Mit Zwang zum Glück? Debattierabend am Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium

„Soll eine sechsmonatige Praktikumspflicht für alle nach dem 10. Schuljahr eingeführt werden?“ Diese Frage, die sehr gut zur jüngsten Forderung unseres Bundespräsidenten passt, stellte der Debattierclub Viersen in den Mittelpunkt seiner zweiten öffentlichen Debatte.

Viersen – Debattierclub-Vorsitzender Steffen Hahn hatte ins und gemeinsam mit dem Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium dazu eingeladen. Er eröffnete den Abend mit einer kurzen Einführung in die für die Debatte geltenden Regeln. Im Anschluss sorgten die Beteiligten, darunter eine Schülerin, ein Schüler und der Leiter des Gymnasiums, für eine lebhafte Auseinandersetzung bei ungemein fairer Streitkultur. Lässt soziale Verantwortung sich verordnen? Kann dem Fachkräftemangel mit Zwang begegnet werden? Welchen Beitrag leistet ein solches Praktikum gegen den Akademisierungswahn? Kann es die Attraktivität sozialer Berufe steigern? Können „Bohrmaschine und Hammer Böll und Heine ersetzen“ (Armin Wildenberg)? Diese und ähnliche Fragen standen im Zentrum der Debatte.

In abwechselnden, jeweils siebenminütigen Redebeiträgen platzierten die Diskutierenden ihre Pro- und Contra-Sichtweisen. Besonders beeindruckend war dabei die Leistung von Kim Zettl und Paul Menzel, die als Schlussredner in einer Art Hauptrolle die schwierige Aufgabe hatten, zuvor Gehörtes auf den Punkt zu bringen, bereits Gesagtes wegzulassen und geschickt den rhetorischen Schlusspunkt zu setzen.
Auch das Publikum war per Abstimmung und mit persönlichen Stellungnahmen in die Debatte einbezogen. Ein Besucher resümierte gekonnt mit der am Ende von allen geteilten Aussage: „Zeit kann man nicht verschenken; sie sollten wir uns mit dem Ziel des Reifens und der Persönlichkeitsentwicklung immer nehmen.“ (opm)

Diskutierten über ein verpflichtendes Praktikum zur Berufsorientierung: Steffen Hahn (Vorsitzender des Debattierclubs), Rolf Meurer (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Niederrhein), Kim Zettl (Q1), Heike Filipczyk und Armin Wildenberg (Debattierclub), Christoph Hopp (Schulleiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums), Paul Menzel (Q2). Foto: Hopp/Debattierclub

2 Kommentare

  1. Interessante Debatte. In der nächsten Debatte könnte ja mal über den allgemeinen Lehrplan gesprochen werden.
    Alle von uns kennen doch die Äußerung, dass man nach Abschluß der Schule erstmal vergessen solle, was man gelernt hat.

    Irgendwie nicht ganz so verkehrt, denn es wird immer noch nicht alltagstauglich gelehrt.
    Vieles von dem, was lt. Lehrplan vermittelt wird ist zunächst, im „normalen“ Alltag kaum verwertbar.
    Wer braucht im Alltag Böll und Heine, Wurzelrechnung, Algebra etc. ( nur Beispiele ) ?
    Neben Lesen, Schreiben, Rechnen, sollten vielleicht mal Empathie, Gesundheitslehre, Ernährungslehre, Soziallehre, Steuerrecht ( Lohn,-Einkommensteuer ) und andere, für den Alltag wichtige Wissensgrundlagen vermittelt werden.

    Im Zuge dessen würde sicherlich die Berufswahl und die Attraktivität diverser Berufe gefördert, in denen derzeit Fachkräfte massig fehlen.

    Auf den „höheren“ Schulen kann dann die Förderung akademisch,- wissenschaftlicher Berufe vorgenommen werden. Hier gilt es dann, den Lehrplan entsprechend zu spezialisieren.

    1. Lieber Opa,
      mit all diesen- nach ihren Vorstellungen entbehrlichen Dingen (Unterrichtsfächern) – haben wir Väter oder unsere Väter aber im Leben viel erreicht. Dazu kam ja noch das Graecum und/oder Latinum. Bildung,Wissen als Vorbereitung für das spätere Leben haben nie geschadet und schaden auch heute nicht. Im Gegenteil,ich habe es als sehr hilfreich empfunden. Was dagegen aufhören muss,ist das ständige ideologisch verseuchte herumdoktern an der Schulausbildung durch Politiker und s.g. Fachleute. 16 Kultusminister und damit alle 4-5Jahre Eingriffe in das Schulsystem machen die Schüler krank und das ganze System dysfunktional.
      Nicht umsonst beschweren sich ja die Arbeitgeber darüber,dass die meisten Schulabgänger nicht mehr über die Grundvoraussetzungen zur Aufnahme einer Ausbildung verfügen.

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