Rot-weiße Mützen für graue Poller – Aktion zum Sehbehindertentag

Wer am Samstag durch die Viersener Stadtteile flaniert, wundert sich vielleicht über den neuen Look so manches grauen Pollers in den Fußgängerzonen oder hinter dem Viersener Bahnhof. Die Pfosten tragen rot-weiß gestreifte Häkelmützen.

Viersen – Der Blinden- und Sehbehindertenverein für Mönchengladbach und Viersen e. V. führt anlässlich des Sehbehindertentages rund um den 6. Juni die sogenannte „Pollermützenaktion“ gemeinsam mit der Lebenshilfe Kreis Viersen e. V. durch.

„Graue Poller stellen gerade für sehbehinderte Menschen ein erhöhtes Unfallrisiko dar. Meist auf grau gepflasterten Gehwegen oder auf Asphalt verbaut, kann man die kontrastarmen Barrieren kaum erkennen. Aber auch für ältere oder abgelenkte Fußgänger oder für Autos, die in der Dämmerung einparken, können die grauen Absperrungen zum schmerzhaften Problem werden“, so Stefan Peters, Vorstandsmitglied im örtlichen Blindenverein. „Natürlich sieht es aus städteplanerischer Sicht nicht schick aus, wenn rot-weiß gestreifte Pfähle in Fußgängerzonen aufgestellt werden, wie sie oft an Eingängen zu Parkanlagen zu finden sind, jedoch würde es schon helfen, wenn im oberen Drittel des grauen Pfostens reflektierende und kontrastreiche Banderolen angebracht würden.“

André Sole-Bergers von der Lebenshilfe Kreis Viersen e. V. betreut das Projekt „Viersen für Alle“, welches sich unter anderem für den Abbau von Barrieren in der Kreisstadt einsetzt. Er unterstützt die Aktion. „Gemeinsam haben wir in den letzten Wochen viele fleißige Helfer angesprochen, die rot-weiße Mützen gestrickt und gehäkelt haben, welche am Samstag über so manchen grauen Pfosten gestreift werden“, sagt Sole-Bergers. Die Mützen sind mit Flyern versehen, sodass die Passanten sich über die Aktion informieren können. Wir hoffen, dass die liebevoll gestrickten Mützen länger hängen und nicht durch Vandalismus zerstört werden.“

Eine Großspende gab es vom Wollhersteller Schachenmayr über den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Außerdem spendete das Geschäft „Zwei Rechts Zwei Links“ aus Süchteln Wolle und Material.

„Wir wollen die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen bei der Stadt für das Thema Kontraste und Unfallvermeidung im Straßenverkehr sensibilisieren“, so Peters. „Der Dialog zwischen Stadtplanung und den Behindertenvertretern funktioniert schon gut. Regelmäßig werden wir bei Straßenbauprojekten angehört. Zuletzt bei den Planungen zur Umgestaltung der Fußgängerzonen in Dülken und Süchteln, wo es auch Blindenleitsysteme und abgesenkte Bordsteine für Rollstuhlfahrer geben wird. Dennoch gibt es Verbesserungspotential: So existiert in Viersen noch keine einzige Ampel – weder städtisch noch im Eigentum von Straßen NRW – die mit einem akustischen, sich dem Verkehrslärm anpassenden Signal ausgestattet ist. Zwar sind an vielen Stellen Ampeln verbaut, die bei der Grünphase am Taster vibrieren, was alleine jedoch nicht zum Auffinden und sicheren Queren des Ampelübergangs ausreicht.“

Der Sehbehindertentag findet jährlich am 6. Juni statt. Er wurde im Jahr 1998 durch den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) ins Leben gerufen, um auf die Belange der – laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) – rund eine Millionen sehbehinderten Menschen in Deutschland aufmerksam zu machen. In diesem Jahr in Form der Mützenaktion in mehr als 50 Städten. Nähere Infos unter: www.sehbehindertentag.de. (opm/paz)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein Kommentar

  1. Warum sehen bunte, hier rot – weiße, Poller nicht schön aus?
    Weil die Verantwortlichen nur schwarz – weiß denken.
    Farbe bekennen und auch mal an andere denken!
    Tolle Aktion!!!

Kommentare sind geschlossen.