Politisches Abendgebet: Bedrohte Arten – Bäume und Engel

Die Mönchengladbacher Citykirche wurde am Donnerstagabend zum Ort einer besonderen Begegnung und vielleicht sogar dem Beginn einer Bewegung. Den Anstoß des politischen Abendgebetes gab ein markantes Wutbild des bekannten Viersener Künstlers Horst Meister.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Mönchengladbach/Viersen – Während außerhalb der Kirche die Dunkelheit einsetzte, fanden immer mehr Zuhörer den Weg in die Mönchengladbacher Citykirche. Bald war der Platz ausgereizt, weitere Stühle ergänzten den Kreis. Aufrüttelnd, schwer, erschütternd, aber voller Wahrheit waren die Beiträge rund um das Bild „Bedrohte Arten – Bäume und Engel“ des bekannten Viersener Künstlers Horst Meister – entstanden aus der Wut über die verlorenen Bäume vor der Citykirche und über die bedrohten Engel. Pfarrer Christoph Simonsen eröffnete das politische Abendgebet mit einem Gedenken und mahnenden Worten an die furchtbaren Ereignisse dieser Woche: „Ich wünsche uns, dass unsere Herzen nicht erhärten und wir unsere Seelen nicht verkaufen, nur weil andere Hass sähen.“ Das schwere Atmen der Besucher war zu hören, die Trauer und Ohnmacht zu spüren.

Ein Gefühl, welches auch die Worte von Horst Meister vertieften. „Wir müssen nicht bis zum brasilianischen Tropenwald reisen, es reicht schon hier vor Ort zu erleben, wie verantwortungslos Menschen mit der Schöpfung umgehen“, so Meister. „Überall zeigt sich die gleiche Unfähigkeit der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die nicht mehr zu leugnenden Folgen des Klimawandels endlich zu akzeptieren und zu handeln. Stattdessen werden ungeniert auch hier in Mönchengladbach weiterhin unzählige Stadtbäume Jahr für Jahr abgeholzt. Das ist wie ein Selbstmord auf Raten.“
Er erinnerte an die Bäume als Ur-Lebewesen dieser Erde, wies auf den Baum als bedrohte Art hin. Als Wut-Bild wies er auf das Gemälde hin, welches im fahlen Licht vor dem Altar stand.
„Wut über die Abholzung von Bäumen auf dem Vorplatz der Citykirche zugunsten, wie es heißt, einer ‚Sichtachse‘ auf die Kirche und das trotz zahlreicher Bürgerproteste“, berichtete der Künstler. „Wut über die Unfähigkeit der Verantwortlichen der Stadt, die Zeichen der Zeit endlich zu begreifen. Unberührt davon plant man in der Mönchengladbacher Stadtverwaltung, wie schon seit Jahren, weitere Baumfällungen. Und das nicht nur wegen irgendwelchen Gefahren, sondern aus ‚rein gestalterischen Gründen‘ – wie es heißt.“

Foto: cs/Rheinischer Spiegel

Und dann erneut Stille, die durchbrochen wurde durch das kraftvolle Spiel des Pianisten Sascha Schwarzbart. Der Horror-Twist war ebenso passend wie die folgenden Stücke Erdsicht und Wasserträume. Während es schien als ob die Kälte der Welt einzudringen versuchte, wärmte die Musik die Seelen und umrahmten die weiteren Beiträge der Schauspielerin und Diseuse Almut Grytzmann-Meister, die mit den durchdringenden Worten von Johann Wolfgang Goethe dem politischen Abendgebet einen weiteren Impuls gab, ebenso wie Georg Stadeler, Vorsitzender der Amnesty-international-Gruppe Mönchengladbach.
Sein ‚Gebet für unsere Erde‘ von Papst Franziskus aus der Enzyklika ‚Laudato si‘ und eine Einladung zu dem Genuss fair gehandelter Speisen läuteten den Abschluss des bewegenden Abends ein, der Information, Meditation und Aktion umfasste. Ein Abend, der vielleicht sogar der Beginn einer kleinen Bewegung war, der Beginn einer Reihe von politischen Abendgebeten zu aktuellen Themen und den ersten Überlegungen, wie man gemeinsam aktiv werden könnte mit Beiträgen, die zum Nachdenken anregten – Worten, die noch am nächsten Tag nachklangen und sich mahnend einbrannten in die Erinnerung. (cs)

Foto: cs/Rheinischer Spiegel

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