Neue Landesregierung stellt „Schraibm nach gehöa“ auf den Prüfstand

Die Bürger in NRW haben im Frühjahr den Weg frei gemacht für eine schwarz/gelbe Landesregierung. Mit „Wir liefern“ packt diese nun die umstrittene Lernmethode „Schreiben nach Gehör“ an und prüft. Ebenfalls die Förderschule Sprungtuch GmbH aus Dülken begrüßt den Abschaffungsgedanken.

Region – Sie ist umstritten und kann auf tausende von Gegnern in der Lehrerschaft, Jugendämtern oder bei Eltern verweisen. Die Lernmethode „Schreiben nach Gehör“.  Bei dieser in NRW immer noch angewandten Praxis wird Kindern in den ersten zwei Schuljahren keine richtige Rechtschreibung vermittelt. Kritiker sehen darin unter anderem die Ursache dafür, dass das Niveau an den weiterführenden Schulen drastisch gesunken ist. Andere Bundesländer, darunter Baden-Württemberg und Hamburg, griffen schneller ein, verbannten diese Lernmethode aus dem Schulplan.

Nun stellt die neue NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) diese Methode auf den Prüfstand. Die FDP hatte diese Methode in der Vergangenheit bereits immer wieder kritisiert. Zwar sei sie der Methode bis zum Ende des ersten Schuljahres nicht abgeneigt, aber danach müsse die Rechtschreibung vermittelt werden. Gerade Schüler mit Migrationshintergrund würde der Lehrstoff durch die von dem Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen in den 70er Jahren entwickelte Methode Nachteile bringen, bei der das Lernen von der Schule nach Hause verlegt werden würde.

„Das Erlernen des ‚freien Schreibens‘ nach der Jürgen Reichen Methode, scheint theoretisch enorm. Was diese Methode nach unserer Beobachtung jedoch nicht vermittelt, ist eine korrekte Rechtschreibung. Alle Kinder wollen richtig, wie Erwachsene das auch können, das Lesen und das Schreiben lernen. Eine Kombination von freiem Schreiben und die Vermittlung von richtiger Schreibung auf wissenschaftlich basierten Lernmethoden, könnte Erfolg bringen“, so Eva-Maria Weiner von der Dülkener Förderschule Sprungtuch GmbH. „Viele Kinder prägen sich die ‚zu Lernbeginn‘ falsch geschriebene Wörter langfristig ein, sind erschrocken und enttäuscht, wenn die Rechtschreibung plötzlich benotet wird. Wir sind der Überzeugung: Gerade für Kinder mit Lernbeeinträchtigung bzw. Migrationshintergrund ist ein gezielter Unterricht, eine gezielte Förderung der Schriftsprache in der Grundschule unabdingbar.“

Deshalb ruft auch die Initiative „las legas“ für die Rechte von legasthenen Menschen zu einer Unterschriftenaktion auf. „Die Kinder, denen das Schreiben und Lesen sowie so schwerfällt, landen durch diese Methode auf dem Abstellgleis, tragisch für ihre schulische und berufliche Karriere. Hier sollten wir uns an den erfolgreichen und zeitgemäßen Modellen anderer Industrienationen orientieren. Frühes Erkennen der spezifischen Defizite und ebenfalls frühe, gezielte Förderung sind hier angezeigt“, heißt es in der Petitionsschrift. Dabei sei die angelsächsische Welt wesentlich toleranter in diesem Bereich. Stephen Spielberg, Steve Jobs, Bill Gates, Luis Hamilton bekannten sich öffentlich zu ihrem Defizit, ihrer Karriere hat es nicht geschadet.

Es bleibt abzuwarten, ob NRW-Schulministerin Gebauer dem Wunsch der zahlreichen Gegner folgen wird, damit „Schraip widu schprichsd“ bald ebenfalls in NRW der Vergangenheit angehören wird. (cs)

Foto: Stephanie Byrd