Nach drei grandiosen Zugaben und mit einer stolzen Hymne endete die mitreißende Süchtelner Galasitzung

Für seine diesjährige Galasitzung hatte sich der Süchtelner Festausschuss etwas Besonderes einfallen lassen. Neben den begeisternden Auftritten der heimischen Gewächse, eroberten durchweg Künstler den Saal, die auf Viersener Bühnen bisher nicht zu Hause waren.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen-Süchteln – Ein vollbesetztes und ausverkauftes Josefshaus, das Publikum in bester Feierlaune. Perfekt für das Dreamteam des Süchtelner Karnevals Werner Jungblut und Detlef Belk, die erneut gekonnt und mit viel Witz durch die Galasitzung des Süchtelner Festausschusses als Sitzungspräsidenten führten. Bereits seit Mittwoch war das Saalbauteam fleißig gewesen, die Orden der vergangenen Prinzenpaare zierten die Wände. Schwarz-gelbe Luftballons säumten den Raum, Rennautos und Zielfahnen die Tische.

Bereits zur Begrüßung versprach Detlef Belk ein ungewöhnliches, für Viersener fast durchweg unbekanntes Programm – schließlich hatte er im Vorfeld einen bunten Reigen aus Künstlern zusammengestellt, die bisher nicht auf den Bühnen der Gesamtstadt zu sehen waren. „Frischfleisch“ wie Belk stolz verkündete. Unter sie mischten sich passend die Darbietungen der Süchtelner Vereine. Der Abend versprach bereits zu Beginn etwas Besonderes zu werden und er hielt sein Versprechen bis zum Abschluss weit nach Mitternacht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Den Einzug führen die Brook Müerkes mit ihrem Kinderprinzenpaar an, bevor sich Prinzengarde und natürlich das Schönste, was Süchteln zurzeit zu bieten hat, das große Prinzenpaar mit Josef II. und Inge I., mit ihrer Begleitung einreihten. Gelbe Rosen flogen erneut an diesem Abend bis in den hintersten Winkel, das Prinzenpaar mag zwar das älteste der Region sein, alt aber sind sie noch lange nicht.

Während sich durch Reihen der zahlreichen Gäste, darunter alle Prinzenpaare der Gesamtstadt, Mädchen der Süchtelner Tanzgarde schlängelten, die eine Spende für die neuen Trainingsanzüge sammelten, eroberten auf der Bühne die Brook Müerkes mit ihren Prinzen- und Gardetänzen die Herzen der Jecken, an die sich nach einer umfassenden Begrüßungsrunde der Sitzungspräsidenten die Süchtelner Tanzgarden anschlossen. Zehn Mädchen umfasst die Jugendtanzgarde, die erstmals aus den eigenen Reihen trainiert wird und die bewiesen, in Süchteln steht der karnevalistische Nachwuchs auf einem stabilen Fundament.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ihr Beifall schwappte über in den Tanz der großen Süchtelner Tanzgarde, die mit dreizehn Mädchen fast neidische Blicke auf sich zogen – nein, so grazil hoch bekam nur selten einer der Anwesenden sein Bein. Die Zugabe geprägt von beiden Garden, mit einem kleinen Eintanzer der Süchtelner Prinzengarde als Bierkapitäne und Solomariechen Sina Otten vervollständigte das bunte Bild auf der Bühne.

