Rudi I. und Fabienne I. regieren mit einem strahlenden Lächeln

En Viersche is nix los? Weit gefehlt! Denn nicht nur in dieser närrischen Session wird erschallen: „En Viersche es emmer jet los“. In der vollbesetzten Festhalle proklamierten die Viersener Karnevalisten ihr neues Prinzenpaar, welches den närrischen Virus tief im Herzen trägt und mit Frohsinn die Jecken mitriss.
Von Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Keine andere Veranstaltung war an diesem Abend ein Muss für das jecke Volk, schließlich wollten alle dabei sein, wenn bereits zum dritten Mal und damit in niederrheinischer Tradition ein Pesch den Narrenthron besteigt. Gewohnt hieß es allerdings noch gespannt auf das Prinzenpaar warten, denn die Eröffnung gebührte dem Festausschuss Viersen mit seinen Vereinen, die mit geballter Kraft einzogen. Ein beeindruckendes Bild formte sich auf der Bühne der ehrwürdigen Festhalle hinter dem Senatspräsidenten und Träger des Verdienstordens am Schulterband des Festausschusses Viersener Karneval, Frank Schiffers. Gekonnt im Reim hallten seine Begrüßungsworte durch die über 150 Jahre alte Halle, bevor dann die Mönchengladbacher Band „Dröpkes“ die Jecken erst einmal von ihren Stühlen holte. Nicht nur Brauchtum, sondern Lebensfreude schwappte über an einem Abend, der nicht schöner sein konnte. 

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dann endlich der Moment, für den sich alle in Uniform und Abendkleid geschmissen hatten, denn, den Worten von Dr. Günter Weinfort, dem Ehrenpräsidenten des FAVK folgend: „Es gibt nichts Schöneres als Prinz der Narrenherrlichkeit, oberster Narr aller Narren, Freund aller Freunde des Frohsinns in Verbundenheit mit der geliebten Vaterstadt und allen Sektionen zu sein.“ Das Saxofon der Dröpkes klang noch in den Ohren, als das Trömmelche erschallte und sich das Viersener Tambour Corps, die Exprinzen sowie die Prinzengarde der Narrenherrlichkeit den Weg durch den Saal und eine Schneise durch die Jecken bahnten. Etwas über zehn Minuten genossen Rudi I. und seine Lieblichkeit Fabienne I. ihr Bad in der Menge. Schritt für Schritt ging es auf die Bühne zu, die ein wenig an die Schweizer Berge mit Schnee und einer echten, über 300 kg schweren Acht-Mann-Gondel erinnerte. 

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Federn, der Schlüssel der Stadt und ein Zepter mit Matterhorn machten das Outfit komplett. 111 Jahre bringen die beiden auf die Bühne, passend zum närrischen Spiel und Spaß, denn diesen möchte der Prinz in dieser Session mit seinem Hofstaat erleben. Ihnen zur Seite steht ihre „Familien“-Garde ebenso wie Kanzler Dirk Mangold, der bereits fast unzählige Prinzenpaare durch die 5. Jahreszeit begleitet hat. Eine majestätische Solo-Aufführung gab es nicht, denn, wie der Prinz selber zugab, singen und tanzen kann er eigentlich nicht. Die Akrobatik im Takt übernahm dafür Tanzmariechen Mona Stobbe, die allerdings an diesem Abend zum letzten Mal als Mariechen des Festausschusses auf der Bühne stand.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dennoch, so ein närrischer Prinz kommt ums Tanzen nicht herum – zwei linke Füße hin oder her. Beim Tanz der Prinzengarde musste er ran und bewies, dass er doch gar nicht so untalentiert ist, wie er von sich behauptet hatte. 

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Flotte Sprüche und Mamis Rentier-Weihnachtspulli hatten Willi und Ernst dabei, die das Viersener Sessionsmotto gekonnt, selbst zu der musikalischen Begleitung von YMCA, einbrachten. Die Halle jedoch wollte feiern und die Stimmen aus dem Publikum begleiteten den Auftritt, bis sie in einem Chor mit der Tanzgruppe Revolution mündeten. In rot-schwarzem Glitzeroutfit riss der temperamentvolle Auftritt der Truppe mit, die fast vollständig aus Mädels bestand, unter die sich allerdings auch zwei „Hähne im Korb“ gemischt hatten. Der Auftritt wurde neben gekonnten Hebefiguren interaktiv mit den Gästen und dem springenden Prinzenpaar umgesetzt, damit auch ja keiner auf seinem Platz verblieb.

Die „Festhalle machte laut“ und wartete gespannt unter dem Tusch der Gruppe Combo Favorit mit Kapellmeister Armin Jakobi auf die Tequila-Zugabe, die die Stimmung bereitete für Lieselotte Lotterlappen. Sie, eigentlich eher er, nämlich Joachim Jung, nahm eben dieses Gefühl der Halle auf und scheute sich nicht auf Tuchfühlung mit den „Festgänsen“ zu gehen, die Lieselotte mit viel Witz „durch den Kakao“ zog. In der 5. Jahreszeit muss man eben über sich selber lachen können, diese Eigenschaft zeichnet die Karnevalisten aus – und die Halle lachte gerne … über sich, über andere und vor allen Dingen gemeinsam. Beste Stimmung brachten ebenfalls die Dolls Company aus Köln mit, wobei Band Kasalla dem Abend die Krone aufsetze, der erst nach Mitternacht mit der Zugabe der Prinzengarde und dreemoal „Viersche Helau“ endete. (cs)

Weitere Eindrücke der Vierscher Prinzenproklamation auf facebook.com!

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming