Neuer Job für die Klimaschutzengel im alten Süchtelner Tierpark

Nachdem die Klimaschutzengel der Gruppe Parents For Future Kreis Viersen im Sommer 2020 dem Gewissen der Kreistagsmitglieder auf die Sprünge halfen, haben sie nun eine neue Aufgabe gefunden: Als echte Schutzengel werden sie in den kommenden Wochen den Bäumen im Alten Tierpark in Süchteln zur Seite stehen.

Viersen-Süchteln – Der Alte Tierpark zwischen Süchtelner Busbahnhof und Johannes-Kepler-Realschule ist in die Jahre gekommen und soll modernisiert werden. Seitens der Stadt ist von sogenannten „Angsträumen“ die Rede, die durch Fällen etlicher, teils sehr alter, Bäume beseitigt werden sollen. Ziel ist es, den Park insgesamt einsehbarer zu machen. „Für unerwünschte Besucher wäre der Aufenthalt am Abend und in der Dunkelheit dadurch nicht mehr attraktiv genug und sie würden verschwinden – so hofft man vermutlich“, so die Gruppe Parents For Future im Kreis Viersen.

Foto: Parents For Future Kreis Viersen

Der Alte Tierpark trägt seinen Namen aus den frühen 1930er Jahren, als es dort einen richtigen Tierpark gab. Nach dem Krieg wurden die Flächen für Notunterkünfte benötigt und erst mit dem Bau der Realschule wurde wieder eine Grünfläche geschaffen. „Beeindruckend sind einige Relikte aus der frühen Zeit der Anlage. Betonwände, in kurzen Abständen hintereinander angeordnet und Betoneinfassungen lassen uns zunächst keine Rückschlüsse auf ihre Intention ziehen, bis wir die Bilder von wunderschönen Wasserinstallationen aus den 70er Jahren sehen“, so die Klima- und Naturschützer weiter. „Heute werden die Einfassungen als Sitzgelegenheiten genutzt, denn unter den alten Bäumen lässt es sich im heißen Sommer gut aushalten. Einzelne Graffities auf den Betonteilen sind weniger ansehnlich, was in der aktuellen Planung dazu anregt, die Betoninstallationen zu entfernen. Das wiederum wird dazu führen, dass etliche Bäume ihre Standfestigkeit verlieren und daher gefällt werden müssen. Ein Angebot zur Güte: lasst die Jugendlichen den Beton doch selbst in Szene setzen. Ein Wettbewerb kann dabei für Qualität sorgen.“

Die Parents For Future fanden sich in zahlreichen Gesprächen mit Anwohner:innen und Besucher:innen des Parks in ihrer Meinung bestätigt, dass hier in erster Linie nach Alternativen gesucht werden muss, um die Schattenspender, CO2-Sammler, Sauerstoffproduzenten und Frischlufterzeuger zu erhalten, denn für sie gilt: „Jeder Baum zählt!“

„Wir freuen uns daher sehr, dass die Stadt vom 5. bis 18. Juli eine Bürgerbeteiligung ermöglichen möchte. Dies ist sowohl online über das Internetangebot der Stadt möglich, als auch im Süchteln-Büro auf der Tönisvorster Straße. Unser Interesse fanden ebenfalls die Pergolen, die seinerzeit von dem mehrfach ausgezeichneten Architekten Georg Penker entworfen wurden. Leider wurden sie seit der Installation nie wieder gepflegt, so dass sie heute als rostige Gebilde die Fantasie zahlreicher Besucher:innen anregen. Hier lassen wir uns überraschen, welche Ideen von den Bürger:innen dazu noch zu Tage treten werden. Eine Reihe von Hainbuchen trennt den Park von dem Parkplatz am Busbahnhof. Die Stadt wünscht sich dort mehr Durchblick (Stichwort „Angsträume“) und will auch dort fällen. Auch hier würden Bäume, die sich bislang als sehr robust in den aktuellen Klimaverhältnissen erweisen, geopfert für ein Bedürfnis, das sich vermutlich auch anders stillen lässt. Die Rede ist von dem kleinen und großen Bedürfnis, das alle Bürger:innen, besonders aber Busfahrer:innen, Stadtbedienstete und Besucher:innen von Zeit zu Zeit haben, und das sich in Corona-Zeiten auch nicht durch den Besuch einer Gaststätte befriedigen lässt.

Vergleichen wir also die Anschaffung einer öffentlichen Toilette mit dem Leben von kerngesunden Bäumen, ist es sicherlich keine Frage, wer hier den Vorzug erhält. Aktuell haben wir damit begonnen, überall im Park den Bäumen eine Stimme zu geben. Sie brauchen die Aufmerksamkeit aller Besucher:innen dringend. Parallel werden wir auf unserer Webseite https://parentsforfuture.de/de/kreis-viersen laufend berichten, was es Neues zum Alten Tierpark gibt und ob und wann wir Ihre Hilfe für mögliche Rettungsmaßnahmen benötigen. Nehmen Sie unbedingt an der Bürgerbeteiligung teil und berichten Sie uns gerne parallel von Ihren Ideen. So kann nichts verloren gehen. Sie erreichen uns per E-Mail unter kreis-viersen@parentsforfuture.de Bitte bleiben Sie dran – wir tun’s auch.“ (opm/paz)

5 Kommentare

  1. Dass dieser Park erhalten und saniert werden muss,haben die Grünen ja schon beantragt.Es darf keinesfalls der völlig „idiotische“Plan der Stadt umgesetzt werden und hier eine neue „Spass-und Eventfläche“ entstehen.
    Was ist das für eine pervertierte Logik der Stadt – Angsträume durch Rodung beseitigen ⁉️🤦
    Lieber auf einsamen Landstrassen blitzen,anstatt Recht-und Ordnung durchzusetzen. Platzverweise,Anzeigen und schlussendlich auch Ingewahrsamnahme für Radaubrüder-und schon wird aus dem Angstraum ein Ruheraum. Außerdem ist 50m weiter der Polizeiposten. Bevor der Sheriff sich in der Fußgängerzone von den Radfahrern umfahren lässt,kann er ja dann mal den Park beruhigen 😉
    Natürlich muss hier zwingend eine Toilettenanlage hin.Für die Busbenutzer usw. Schön wäre eine Sanierung des alten Kiosk am Busbahnhof. Darin dann ein kleines Kaffee,ein Imbiss oder Kiosk.
    Das wäre dann ein schönes Fleckchen zur Erholung und als Treff in Süchteln.
    Über 50 Jahre hat die Stadt dieses schöne Fleckchen verrotten lassen. Hier zeigt sich auch wieder beispielhaft die Unfähigkeit unseres politischen System im Ortsteil und der Stadt.

    1. Bei solch einem Kommentar freut sich meine Seele, sofern ich denn eine habe.

      Etwas bissig, zuweilen ironisch und leicht satirisch anmutend mit feinen Spitzen in die richtige Richtung! BRAVO! Hierfür von mir volle Zustimmung.
      Dies entbehrt jedes weiteren Kommentares zur Sache meinerseits.

      Dennoch habe ich einen kleinen Wehmutstropfen, bei diesem Thema, als allgemeinen Exkurs anzumerken:

      Ist es nicht erstaunlich, wieviele Menschen sich in unserer Heimat und in aller Welt einsetzen, demonstrieren und Behörden befeuern, wenn es um Natur und Umwelt geht?
      Bedauerlicherweise gibt es eine solche Resonanz beim Thema Kinderrechte (z.Bsp. ins Grundgesetz) nicht.

  2. Die Stadt spart nur an der verkehrten Stelle und Pulvert das Geld lieber in das Bürgerhaus obwohl wir eine Festhalle haben die keine Auslastung hat. Schwimmbäder wurden abgeschafft und das Freibad auch. Der Lunapark in Dülken eine Idylle, heute nur noch ein chaotischer Durchgang ohne Liebe. Der Stadtgarten in Dülken war der Anziehungspunkt der Familien. Ein Cafe mit Kinder Spielgeräte die stets erwünscht waren. Jetzt der alte Tierpark zunichte machen bloß weil die Stadtentwicklung versagt? Ruiniert doch weiter das Gemütliche Familienleben und stellt in den Parks Computer hin mit großen Plastikbilder . Die Grünen müssen in Viersen an der Macht, der Politische Seniorentreff muss ein Ende gesetzt werden. Wir brauchen Sauerstoff und keine Flugzeuge und Oldtimer mit einer kahlen Wüste!

  3. Ich greife aus dem Bericht nur zwei Wörter auf, die ich dann mit einem großen ? kommentiere:

    „Öffentliche Toilette“

    Wird die dann genauso „in Betrieb genommen, gewartet und gepflegt“ wie die öffentliche Toilette, die am Parkplatz Probsteistraße, vor dem Küchenzentrum Wiskozil steht und so langsam vergammelt?

  4. Die Bürgerbefragung, die keine ist.

    Sehr überraschend ist die angekündigte Bürgerbefragung schon heute, am 2.7. 21 online. Man findet sie über https://befragung.stadt-handel.de/s3/tierpark gerade so rechtzeitig, dass viele bereits in Urlaub sind und nicht an der Befragung teilnehmen können.

    Leider ist es fast unmöglich, die Befragung gewissenhaft zu beantworten. Ich bin gezwungen, eine Auswahl zu treffen. Keine Auswahl führt zu einer Fehlermeldung. Ich möchte keine Sportgeräte, die genauso wenig gepflegt werden, wie die jetzigen Pergolen. Ich möchte auch keine Multifunktionsfläche, die erst durch das Fällen von Bäumen entsteht.

    Diese Befragung ist irreführend, manipulativ, und niemand weiß, ob sie überhaupt zur (längst erfolgten?) Planung herangezogen wird. Leider zweifle ich daran, dass die Stadt ernsthaft an einer Bürgerbeteiligung interessiert ist. Es entsteht durch die Art der Befragung der Eindruck, dass ein längst fertiges Konzept geschickt durch Bürgerbeteiligung abgesegnet werden soll.

    So oft ich mir auch vornehme, den Regierenden unserer Stadt wohlwollend gegenüber zu treten, so oft werde ich enttäuscht. Sehr traurig hoffe ich dennoch, dass ein Umdenken der Planer:innen noch möglich ist.

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