Politischer Dialog auf der Großen Bruchstraße – „Wir Bürger gestalten die Stadt“

Zu einem Gespräch mit den Bürgermeisterkandidaten in Viersen hatten alteingesessene Geschäftsinhaber der Großen Bruchstraße am Sonntag eingeladen. Vier der sechs Kandidaten waren der Einladung gefolgt. Die Situation um eine bereits lang andauernde und noch viele Jahre bestehende Baustelle sowie die daraus entstandenen Gegebenheiten standen im Mittelpunkt des gemeinsamen, positiven Dialogs.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Auf dem Taschenplätzchen an der Großen Bruchstraße standen am Sonntagmittag Stühle und Couch bereit, welche auf die „Uraufführung“ eines gemeinsamen Dialogs warteten. Alteingesessene Geschäftsinhaber der Großen Bruchstraße hatten sich an die Bürgermeisterkandidaten der Stadt gewandt, um die aktuelle Situation und das langsame Sterben der Straße vor Ort zu betrachten.

Der Einladung waren Christoph Hopp (CDU), Martina Maaßen (Die Grünen), Dr. Frank a Campo (FDP) sowie Simon Männersdörfer (Die Linke) gefolgt. Die SPD habe sich, auch nach einer telefonischen Kontaktaufnahme, nicht mehr bei einem der beiden Sprecher gemeldet. Für die Teilnehmenden bedauerlich, die zwar in der SPD-Führung der vergangenen Jahre ein nicht geringes Zutun der aktuellen Situation sehen, sich jedoch zudem ein Bild machen wollten, wem denn im Corona-bedingten ruhigen Wahlkampf die Stimmen zukommen werden.

Zu einem Gespräch mit den Bürgermeisterkandidaten in Viersen hatten alteingesessene Geschäftsinhaber der Großen Bruchstraße am Sonntag eingeladen. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Bernd Knappmeier, der vor einigen Jahren den Traditionsbetrieb seines Vaters übernommen hatte, kam direkt auf den Punkt, als er daran erinnerte, wie belebt und beliebt die Große Bruchstraße in der Vergangenheit war. Durch den Umgehungsring habe sich die Straße gewollt beruhigt, doch habe man festgestellt, dass Probleme wachsen denen man gemeinsam mit der Politik vielleicht entgegenarbeiten könne. „Dazu braucht es aber Ideen, dazu braucht es Engagement von beiden Seiten“, so Knappmeier.

Vom Grundverständnis her sei man sich einig, der Tiefensammler kommt, „aber es ist schon ziemlich an der Wirtschaft vorbei gearbeitet worden“, so Knappmeier. Man habe das Gefühl, dass die Planung die Große Bruchstraße nicht im Blick hätte. Bereits die vorangegangene Baustelle aufgrund von Arbeiten der NEW war ohne Rücksicht auf die Geschäfte erfolgt, über den Zeitraum der Baustelle Tiefensammler wurden die Geschäftsinhaber erst informiert, nachdem Planung zur Schließung der Kreuzung abgeschlossen war.

„Und dann müssen wir genau da an diese Stellschrauben ran“, ergänzte Hopp, „damit wir diesen Bestandteil Viersener Lebens nicht nur erhalten, sondern auch zukunftsfähig gestalten können.“ Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Nun verzögere sich der Tiefensammler bereits um einige Monate und danach gibt es Planungen der Stadt zur Erneuerung der Großen Bruchstraße – eine weitere Baustelle für zwei Jahre. Dass nach dann rund fünf Jahren schwerer Erreichbarkeit selbst traditionelle Geschäfte, die in guten Jahren angespart haben, über eine Schließung oder einen Weggang nachdenken, darüber gab es am Sonntag keine auseinanderdriftende Meinung zwischen Wirtschaft und Politik. „Wir denken nicht, dass noch mehr Geld ausgeben werden muss, aber wir denken, dass die bestehenden Mittel überlegter angebracht werden sollten, denn es wäre schade, wenn die Große Bruchstraße ganz sterben würde“, ergänzte Bernd Knappmeier.

Vom Grundverständnis her sei man sich einig, der Tiefensammler kommt, „aber es ist schon ziemlich an der Wirtschaft vorbei gearbeitet worden“, so Knappmeier. Man habe das Gefühl, dass die Planung die Große Bruchstraße nicht im Blick hätte. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Hinzu käme die aktuelle Parkplatzsituation, mit der die Stadt Viersen den Geschäftsinhabern entgegenkommen wollte, denn bereits seit Wochen gibt es hier keine Parkkontrolle. Dies jedoch führe dazu, dass die Parkplätze durchweg belegt seien, die Große Bruchstraße zum Parkplatz der Südstadt wurde und Kunden keinen Parkplatz in der Nähe finden könnten. Der Gefallen habe sich ins Gegenteilige gedreht. So sei diese Entscheidung sicherlich nicht böswillig, dennoch habe niemand mit der Wirtschaft vorab gesprochen um die jetzt entstandene neue Problematik auch wahrzunehmen. Ähnlich verhielte es sich mit der Straßenreinigung, die nicht mehr erfolgen könnte.

Wichtig sei den Geschäftsinhabern zudem die Verrohung des Umfeldes, mit den angrenzenden Brennpunktbereichen des Friedhofes und Stadtgartens oder der Großen Bruchstraße als gern genutzte Rennstrecke trotz der zur Beruhigung angelegten Straßeninsel.

