Online-Unterricht: Kreismusikschule Viersen schlägt neue Wege ein

Das Musikschulzentrum der Kreismusikschule Viersen am Hermann-Hülser-Platz ist verwaist. Nur das Sekretariat und die Schulleitung arbeiten nach wie vor in ihren Büros. „Mit Schließung der Schulen und der öffentlichen Einrichtungen haben wir 60 Lehrerinnen und Lehrer ins Homeoffice geschickt“, sagt Landrat Dr. Andreas Coenen.

Kreis Viersen – „Die Musik bietet den Kindern einen Ausgleich, der besonders in dieser Zeit wichtig ist. Da sind kreative Wege gefragt“, so Coenen. Und diesen kreativen Weg schlägt die Kreismusikschule ein.
Was tun, wenn Kinder und Jugendliche nicht zum Unterricht kommen dürfen? Das Team der Kreismusikschule rund um Schulleiter Ralf Holtschneider nimmt die neue Herausforderung an und handelt mit Improvisationsvermögen. Statt des regulären Einzel- und Gruppenunterrichts im „Klassenzimmer“ und dem Unterricht in der Grundstufe gibt es Online-Angebote.

„Damit regieren wir auf die Fragen der Eltern, was wir an musikalischer Bildung anbieten können“, sagt Holtschneider und ergänzt: „Es ist eine ganze Menge, denn auch in Zeiten der sozialen Isolation ermöglichen wir ein pädagogisches Angebot, das von Videos, Audios, Tutorials, digitalen Unterrichtsmaterialien bis hin zum Online-Unterricht und neuen Angeboten auf der Homepage der Kreismusikschule reicht“. Digitale Unterrichtsmaterialien werden gesammelt, ausgetauscht und weitergeleitet. Vieles davon ist schon auf der Homepage www.kreismusikschule-viersen.de für die Schüler abrufbar, zum Anschauen und Herunterladen. „Jeden Tag bekomme ich neue Links, selbst aufgenommene Videos und Audios von den Lehrkräften für unser Online-Angebot geschickt“, sagt Florian Fleischmann, stellvertretender Schulleiter. Das ganze Team ist im Einsatz und hat immer wieder neue Ideen.

Neben den Angeboten auf der Homepage haben die Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, am Unterricht per Video teilzunehmen. Wer mag, kann seine Ton- und Bildaufnahmen den Lehrkräften zuschicken. „Auch wenn der Online-Unterricht den regulären Unterricht nicht ersetzen kann, ist er doch ein sehr gutes Angebot, das von sehr vielen Schülerinnen und Schülern gerne angenommen wird“, sagt Jürgen Löscher, Klarinetten- und Saxophonlehrer.
„Der Unterricht bekommt eine neue Dimension“, sagt Klavierlehrerin Kamilla Küppers-Smagulova. „Je nachdem, wo der Schüler sein Handy oder Laptop aufstellt, habe ich einen ganz anderen Blick auf die Fingerstellung beim Klavierspielen“.

Bei manchen Instrumenten gestaltet sich der Videounterricht komplizierter als beim Klavierunterricht. „So ist das Stimmen eines Cellos oder der Harfe besonders bei jungen Schülerinnen und Schülern deutlich komplizierter und zeitintensiver, da viele ihr Instrument noch nicht so gut stimmen können“, weiß Holtschneider. Auf der Homepage bietet die Kreismusikschule Hilfen hierzu an. Für Zupfinstrumente gibt es ein Tutorial „Gitarre stimmen mit dem Handy.“

Gitarrenlehrer Georg Cremer erklärt in einem Video „Tirando, freier Anschlag – Grundlagen der Bewegung“. Gesangslehrerin Stefanie Kunschke erstellte einige Mitsingaudios, unter anderem „Freude schöner Götterfunken“. Mareike Löffler tauscht sich intensiv mit den Eltern ihrer Früherziehungsgruppen aus und gibt wertvolle Hinweise, wie Eltern mit ihren Kindern Musikinstrumente basteln oder mit Alltagsgegenständen kleine einfache Rhythmicals gestalten können.