Naturschützer kämpfen für den Erhalt einer Eiche an der Süchtelner Brüder-Grimm-Schule

Bereits im vergangenen Jahr sorgte der geplante Schulhof-Umbau an der Brüder-Grimm-Schule für Diskussionen. Nun hat der Ausschuss Bauen, Umwelt- und Klimaschutz der Umgestaltung und der Fällung einer 40-jährigen Eiche auf dem Gelände zugestimmt und ruft damit laute Kritik engagierter Natur- und Umweltschützer sowie zahlreicher Viersener Bürger hervor.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen-Süchteln – Bereits im Herbst soll auf dem unteren Schulhof der Brüder-Grimm-Schule in Süchteln eine Multifunktionsfläche und ein Naturgarten entstehen, wodurch für die 334 Kindern der Schule und die 160 Kindern in der Offenen Ganztagsschule ein neuer Raum zum Spielen geschaffen werden soll. Der Antrag zu einer Umgestaltung wird bereits seit rund zwei Jahren in den verschiedenen städtischen Ausschüssen diskutiert, nun gab es eine Zustimmung durch den Ausschuss Bauen, Umwelt- und Klimaschutz. Dieser beinhaltet jedoch ebenfalls die Fällung einer Eiche, die auf dem Schulgelände steht, um Platz unter anderem für ein Zirkusprojekt, Fühlwege, ein Fußball-Ei oder Hängematten zu schaffen. Mit dem Bekanntwerden der Fällung zog die Entscheidung vermehrt den Unmut von Naturschützern und interessierten Bürgern nach sich, weshalb sich der BUND Stadt und Kreis Viersen, an den mittlerweile mehrfach täglich die Bitte zur Unterstützung zum Erhalt der Eiche gerichtet werden, seit der vergangenen Woche an verschiedene Stellen gewandt hat.

„Ein bereits gefasster Beschluss des Planungsausschusses wurde auf Antrag des Schulleiters und des Förderverein-Vorsitzenden in der vorigen Sitzung gekippt und damit dem ausdrücklichen Wunsch der Schulleitung entsprochen, diese 40-jährige gesunde Eiche zu fällen“, so BUND-Vorsitzende Almut Grytzmann-Meister. „Es ist angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen ein demokratisch sehr
fragwürdiges Vorgehen, wenn politische Parteien mit einem solchen Hauruck-Antrag genötigt werden, einen bereits gefassten Entschluss wieder zu ändern. Diese Änderung hat auch zur Folge, dass die daraus entstehenden Kosten über die Stadtkasse, das heißt den Steuerzahler beglichen werden müssen.“
Täglich wächst aktuell der Widerstand und die Kritik an der Maßnahme, die rund 269.300 Euro brutto aus dem Haushalt kosten wird. Die Spielgeräte werden von dem Förderverein der Brüder-Grimm-Schule getragen, die Infrastruktur geht zu Lasten des städtischen Haushaltes.
Im Mittelpunkt der Kritik steht in diesem Fall jedoch nicht der Kostenfaktor, sondern die Fällung der rund 40-jährigen Eiche.

„Ein Baum ist sicherlich wichtig und es tut uns unglaublich leid – wir würden ihn auch nicht leichtfertig fällen lassen, aber das Bewegungskonzept der Schule, das Schulhofkonzept der Schule und auch das Schulprogramm der Schule und das Projekt „BILDUNG BRAUCHT BEWEGUNG – IM SPORT STECKT BILDUNG“ stehen dagegen“, so Rektor Oliver Bossmanns. „Wir haben von Anfang an Ersatzpflanzungen und ein nachhaltiges Konzept zur Umwelterziehung auf die Beine gestellt.
So werden wir mit den Kindern auf dem Schulgelände neue Bäume pflanzen, Baumpatenschaften in Süchteln übernehmen und Pflanzaktionen der Stadt Viersen auf den Süchtelner Höhen begleiten.
Der Baum wird der Schule als Sitzgelegenheit und als Erinnerung an sich selbst auf dem Gelände erhalten bleiben, eingebunden werden und wird die Kinder daran erinnern, welche Aufgabe sie haben.“

Mittlerweile sei es zu Anfeindungen und Beleidigungen per Mail gekommen, ebenfalls der Schulhof wurde an einem Abschlusstag der 4. Klässler mit Botschaften instrumentalisiert. Vorgänge, die Oliver Bossmanns beschämend findet, denn niemand hätte die Entscheidung zur Fällung leichtfertig getroffen. Die Pläne der Umgestaltung sorgten in der Sondersitzung des Ausschusses für großes Lob, obwohl die Stadtverwaltung zunächst vorgeschlagen hatte den Baum zu erhalten. Mit einer neuen Planung und Gesprächen mit dem Förderverein kam die gewünschte Fällung wieder auf die Tagesordnung.

Neben der Eiche sollen drei weitere Bäume gefällt werden, zwei davon seien aufgrund einer Erkrankung nicht zu erhalten. Eine Entscheidung, der ebenfalls die Grünen zustimmten, nachdem Ersatzpflanzungen dargelegt wurden. Nicht ausreichend, finden Eltern und weitere Natur-, Klima- und Umweltschutzschützer die den Baum erhalten wollen: „Nach der durch den Klimawandel hervorgerufenen anhaltenden Dürre und der damit verbundenen teilweisen Entwaldung der Süchtelner Höhen sollte auch dem Viersener Rat, der sich 2019 als Klimaschützer bezeichnet hat, klar sein, was Unbekannte in großen Kreidelettern auf den Boden vor die Eingänge der Schule geschrieben haben: Jeder Baum zählt!“ Ebenfalls der BUND Stadt und Kreis Viersen appelliert nochmals an die Entscheider: „Unverständnis und Empörung nicht nur der ehrenamtlichen Naturschützer, sondern auch vieler anderer Bürger, weil wir bisher davon ausgegangen waren, dass auch Schulpädagogen die Folgen des Klimawandels für die Stadtnatur zur Kenntnis genommen haben sollten und entsprechend jegliche naturzerstörerischen Aktivitäten unterlassen würden. Dem ist leider wohl nicht so“, ergänzt Grytzmann-Meister, die auf eine negative Vorbildunktion für die Schüler hinweist, denn es gehe nicht nur um das Absägen eines einzigen Baumes, sondern vielmehr um eine grundsätzliche pädagogische Haltung gegenüber den Erfordernissen im Natur- und Umweltschutz. (dt)

Ein Kommentar

  1. Dass das Zirkuszelt Platz auf dem Schulhof hat, besagt doch schon der Aufbau dort im Juni 2018. Wenn die gewünschte Schulhofgestaltung dies nicht mehr zulässt, so muss das Konzept geändert werden. Die artistischen Spielchen alle vier Jahre stehen in keinem Verhältnis zum unbezahlbaren Wert eines schon so großen Exemplares von Eiche, der lebensnotwendige Dienste leistet. Die didaktische Sicht von Naturerleben seitens der Schule widerspricht dem Wissen von der funktionsstarken Bedeutung der Bäume. Der Stamm soll als Sitzgelegenheit dienen – welche Wertschätzung der Natur!

    Ich richte mir auch nicht mein Wohnzimmer neu ein und werfe die Oma hinaus!
    Von Klimawandel wird wirklich nur geredet und ständig widersprüchlich gehandelt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Brunhild Huckriede, Krefeld
    Ich bekam den Hinweis, dass Schulgruppen gerne zum ständig dort ansässigen Zirkus der Jugendherberge „Vier Linden“ in Netteal Hinsbeck fahren.

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