Nach anonymen Briefen: Jugendbetreuer der Bruderschaft Wanlo lassen ihre Ämter ruhen

„Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“, beschreibt Brudermeister Christian Giesen die Situation. Während einer emotionalen Versammlung am 28. August 2019 erklärten Jugendwart Stefan Stepprath und seine Kollegen aus der Jugendabteilung der Bruderschaft Wanlo, ihre Ämter vorerst ruhen zu lassen. Die große und erfolgreiche Jugendarbeit des Vereins mit knapp 30 Jungschützen fand damit ein jähes Ende.

Mönchengladbach-Wanlo – Hintergrund dieser Reaktion ist eine Rufmordkampagne, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren gegen die Wanloer Jugendabteilung gerichtet wurde. In dieser Zeit waren mehrfach anonyme Briefe aufgetaucht, in denen der Jugendabteilung der Bruderschaft Übergriffe auf die Jungschützen des Vereins vorgeworfen wurden.

Allerdings nannte der Anonymus weder Namen noch konkrete Hinweise, die seine Anschuldigungen untermauern könnten. Auch der Vorstand, die Jugendbetreuer, Eltern und Jungschützen selbst wussten sich an keinen einzigen Vorfall zu erinnern, die den anonymen Schreiberling bestätigt hätten. Selbst Polizei und Behörden vermuteten, dass es sich um eine absichtliche Verleumdung handelt.

Details aus den Briefen weisen allerdings darauf hin, dass der Verfasser aus dem erweiterten Umfeld des Vereins stammen muss. Dies veranlasste das Team um Stefan Stepprath nun zu dem radikalen Schritt. „Mit dem Wissen, dass irgendwo, irgendjemand ist, der jeden unserer Schritte beobachten wird und nur darauf wartet, dass ein Fehler passiert, den er den Ordnungsbehörden melden kann, ist unsere Arbeit nicht mehr möglich“, erklärte Stepprath.

Der Verein hatte sich stets hinter die Betreuer gestellt und klar gemacht, dass man sich dem Rufmord des Briefeschreibers nicht geschlagen geben würde. Nun wurde die seelische Belastung für die Ehrenamtler allerdings zu groß.

Leidtragende sind vor allem die Jungschützen der Bruderschaft. Seit 2010 wurden die Kinder intensiv in die Vereinsarbeit eingebunden, liefen als eigene Gruppe im Schützenumzug mit, trafen sich zu Gruppenabenden, zum Zelten oder ermittelten beim Tag der Jungschützen ihren Schülerprinzen. All diese Arbeit hat der anonyme Schreiber nun mit seinen haltlosen Vorwürfen zunichte gemacht.

[Anmerkung der Redaktion: Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren „mangels hinreichenden Tatverdachts“ eingestellt.]