten. Das Land gab mittlerweile einen Zuschuss von über 400.000 Euro hinzu. Bald beginnen die Arbeiten, denn die Mühle muss komplett abgebaut und restauriert werden. Die Neuerrichtung wird viel Arbeit mit sich bringen und alleine mit dem Zuschuss der Landesregierung wird diese Mammutaufgabe nicht zu stemmen sein. Dr. Volker Müller zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Wenn alles gut geht, werden wir am 11.11.2020 wieder vor dieser, dann neu auferstandenen, Mühle stehen und unsere alte Tradition fortsetzen.“

Foto: Rheinischer Spiegel

Vor dem Ritt um die Mühle allerdings, musste der Rector magnificus zudem eine schwere Aufgabe übernehmen und die Tollitäten der vergangenen Session verabschieden. Das Kinderprinzenpaar hatte für den Abschied ein Gedicht mitgebracht, dankte herzlich den Unterstützern und Vereinen, die im letzten Jahr ihnen zur Seite standen. „Den Crazy Kids, als unserem Verein, sagen wir Danke, wir durften euer Kinderprinzenpaar sein. Durch euch werden Narrenträume wahr, kleine Jecken werden hier zum Star“, so Marvin I. und Sophie I. gemeinsam.

Ebenfalls für Paul und Sigrun endete vor den beeindruckenden Flügeln der Narrenmühle das närrische Spiel. Paul I. erinnerte an das Glück des Prinzenpaares, dass am Rosenmontagszug der Sturm zeitlich passend abflaute. „Für uns hat jetzt auch das letzte Stündlein geschlagen. Wir haben eine grandiose Zeit erlebt“, so Prinz Paul I. „Wir konnten einen tollen Zug erleben, so viel Glück kann man gar nicht haben.“ Seiner Lieblichkeit Sigrun I. gebührte an diesem Abend der letzte Dank. „Ich nehme aus dem ganzen Jahr mit, dass man sich gar nicht vorstellen kann von so vielen Menschen so herzlich aufgenommen zu werden. Egal in welchem Saal, egal wo wir hinkamen, es waren immer lachende Gesichter, die uns empfingen. Es war ein Erlebnis, das unbeschreiblich ist.“ Worte, die die Karnevalisten gerne mitnahmen, als dann der Holzhammer seinen Einsatz fand und nach drei Schlägen sowie einem dreimaligen Ritt um die Narrenmühle die 5. Jahreszeit begann. (dt)

Foto: Rheinischer Spiegel