Wichtig sei den Geschäftsinhabern zudem die Verrohung des Umfeldes, mit den angrenzenden Brennpunktbereichen des Friedhofes und Stadtgartens oder der Großen Bruchstraße als gern genutzte Rennstrecke trotz der zur Beruhigung angelegten Straßeninsel. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Christoph Hopp (CDU) begrüßte die Möglichkeit eines solchen Gespräches, zwar habe er bereits im Vorfeld Gespräche in der Südstädt und dem Betreiber des mexikanischen Restaurants, Jiannis Panagou, geführt, doch so ergäbe sich die Möglichkeit gemeinsam auch Ideen für Lösungen zu finden. Denn von dem neu gestalteten Gereonsplatz habe die Große Bruchstraße nicht profitieren können, weshalb ein gesunder Mix aus Gastronomie, Wohnwert und Einzelhandel geschaffen werden müsse. „Und dann müssen wir genau da an diese Stellschrauben ran“, ergänzte Hopp, „damit wir diesen Bestandteil Viersener Lebens nicht nur erhalten, sondern auch zukunftsfähig gestalten können.“

„Ich würde mir wünschen, dass der Dialog mit dem Südstadtbüro wieder aufgenommen werden kann“, berichtete Martin Maaßen (Die Grünen), die in diesem Zusammenhang die Arbeit des Vereins BRÜCKENBAU e. V. erklärte. Die Dipl. Sozialpädagogin ist Vorsitzende des 2013 gegründeten Vereins, der sich dafür einsetzt arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen, mit und ohne Behinderung, in das Berufs- und Gesellschaftsleben einzugliedern. Generell hätte man in Viersen aber zu viel Einzelhandelsfläche, auch dies wäre ein Thema, welches in die Gespräche einfließen müsste.

„Ich würde mir wünschen, dass der Dialog mit dem Südstadtbüro wieder aufgenommen werden kann“, berichtete Martin Maaßen (Die Grünen), die in diesem Zusammenhang die Arbeit des Vereins BRÜCKENBAU e. V. erklärte. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

So ganz neu sei es nicht, dass die Stadt Viersen die Parkraumbewirtschaftung bereits „einfach aufgegeben“ habe, erklärte Dr. Frank a Campo (FDP). Dies habe erst kürzlich auch eine Anfrage seiner Partei ergeben. Er stimmte zu, dass nach der aktuellen Baustelle mit den Planungen einer weiteren Baustelle eine untragbare Situation entstehen würde. „Ich werde konkret einen Antrag bei der Stadt formulieren, dass für die Straße ein eigenes Wege- und Verkehrskonzept während dieser unendlichen Baustellenzeit gemacht wird“, so A Campo. Zwar würde dies nur ein kleines Stück helfen, doch wenn dann zudem der Parkraum wieder kontrolliert werden würde, wären die Geschäfte für motorisierte Kunden wieder attraktiver.
Simon Männersdörfer (Die Linke), wies auf die Möglichkeit hin den ÖPNV positiv zu beeinflussen um Leben in die Südstadt zu bringen. Mit der NEW als wirtschaftlich freies Unternehmen sei dies nur schwierig durchführbar, der Gedanke wäre aber die Stadtwerke als eigene kommunale Einrichtung wieder einzubringen.

Es sei bekannt, dass Viersen eine unzureichende und schlechte Wirtschaftspolitik betreibe, die sich „flächendeckend durchziehen würde“. Dies betreffe nicht nur bekannte Unternehmen, wie Bad Reuter, die der Stadt den Rücken gekehrt haben, auch kleinere Geschäfte, wie ein Teeladen hätten mit dieser Situation zu kämpfen, erklärte der FDP-Kandidat. Er selbst hatte das Gespräch mit dem Teeladen geführt, welcher berichtete vor Gummiwände zu laufen und dann den Umzug nach Essen vorgenommen hatte. „Da ist auf jeden Fall zu wenig geschehen“, ergänzte A Campo. „Ich kann das nur unterstreichen“, bestätigte ihn Christoph Hopp. „Da sind große Mängel sowohl bei der Anwerbung von Unternehmen als auch bei der Bestandpflege.“

So ganz neu sei es nicht, dass die Stadt Viersen die Parkraumbewirtschaftung bereits „einfach aufgegeben“ habe, erklärte Dr. Frank a Campo (FDP). Dies habe erst kürzlich auch eine Anfrage seiner Partei ergeben. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Eingebracht in die Überlegungen während dieses Zusammentreffens wurde ebenfalls die Möglichkeit an der aktuellen Tiefensammlerbaustelle zumindest eine Straßenseite als Einbahnstraße direkt von der Freiheitsstraße wieder zu öffnen. Damit würde die Umleitung wegfallen, die ortsunkundigen Besuchern die Anfahrt enorm erschwert. Zu den Impulsen mischten sich jedoch auch bereits seit langem bekannte, bereits bei der Stadt angesprochene, allerdings nicht behobene Probleme. Als Beispiel die nicht mögliche Anlieferung großer LKWs von der Königsallee aus an die Rückseite der Geschäfte, einfach weil ein Schild die Anfahrt nicht möglich macht oder das Außenvorlassen der Großen Bruchstraße bei Durchführungen stadteigener Veranstaltungen, welche die Innenstadt stärken sollen.

Impulse, die die Kandidaten auch als Vertreter ihrer jeweiligen Partei mitnahmen. Aus dem fast zwei Stunden dauernden Gespräch ergab sich der positive und gemeinschaftliche Konsens, dass ein solcher Dialog wiederholt werden sollte, wodurch das Miteinander zwischen Bürgen, Wirtschaft und Politik ein wichtiges Fundament erhält. (cs)