Nachbarschaftsauto für die Klimaschutzsiedlung: Wohnungsgenossenschaft Viersen zieht positive Bilanz

Die Wohnungsgenossenschaft Viersen hat das wohl ambitionierteste Bauprojekt ihrer fast 120-jährigen Geschichte abgeschlossen: Die 1. Viersener Klimaschutzsiedlung ist fertig gestellt. Die Mieter haben das „grünste Wohnquartier“ in der Stadt mit 48 Wohnungen inzwischen bezogen.

Viersen – Nicht nur wegen des Baus der Klimaschutzsiedlung blickt die Wohnungsgenossenschaft Viersen auf ein ereignisreiches Geschäftsjahr 2017 zurück. Während der Generalversammlung am Dienstag kann der Vorstand den Mitgliedern eine sehr erfolgreiche Bilanz und einen Jahresüberschuss von rund 500.000 Euro präsentieren. Die Genossenschaft schüttet wieder eine Dividende von vier Prozent an die fast 1000 Mitglieder aus – insgesamt rund 29.200 Euro.

568 Wohnungen besitzt die Genossenschaft. Mehr als ein Fünftel davon wurde nach 1990 errichtet. „Um den Bestand attraktiv zu halten, investieren wir ständig in unsere Wohnungen“, betont das hauptamtliche Vorstandsmitglied Heinz Fels. Die Kosten für Instandhaltung und Modernisierung beliefen sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 1,03 Millionen Euro. Dafür wurden beispielsweise Bäder und Etagenheizungen erneuert, Grundrisse geändert und Barrieren reduziert. Einige Mehrfamilienhäuser an der Gelderner Straße und an der Düppelstraße erhielten Balkone sowie neue Dächer und wurden energetisch saniert. Die Genossenschaft hat das Programm in diesem Jahr mit weiteren Häusern an der Düppelstraße fortgesetzt und investiert 2018 erneut 1,2 Millionen Euro.

Ein „Stromer“ für die Klimaschutzsiedlung: Der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Viersen stellte das E-Nachbarschaftsauto vor. Von rechts: Heinz Fels, Georg Maria Balsen und Günter Neumann.
Foto: Wohnungsgenossenschaft

In dieser Zahl nicht enthalten ist die Klimaschutzsiedlung. „Mit Baukosten von insgesamt rund 10,5 Mio. Euro bleiben wir im kalkulierten Rahmen“, berichtet Vorstandsmitglied Günter Neumann. Das Projekt ist vom Land NRW offiziell als eine von 100 Klimaschutzsiedlungen anerkannt worden. Dafür musste es strenge energetische, ökologische und soziale Vorgaben erfüllen. Die Klimaschutzsiedlung mit drei Mehrfamilienhäusern an der Oststraße entspricht zudem dem höchsten energetischen Standard der KfW-Bank und wird deshalb als „KfW-Effizienzhaus 40 Plus“ gefördert.

Mit modernstem Passivhausstandard, Erdwärme, Photovoltaik und Solarthermie, Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung sowie Speichersystemen für Warmwasser und Sonnenstrom hat die Wohnungsgenossenschaft viel innovative Technik eingebaut, um die natürlichen Ressourcen zu schonen und die Energiekosten niedrig zu halten. „Die Mieter finden in der Klimaschutzsiedlung hervorragende Wohn- und Lebensbedingungen“, sagt Vorstandsmitglied Georg Maria Balsen und verweist auf die gemischte Bewohnerstruktur: In dem Neubau mit insgesamt drei Mehrfamilienhäusern wohnen sowohl Menschen im Ruhestand als auch junge Familien mit Kindern. Die Warmmiete beträgt 9,30 Euro, hierin sind die Kosten für Heizung und Warmwasser bereits enthalten.

Einen Akzent legt die Wohnungsgenossenschaft in der Klimaschutzsiedlung auf die E-Mobilität. Die Mieter verfügen nicht nur über Abstellplätze und Aufladestationen für E-Fahrräder. Darüber hinaus hat die Wohnungsgenossenschaft ein elektrisch angetriebenes „Nachbarschaftsauto“ angeschafft. Der Nissan-Leaf kann im Car-Sharing-Verfahren stunden-, tage- oder wochenweise gemietet werden. „Wir stellen das E-Auto nicht nur den Mietern der Klimaschutzsiedlung und den Mitgliedern unserer Genossenschaft, sondern auch den Nachbarn im näheren Umfeld zur Verfügung“, erläutert Heinz Fels.

Das Nachbarschaftsauto hat eine Reichweite von etwa 250 Kilometern, bevor es wieder an eine Strom-Ladestation muss. Angemeldete Nutzer können den Pkw über ein elektronisches Buchungsportal online reservieren; der Preis liegt bei vier Euro pro Stunde (inkl. 30 Km) oder 45 Euro für einen gesamten Tag (inkl. 250 Km). Interessenten wenden sich an die Wohnungsgenossenschaft Viersen, Tel. 02162-939970.

Der Vorstand ist insgesamt sehr zufrieden mit der Entwicklung der Wohnungsgenossenschaft. „Unsere Wohnungen sind sehr gefragt, wir haben so gut wie keinen Leerstand“, erklärt Heinz Fels. Besonders begehrt seien barrierearme kleinere Wohnungen für ein oder zwei Personen. Genau diesen Interessentenkreis will die Genossenschaft demnächst auch an der Wörthstraße im Ortsteil Rahser ansprechen: Hier nimmt sie ab dem kommenden Jahr ihr nächstes Bauprojekt mit 21 Wohnungen in Angriff.

Durch den Neubau der Klimaschutzsiedlung ist die Bilanzsumme 2017 der Wohnungsgenossenschaft Viersen von bisher rund 16 Mio Euro auf 22,4 Mio. Euro gestiegen. Pro Quadratmeter Wohnfläche hat die Genossenschaft im Schnitt 18,18 Euro für die Instandhaltung aufgewendet – 3,19 Euro mehr als im Jahr 2016. Sie beschäftigt sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (ohne Vorstand). Der Vorstand besteht aus Heinz Fels (hauptamtlich) sowie Günter Neumann und Georg Maria Balsen (jeweils nebenberuflich). Regina Peters ist Vorsitzende des siebenköpfigen Aufsichtsrates, ihr Stellvertreter ist Klaus Peters. Außerdem gehören Lonny Grützner, Petra Küppenbender, Petra Lehmann, Dirk Lenzkes und Ismihan Sapsiz dem Aufsichtsrat an.

 

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