Für Botz un Bötzje oder Hans-Dieter Hahn-Möseler und Rainer Krewinkel wirkte die Bühne im Nachgang schon fast zu groß. Verzällcher för ze laache … hatten sie aus Köln mitgebracht und ließen ihre über 30-jährige Erfahrung, die sie im gesamten Rheinland gesammelt haben, in ihre, die Lachmuskeln prüfende, Büttenperformance einfließen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Eher unbekannt im Karneval schloss sich Steven Alan an die beiden Redner an. Aus Sinzig angereist, war er an diesem Abend einer der Trainer für das jecke Fitnessprogramm, denn sitzen bleiben war bei ihm nicht möglich. Alan ist Sänger, Schlagzeuger und sogar Erfinder, so bekam er 2006 für seine „Steven Alan Drum-Pad“ den Erfinderpreis Rheinland-Pfalz überreicht. Der virtuose Drummer begeistert allerdings nicht nur auf der Bühne, er schreibt ebenfalls selber, zurzeit übrigens an seinem Titel für den Süchtelner Sänger Detlef Belk. Begleitet von Nebel und Feuerwerk schaffte er es gekonnt die Jecken bis zur Zugabe von ihren Stühlen fernzuhalten und passend zu Prinz Josef II., übrigens dem einzigen Prinzen mit eigenem Festsaal – dem Josefshaus, endete die stimmungsgeladene Darbietung mit dem Titel Josephine.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dass die Süchtelner Tanzgarde nicht nur traditionell kann, zeigte ihr Showtanz Romeo und Julia auf. Die moderne Fassung mit der Männerstadt Viersen und der Frauenstadt Süchteln wurde inklusive berühmter Balkonszene dargebracht, die in die Vierstadt Viersen mit vier Mispeln auf dem Wappen mündete. Für die Choreografin gab es als Dank einen Lehrgang für Showtanzseminare unter dem mehrstimmigen Ruf „Mariechen-Garde. Die wohlverdiente Pause nutzte der Vorstand des Süchtelner Festausschusses für die Ehrungen langverdienter Mitglieder, so durften nicht nur zehn Mitglieder die Ehre des Hausordens entgegennehmen, Stefan Kallen sowie Kurt Blomberg wurden zudem für die Verdienste um die soetelschen Muuresoat sowie das närrische Brauchtum nach 25 Jahren aktiver Vereinsarbeit mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der Start in die zweite Halbzeit gebührte der Süchtelner Prinzengarde, die jedoch in diesem Jahr erneut das Tanzbein lieber ruhen ließen und die Scheinwerfer auf Solomariechen Sina Otten richtete. Akrobatische Sprünge vermischten sich mit traditionellen Tanzschritten, formten ein Bild der besonderen Art und haschten den gewünschten Erfolg in Form von jubelnden Klatschsalven ein.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dass Klamauk-Kellner Rudi und Sänger Heinz-Rüdiger europaweit Erfolge feiern, daran zweifelt nach ihrer Vorstellung in Süchteln garantiert niemand mehr, wie erstaunlich, dass die es zuvor noch nicht auf die Vierscher Bühnen geschafft haben. Varietè, Cabaret, Musik-Comedy, Akrobatik, Zauberei, Pantomime – alles zeitgleich in einer Darbietung, das Publikum tobte vor jecker Freude. Stimmgewaltig als Koch und mit grandiosen Grimassen als Kellner zeigten die beiden sogar auf, wie schnell der Süchtelner Prinz einem Lolli folgend über die Bühne haschen konnte. Ein absolutes Erlebnis und eine Empfehlung für einen Besuch, sollte es diese beiden Künstler nochmals in die Region führen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Diese beiden Highlights des Klamauks bildeten den Abschluss der Redner an diesem Abend, der mit den letzten beiden Programmpunkten musikalisch sein erfolgreiches Ende fand. Die Kölner Mundart-Band Eldorado startete unter anderem mit ihrem Titel Thekenmädchen das närrische Fitnessprogramm des Abends Teil II. und übergab nach ihrer Performance das energiegeladen feiernde Publikum an die Gruppe Bajaasch. Original in den festlichen Kölner Stadtfarben ruut un wieß „kumme se met allemann vorbei“ und so verwandelten die Musiker innerhalb von Sekunden das Josefshaus mit ihrer imposanten Ton-, Licht- und Lasereffektanlage optisch in eine gigantische Konzertbühne. Die Galasitzung mutierte zur Megaparty und ohne die dritte Zugabe war ein Abschluss an diesem Abend nicht möglich, der mit der Süchtelner Hymne erst nach ein Uhr ausklang. (ea)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming