Neues Kreisarchiv ist Vorzeigeobjekt für ressourcenschonendes Bauen

Ein wenig länger hat der Bau des neuen Kreisarchivs am Dülkener Ransberg durch die Lockdown-Zeit und den Materialmangel gedauert. Nach zweieinhalb Jahren konnten zur Eröffnung Gäste nun einen ersten Blick dort hineinwerfen, wo nicht nur die Geschichte der Region beheimatet ist, denn das Bauwerk selbst ist eine Besonderheit.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Dülken – Ursprünglich war eine Eröffnung des neuen Kreisarchivs bereits im Frühjahr dieses Jahres geplant, doch die durch Corona geprägte Zeit machte vieles unplanbar. Nachdem in 2020 der Spatenstich gefallen war, mauserte sich der Bau am Dülkener Ransberg zu einem Vorzeigeobjekt für ressourcenschonendes Bauen und nachhaltiges Wirtschaften. So ist das neue Kreisarchiv nicht nur Heimat für die Vergangenheit, es ist als Pilotprojekt zudem fest verbunden mit der Zukunft des Kreises. Ein Ort des Lernens, Behütens, Förderns, aber auch Verweilens. Ein Ort für Schüler, Wissenschaftler, Heimatfreunde – einfach für jeden, wie in den verschiedenen Reden am Eröffnungstag deutlich wurde.

Moderator und WDR-Redakteur Ludger Kazmiercak wies bereits bei der Einleitung nach dem musikalischen Start der Kreismusikschule auf die Vorbildfunktion hin, die bei den niederländischen Nachbarn bereits häufiger gelebt wird. Das Wort Archiv erinnere an dunkle, modrige Keller mit muffigem Geruch und jemanden in der Ecke, der immer sagt ‚nicht anfassen‘, doch diese gibt es in Dülken nicht mehr. „Rohstoffe werden in absehbarer Zeit nur noch begrenzt oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen“, erinnerte Landrat Dr. Andreas Coenen an die aktuelle Situation. „Es zeigt, wie groß die Herausforderung beim Bauen ist, und um auch in Zukunft bauen zu können sind alle Akteure gefordert. Ich denke, dass wir, als öffentliche Hände, hier eine Vorbildfunktion haben.“

„Rohstoffe werden in absehbarer Zeit nur noch begrenzt oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen“, erinnerte Landrat Dr. Andreas Coenen an die aktuelle Situation. Foto: Rheinischer Spiegel

Der an einen historischen Berfes, einen niederrheinischen Wehrspeicher, angelegte Bau, öffnete an diesem Freitag erstmals zum Tag der offenen Tür und gab seine Schätze frei, die von Kreisarchivar Dr. Michael Habersack und seinem Team liebevoll geschützt und erforscht werden. Keine einfache Sammlung, sondern ein umfangreiches Archiv niederrheinischer Geschichte, welches zuvor an verschiedenen Standorten untergebracht war. „Eine derart nachhaltige Bauweise, ist zurzeit noch teurer als bei der herkömmlichen Bauweise, und dass trotz der massiven Preissteigerungen der vergangenen Monate“, führte der Landrat in seiner Rede weiter aus. „Diese Mehrkosten, dieser Mehraufwand, wir sehr schnell eingespielt. Diese Teuerung ist nur eine vorübergehende, denn bereits nach kurzer Zeit spart das Gebäude so viel Betriebskosten ein, dass es schließlich im gesamten Lebenszyklus wesentlich wirtschaftlicher ist als ein konventioneller Bau. Ich glaube das zeigt, das nachhaltiges Bauen auch wirtschaftliches Bauen ist.“

Bereits 2017 waren die Planungen für die Zentralisierung gestartet, die sich nach den Plänen von Architekt Dipl.-Ing. Bernd Volkenannt (DGM Architekten) zu einer Bauplanung mit Vorbildfunktion nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung gemausert hatte. Gas oder Pellets fallen hierbei ebenfalls eher unter das Archiv, denn das neue Kreisarchiv wird energetisch versorgt durch eine Kombination aus Kraftdach, Eisspeicher und Brunnenanlage. Keine leichte Aufgabe, denn schließlich galt es dabei die besonderen Anforderungen an ein solches Archiv mit einem konstanten Feuchtigkeitsgehalt und kontinuierlicher Temperatur zu erfüllen.

Auf eine Archivierung warten noch die Schätze aus dem Schloss Krickenbeck. Foto: Rheinischer Spiegel

„Archive erschließen die Vergangenheit für die Zukunft“, führte Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen aus. „Hier wird das Vermächtnis des Kreises Viersen, von den Städten und Gemeinden gewahrt. Dies halte ich persönlich und gerade in diesen aufwühlenden Zeiten für äußerst wichtig, damit nichts verloren geht. Denn wer Gegenwart gestalten will, muss Geschichte verstanden haben. Nicht als ein abgeschlossenes Kapitel, sondern als enormer Wissenschaftsschatz für alle Zeiten.“

In staubigen Kellern muss hier niemand mehr stöbern, so wurde für die Besucher ein lichtdurchfluteter Lesesaal geschaffen, am Rande eines viergeschossigen, fensterlosen Magazinkubus, der in seiner Art an einen niederrheinischen Wehrturm erinnert. Die Feldbrandsteine wurden beim Rückbau einer alten Baumwoll- und Zellspinnerei in Mönchengladbach gewonnen. Sie schützen die Innenwände aus Lehm- und Trockenbau sowie viel Holz, die von dem Gussasphaltboden aus Recyclingmaterial getragen werden.

In staubigen Kellern muss hier niemand mehr stöbern. Foto: Rheinischer Spiegel

„Bei unserer Arbeit ist es uns wichtig für die Menschen, die in den von uns gestalteten Gebäuden leben, eine positive, gesunde und beglückende Umgebung zu schaffen. Gleichzeitig möchten wir dazu beitragen auch den Bürgern der Stadt einen Zugewinn an Lebensqualität zu bieten“, so der Krefelder Architekt Dipl.-Ing. Bernd Volkenannt.

„Um im besten Sinne des Wortes nachhaltig zu sein, muss zeitgemäße Architektur flexibel an die Erfordernisse der Nutzer anpassbar, wertig, langlebig und schön sein. Bauwerke sollten nie einen negativen Einfluss auf Menschen und Umwelt haben, sondern am Ende ihrer Nutzungszeit Lieferanten gesunder Rohstoffe für neue Gebäude oder Produkte sein.“ Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sind alle verwendeten Materialen rückbaubar und wiederzuverwenden. Ein komplett nachhaltiger und klimafreundlicher Bau, mit dem der Kreis Viersen wahrlich neue Wege beschreitet. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel

 

3 Kommentare

  1. Laut Meldungen anderer Zeitungen und viersen.de ist der Tag der offenen Türe am 13.08.22 – also just zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels.

    1. Fast, der Bericht ist bereits gestern, am 12.8., erschienen. Einen Hinweis auf den Tag der offenen Tüte gab es schon vor einigen Tagen. Das eine ist die offizielle Eröffnung, das andere der Besuchertag.

  2. Darf ich auch mal pingelig sein?😉

    Zitat:
    „Einen Hinweis auf den Tag der offenen Tüte“
    Zitat Ende.

    Nein, diesbezgl. Hinweise gab es nicht, aber dafür Hinweise zum Tag der offenen Tür.

    Nehmt’s mit Humor 😉🤣😂🤣😂🤣

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