Rührende Momente begleiteten den Muttertag in den Seniorenheimen

Hildegard G. hat die letzten acht Wochen ohne ihre Familie im Seniorenheim verbracht. Die 98-Jährige gehörte am Wochenende zu den ersten, die bereits früh am Morgen den ersten Kontakt zu ihrer Tochter haben durfte. Ohne Kuss und Umarmung, dafür aber mit Tränen der Rührung.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen/NRW – Viel zu tun gab es in den vergangenen Tagen in den Seniorenheimen, denn in NRW dürfen die Bewohner ab diesem Wochenende wieder Besuch empfangen. Dieser allerdings ist mit Auflagen verbunden, so sind nur Besuche von bis zu zwei Personen in separat eingerichteten Räumen mit einer Einhaltung der Abstandsregeln erlaubt, die Dauer auf höchstens zwei Stunden pro Besuch und Tag begrenzt.
Nicht einfach für die Einrichtungen, denn schließlich müssen ebenfalls die anderen Bewohner und Mitarbeiter geschützt werden. Von Plexiglasscheiben, Pavillonzelten, Besucherfenstern bis hin zu kleinen Holzhütten, die Außen- und Innenbereich miteinander zum kontaktlosen Besuch verbinden ist alles dabei. So war auch die kleine Hütte vor dem Altenheim und Pflegeheim Notburgahaus stetig besetzt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Angelika Wagner stand in Dülken mit einem großen Blumenstrauß bereit. Auch sie hatte ihre Mutter nicht sehen können. Dabei ging es der 89-Jährigen in den vergangenen Wochen nicht gut. Telefonisch hatten sich die beiden täglich ausgetauscht. „Es war furchtbar, dass ich sie nicht besuchen konnte“, so Angelika Wagner. „Manchmal ging es ihr gesundheitlich so schlecht, dass ich befürchtete, ich würde sie nicht wiedersehen können.“ Dankbar ist sie dem Pflegepersonal, denn der logistische Aufwand durch die Besuchserlaubnis ist enorm.
Gefühlt zu wenig Zeit bleibt für den Besuch, dann steht schon die nächste Familie „in den Startlöchern“. Es dauert noch, denn der Besuchsraum muss zunächst desinfiziert werden. Doch die gemeinsamen Stunden geben Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen – wenn auch nur auf Abstand.

In den meisten Senioren- und Pflegeheimen blieb der befürchtete Besucheransturm allerdings aus, denn viele der Einrichtungen hatten vorab die Angehörigen verständigt und darum gebeten nicht direkt den Muttertag, sondern die kommende Woche für den Besuch zu nutzen. Hierdurch hatte sich das Besucheraufkommen entzerrt – Angehörige und Bewohner hatten großes Verständnis gezeigt. Die Besuche werden nun stetig fortgeführt. Bis zu einem Wiedersehen wird Hildegard G. das buntbemalte Papierherz ihrer Enkelin auf ihrem Tisch betrachten, „und die eine oder andere Träne dabei vergießen“, flüstert sie, „aber ich weiß nun, dass wir uns wiedersehen und das ist für mich das größte Glück auf Erden.“ (cs)