Neben der „Zirbel“ waren mumifizierte Ratten der Blickfang

Am gestrigen Sonntag wurde im Skulpturenpark nicht nur das bei den Viersenern umstrittene Kunstwerk der „Zirbel“ feierlich übergeben. In den kommenden Wochen zeigt die stadteigene Galerie im Park eine begleitende Ausstellung des Künstlers Gereon Krebber mit 20 Kilogramm Gelatine und einem Mobile aus mumifizierten Ratten.

Viersen – Auch unter den zahlreich erschienenen Gästen der feierlichen Übergabe des neuen Kunstwerks in der Skulpturensammlung wurde das Ziel von Kunst und was Kunst darf emotional diskutiert. Bereits im Vorfeld wurde die „Zirbel“, ein Teil des menschlichen Gehirns, von Neugierigen im Skulpturenpark und in den sozialen Netzwerken geradezu zerrissen. Mit einem Elefantenköttel und einem Hundehaufen wurde die Bronze-Plastik verglichen. Gegen den Heimatverein und die Stadt Viersen hagelte es zahlreich Kritik. „Für wichtigere Dinge fehlt das Geld, stattdessen werden Steuer- und Vereinsgelder für solch eine Schande in den Sand gesetzt“, so eine Meinung und der Schreiber steht damit nicht alleine, denn die Diskussion hat bisher nicht an Fahrt verloren.

Foto: Rheinischer Spiegel

Umso gegensätzlicher war die Übergabe der Skulptur geprägt von einer Einführung in die Arbeit des Künstler und auch Gereon Krebber selbst, der eine Professur für Bildhauerei im Orientierungbereich der Kunstakademie Düsseldorf innehat, führte die interessierten Teilnehmer an sein Werk heran. Enthüllt wurde das in rotes Tuch gehüllte Werk durch die Kulturstrolche der Körnerschule, musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch das Duo Konstantin Reinfeld und Benyamin Nuss mit Klavier und Mundharmonika.

Bis zum 22. Juli präsentiert die Städtische Galerie im Park zudem eine umfassende Ausstellung des Künstlers und sein diskussionsbehaftetes Schaffen. Gereon Krebbers abstrakte Kunstwerke spielen mit Erinnerungen an Organisches, bizarren Formen mit schrundigen Oberflächen und mit vielen Widersprüchen. Krebber arbeitet mit vielfaltigen Materialien, die von Frischhalte- und Luftpolsterfolie, Sprühlack, Bauschaum und Klebeband, Kleiderbügeln, Kabelbinder und Epoxidharz bis hin zu Keramik oder Bitumen reichen – bis hin zu mumifizierten Ratten. Bereits im Eingangsbereich stolpert der Besucher über die riesige Gelatineskulptur „Reprise“, aus 7,5 Kilometern Luftkissen und Mülltüten wurde eine überdimensionale Nachbildung der Skulptur geschaffen, die im Außenbereich der Galerie die Gemüter erhitzt. Gegensätzlich zur Bauschaum-Plastik „Glomen“ im Erdgeschoss.

Im ersten Stock verweilt die Besuchertraube fast starr an einem Mobile aus mumifizierten Ratten. Mal mit dem Schwanz nach oben, mal mit einer Befestigung um den Kopf drehen sich die Ratten im Wind, die in einem Trockenofen bei 110 Grad 900 Minuten ausgetrocknet und dann mit Bitumen überzogen wurden. Daneben spiegelt ein teils blinder Spiegel die Gesichter der Besucher wieder. Teils angeekelt, teils fasziniert immer mit dem Blick auf die Tierkadaver die Krebber gewählt hat, weil sie in der Gesellschaft abgelehnt werden. Ein Mobile als provokante Darstellung des Zersetzungsprozesses.

Die Ausstellung „Gereon Krebber“ präsentiert die Städt. Galerie im Park, Rathauspark 1, bei freiem Eintritt bis 22. Juli. Geöffnet ist sie dienstags bis samstags von 15.00 bis 18.00 Uhr, sonn- und feiertags von 11.00 bis 18.00 Uhr. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel