Nur wenige Möglichkeiten zur Eindämmung der Nitratbelastung des Grundwassers

Heftige Diskussionen dominierten die Sitzung des Ausschusses für Planung, Bauen und Umwelt des Kreises Viersen direkt beim zweiten Tageordnungspunkt, zu welchem eine aktuelle Studie zur Nitratbelastung des Grundwassers im Kreis Viersen vorgestellt wurde.

Foto: Myriams-Fotos

Kreis Viersen – Zuerst die gute Nachricht, denn das im Kreisgebiet Viersen aus Grundwasser gewonnene Trinkwasser weist zurzeit keine Belastung mit Nitrat aus. Zurzeit, denn im Kreisgebiet Viersen ist das Grundwasser im obersten (ersten) Grundwasserstockwerk bereichsweise hoch mit Nitrat belastet und diese Werte werden sich langfristig in tiefere Erdschichten absetzen. Ein Ergebnis, mit dem niemand zufrieden sein kann, denn es sind flächendeckende und zum Teil deutliche Überschreitungen des Zielwertes der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) von 50 mg/l Nitrat vorhanden, die eine Erreichung eines guten chemischen Zustands für Grundwasserkörper als übergeordnetes Ziel der WRRL bis spätestens 2027 als kaum möglich erscheinen lassen. Dies ist zum größten Teil Folge der Gülleaufbringung auf landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Im Zusammenspiel mit den Themenfeldern „Massentierhaltung“, „Gülleproduktion“, „Überdüngung“ hat sich inzwischen ein gesellschaftspolitischer Diskurs zur „Nitratbelastung im Grundwasser“ auf allen fachlichen und auch politischen Ebenen entwickelt. Die Kreisverwaltung hat daher auf Initiative des Landrates Andreas Coenen (CDU) bereits Ende 2016 entschieden, zur Information der Kreispolitik und auch der Öffentlichkeit mit Blick auf die konkrete Situation im Kreisgebiet alle fachlichen Informationen zu der Thematik in einer Studie zusammen tragen zu lassen. Mit einem ernüchternden Ergebnis, denn der Kreis hat nur wenige Möglichkeiten zur Eindämmung der Nitratbelastung des Grundwassers und verweist auf die Landesregierung, die die gesetzlichen Grundlagen schaffen soll.

„Eine Möglichkeit besteht in der Bauplanung von Schweinemastanlagen. Je mehr Anlagen gebaut werden, umso größer ist der Anfall von Gülle, die entsorgt werden muss. Bei der Genehmigung der Schweinemastanlage Dülken Nette wurde nicht nach dem Verbleib der Gülle gefragt“, so die Bürgerinitiative Viersen-Hamm e. V., die sich bereits häufiger zu den Nitratbelastungen im Kreis Viersen zu Wort gemeldet hat. „Ein viel größeres Problem stellt der Import von Gülle aus den Niederlanden dar. Dort ist die Ausbringung von Gülle streng reglementiert und die Überschüsse müssen deshalb entsorgt werden. Derzeit werden 1,46 Mio Tonnen Gülle von den Niederlanden nach NRW transportiert. 238.363 Tonnen gehen davon in den Kreis Viersen. Die Menge illegaler Gülleeinfuhren ist nicht bekannt, wird aber nicht unbedeutend sein.
Es gibt auch keine klare Bedarfsermittlung der für die Landwirtschaft im Kreis Viersen erforderlichen Menge an Gülle. Diese Menge könnte der im Kreis produzierten Menge an Gülle gegenüber gestellt werden. Je nach Ergebnis könnte dann eine begrenzte Menge an Gülle für den Import freigegeben werden oder jeglicher Import gestoppt werden.
Solange diese Zahlen nicht bekannt sind, sind alle weiteren in der sehr ausführlich angelegten Studie nicht zielführend. Allein die Übertragung von Kontrollvollmachten an die Kreisverwaltung bringt nur wenig.“ (Vorlage Kreis Viersen/cs)