Plastikfrei und nachhaltig – Der neue Unverpackt-Laden in Süchteln hat viel zu bieten

Mittlerweile reihen sich die großen Glaszylinder bereits eng aneinander, gerade erst hat ein Tischlermeister Hand angelegt. Bald werden sie gefüllt und bieten neben einer besonderen Vielfalt ein Verkaufserlebnis, welches eigentlich schon uralt ist, allerdings mittlerweile wieder stärker in den Blick genommen wird.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman und Rita Stertz

Viersen-Süchteln – Im Schatten der ehrwürdigen Süchtelner Kirche St. Clemens und mit Blick auf den Lindenplatz wird momentan mit viel Liebe das neue Angebot „Handvoll Unverpackt“ gestaltet. Was Inhaberin Candan Yolac plant ist für Süchteln ein echter Gewinn, punktet sie doch direkt in vielen verschiedenen Bereichen. Nachdem im vergangenen Herbst die Apotheke am Lindenplatz schloss stand die gut 150 Quadratmeter große Ladenfläche leer. Als das Schild im Schaufenster aufgehangen wurde, war Candan Yolac gerade mit dem Kinderwagen unterwegs und verband die hervorragende Lage mit einer längst in ihr ausgereiften Geschäftsidee. Vor vier Monaten begannen dann die Renovierungsarbeiten.

Unverpackt wird in ihrem Geschäft groß geschrieben und so fallen direkt beim Eintreten die hohen Glaszylinder auf, die der Süchtelner Tischlermeister Jonas Stappen kunstvoll in Holz gefasst hat. Bald werden die sogenannten „Bins“ gefüllt und bieten ab dann eine bunte Vielfalt unterschiedlichster Produkte – beginnend bei Kaffee, Mehl oder Hülsenfrüchten bis hin zu Wasch- oder Spülmittel. Jedes Angebot kann dann „mal eben“ abgezapft werden – nachhaltig, fair und vor allen Dingen plastikfrei. Kunden können ihre eigenen Behälter allerdings nicht nur für das Schüttgut mitbringen, denn ebenfalls Käse oder Butter werden erhältlich sein und ergänzt durch nachhaltige Hygieneartikel oder Spielzeug. Abgerundet wird das Angebot, je nach Saison, von regionalen, frischen Produkten.

„Zwischenmenschlichkeit, Vielfalt, Respekt & Toleranz werden bei uns nicht nur groß geschrieben, sondern auch gelebt“, so Candan Yolac. „Diese gesellschaftliche Einbindung ist es, die Süchteln ausmacht und bereichert.“ Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Neben der umfangreichen Produktpalette integriert die 31-jährige Inhaberin auf gut einem Drittel der Fläche ein Café mit Bio-Backwaren der Bäckerei Café Ö aus Mönchengladbach sowie Kaffee aus der Siebträgermaschine und ermöglicht zur Eröffnung gemeinsam mit dem Kindertraum Nettetal e. V. mehrere Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap. „Zwischenmenschlichkeit, Vielfalt, Respekt & Toleranz werden bei uns nicht nur groß geschrieben, sondern auch gelebt“, so Candan Yolac. „Diese gesellschaftliche Einbindung ist es, die Süchteln ausmacht und bereichert.“
Candan Yolac lässt verschiedene Konzepte miteinander verschmelzen, die gesellschaftlich immer mehr in den Blick geraten. Integration, Umwelt- und Klimaschutz – nur einige Stichpunkte, welche die Käufer begeistern werden. Unverpackt-Läden sind im Kommen und greifen dabei eigentlich auf die Vergangenheit zurück, schließlich erinnern sich Großeltern heute noch gerne an das besondere Einkaufserlebnis ihrer Kindheit. Damals war ein Einkauf ohne Plastik normal, während heute selbst Äpfel und Bananen nochmals eingeschweißt erhältlich sind.

Im Kreis Viersen selbst beschreitet sie damit zwar keinen neuen Weg, denn einen weiteren Laden gibt es bereits, für die Gesamtstadt Viersen allerdings liegt Candan Yolac mit ihrem „Handvoll Unverpackt“ weit vorne und so warten bereits jetzt die ersten Kunden ungeduldig auf die Eröffnung. Yolac selbst ist Süchtelnerin, hatte zuvor sieben Jahre in der Großstadt Köln gelebt und hier immer wieder erleben müssen, wie viel Plastikmüll an jeder Straßenecke hinterlassen wird. In der Domstadt hatte sie dann auch ihre ersten Berührungspunkte mit dem Konzept der Unverpackt-Läden, dass sie seitdem irgendwie begleitet hat. Sicherlich könne man nicht komplett plastikfrei leben, doch jeder Mosaikstein trägt dazu bei unseren Planeten zu schonen und zu erhalten.

Bald werden die sogenannten „Bins“ gefüllt und bieten ab dann eine bunte Vielfalt unterschiedlichster Produkte – beginnend bei Kaffee, Mehl oder Hülsenfrüchten bis hin zu Wasch- oder Spülmittel. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Hierbei folgt die eigentlich gelernte OP-Schwester mit ihrem Mann Migel, der sie bei ihrer Gründung tatkräftig unterstützt, auch für ihren gemeinsamen Sohn Leon, der vor einem halben Jahr geboren wurde, der Zero-Waste-Philosophie. Diese verfolgt das Ziel ein nachhaltiges Leben zu führen, bei dem möglichst wenig Abfall produziert und Rohstoffe nicht vergeudet werden.

Damit zudem die Lieferwege möglichst kurz gehalten werden können, setzt die Süchtelnerin auf regionale Produkte, wie beispielsweise den Bombenkaffee, der bisher auf dem Süchtelner Wochenmarkt probiert werden konnte. Candan Yolac hat als Eröffnungstermin den 21 August 2021 fest eingeplant und freut sich über zahlreiche Besucher. Auf ihrer Facebookseite informiert sie über die jeweils aktuellen Neuigkeiten. (ea)

 

2 Kommentare

  1. Hervorragend. Sehr gut durchdacht, mit Weitblick und Verantwortungsbewusstsein umgesetzt. Für dieses Projekt wünsche ich viel Erfolg.

    Der Wermutstropfen:

    Wieder einmal zeigt sich, dass Umweltbewusstsein und Mut zur Umsetzung vom „kleinen Mann/Frau“ ausgeht.
    Die großen Unternehmen krallen sich lieber am Geld fest, statt umzudenken und in entsprechende Projekte zu investieren.

    Im Gegenteil, man kauft sich lieber durch CO2- Abgaben bzw. Kauf von Imissionserlaubnisscheinen frei von aller Verantwortung und kann reinen Gewissens die Umwelt weiter belasten.

    Die Kosten hierfür legen sie dann auf den Kunden um. Siehe Energiepreise, Spritpreise etc.
    Die Politik unterstützt das fleißig, weil so die Spendenklientel bei Laune gehalten werden kann und nebenbei die Kasse gefüllt wird.

  2. Wunderbare Idee, sehr respektvolle Lebensweise – ein Ort, der einlädt.
    Café Ö – lässt bei mir Heimatgefühle aufkommen. Ich habe schon als Kind dort eingekauft bei den Eltern. Ich freue mich.
    Und ich wünsche, dass es ein Erfolg wird … und wir alle dazu beitragen (dürfen).

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