Niederrhein: Wer eine Lehrstelle sucht, kann noch fündig werden

Der 1. August gilt traditionell als Start des Ausbildungsjahres. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Covid-19 hat dazu geführt, dass Ausbildungsmessen ausgefallen sind und Vorstellungsgespräche verschoben wurden. Die Folge: Der Ausbildungsmarkt ist in seiner Entwicklung mehrere Wochen hinterher.

Niederrhein – Für dieses Jahr geht IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz davon aus, dass deutlich mehr Ausbildungsverhältnisse erst später beginnen werden: „Der Ausbildungsstart 1. August ist nicht in Stein gemeißelt. Unternehmen werden auch bis in den Winter hinein noch Azubis einstellen.“

Markus Daub, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Krefeld, die auch für den Kreis Viersen zuständig ist, erläutert: „Gerade jetzt ist es wichtig, in Ausbildung zu investieren. Dazu sind viele Unternehmen auch in der Corona-Pandemie bereit. Für junge Menschen gibt es aktuell noch vielfältige Chancen auf eine Ausbildungsstelle. Die Agenturen für Arbeit sind auch in der aktuellen Situation mit ihren Beratungs- und Unterstützungsangeboten zuverlässige Partner für Unternehmen und Jugendliche. Es ist wichtig, dass möglichst alle jungen Menschen ein passendes Angebot erhalten und einen guten Einstieg ins Berufsleben finden, wenn wir auf den Fachkräftebedarf und den demografischen Wandel blicken. Gemeinsam mit unseren Partnern am Ausbildungsmarkt bündeln wir nun alle Kräfte, um im Rahmen des Ausbildungskonsenses den Jugendlichen noch Chancen zu ermöglichen. Ausbildung jetzt!“

In der Region der IHK Mittlerer Niederrhein (Krefeld, Mönchengladbach sowie die Kreise Neuss und Viersen) ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 1. September im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent zurückgegangen, von 4.078 auf 3.466. Der NRW-Schnitt liegt bei einem Minus von 16,8 Prozent. „Damit liegen wir im NRW-Vergleich somit aktuell auf Platz 5“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. In Krefeld ist die Zahl um 12,5 Prozent gesunken, von 1.025 auf 897, im Kreis Viersen um 13,7 Prozent, von 760 auf 656. „Wir hoffen noch auf einen gewissen Aufholeffekt zumindest in den Branchen, in denen es konjunkturell wieder anzieht“, so Steinmetz. So seien zum Beispiel in der IHK-Lehrstellenbörse aktuell (Stand 1. September) 159 freie Ausbildungsstellen für 2020 in der Region aufgeführt. Der IHK-Hauptgeschäftsführer rät den Jugendlichen, sich auch jetzt und in den nächsten Wochen noch auf Ausbildungsstellen zu bewerben und appelliert an die Unternehmen, weiterhin Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. „Unabhängig von Krisenzeiten wie diesen ist die duale Ausbildung immer ein wichtiger Hebel gegen Fachkräfteknappheit“, so Steinmetz. „Und für die Schulabgänger bietet die duale Ausbildung nach wie vor gute Beschäftigungschancen und Karriereaussichten.“

Auch das Handwerk sucht noch dringend Auszubildende, bestätigt Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Obwohl das Ausbildungsjahr 2020 bereits angelaufen ist, seien noch viele Ausbildungsplätze im Handwerk zu besetzen. „Durch den Corona bedingten Lockdown im März dieses Jahres sind viele Veranstaltungen und Initiativen zur Nachwuchswerbung und Berufsorientierung ausgefallen. Hinzu kam die große Unsicherheit bei Schülern und deren Eltern, ob eine Ausbildung überhaupt möglich ist. Und bei vielen Betrieben kam die Unsicherheit auf, ob man überhaupt eine Ausbildung in unsicheren Zeiten stemmen kann.“

Fest steht, dass die Zahl der neuen Ausbildungsverträge derzeit noch deutlich hinter den Zahlen des Vorjahres liegt. Koralewski: „Noch ist es nicht zu spät. Jeder, der eine Ausbildung im Handwerk sucht, hat immer noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Die Betriebe stellen nach wie vor ein und freuen sich über jede weitere Bewerbung. Eine Deadline für die Einstellung gibt es nämlich nicht.“

Jürgen Steinmetz betont, dass die IHK Mittlerer Niederrhein – auch gemeinsam mit Partnern – durch vielfältige Aktionen dazu beiträgt, Bewerber und Unternehmen zusammenzubringen und Jugendliche für die duale Ausbildung zu begeistern. Bei der CHECK IN Berufswelt zum Beispiel können sich Jugendliche vor Ort in den Betrieben ein Bild von den jeweiligen Berufsbildern machen. Darüber hinaus organisiert die IHK Azubi-Speed-Datings, bei denen die Jugendlichen zehn Minuten Zeit haben, um den Ausbildungsbetrieb ihrer Wahl von sich zu überzeugen. Die Berater für „Passgenaue Besetzung“ bringen Unternehmen und Jugendliche zusammen. Der Service wird vom Europäischen Sozialfonds und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Bei der Initiative „Ausbildungsbotschafter“ berichten eigens von der IHK geschulte Azubis und duale Studenten in allgemeinbildenden Schulen über ihren Beruf. Außerdem unterstützen die Experten der IHK-Fachkräfteberatung Unternehmen dabei, Jugendliche zu gewinnen. Fragen rund um das Thema Ausbildung beantworten die IHK-Ausbildungsberater.