SCAPSIS transferiert die 90s in die Zukunft und in die Mönchengladbacher Citykirche

Für Scapsis, die mit Abstand „reisetauglichste“ Rapperin Deutschlands, sind die 90er Jahre allgegenwärtig. Somit kreiert die Musikerin ihre eigene Schublade, in der sie dem Storytelling der 90s erneut den Raum gibt, den er zwischen Autotune und Guccibags verdient.

Musik/Mönchengladbach – Eine packende Reise durch die Gefühlswelt und back to the 90s ist bei dieser Herzensrapperin garantiert. Im Gegensatz zu ihren weiblichen Kolleginnen von TicTacToe, Sabrina Setlur, oder SXTN glänzt die Griechin mit ihren emotionsgeballten und dennoch jugendfreien Lyrics. In den sozialen Medien gibt sich Scapsis lässig, cool und selbstbewusst, doch das war nicht immer so.

Selbstzweifel hielten die Künstlerin bis 2016 davon ab ihrer Leidenschaft zu folgen. Nach dem Verlust ihres Vaters suchte die Vintage-Rapperin jedoch nach der Möglichkeit ihre Trauer zu verarbeiten und merkte durch wachsende Zahlen, sowie Feedback auf YouTube, dass ihr autobiographischer Text auch anderen Menschen Mut macht. Scapsis schafft es mit herzergreifenden Zeilen, „Ich spüre wieder diese mächtige Trauer, sie umschliesst mich wie einst die Berliner Mauer-Papa sag, wann meine Ausreise beginnt, aus diesem Traum will ich raus bin ein verlorenes Kind“, den Hörer abzuholen, motivieren und sorgt für etwas merkwürdiges. Plötzlich wird Rap sogar in der Kirche als Bereicherung wahrgenommen, der nicht nur während Sonntagsmessen als Mutmacher wirkt.

Unter der mit ihrer Brand verzierten Cappy wird eine junge Heranwachsende vermutet, doch bei genauerem Zuhören wird festgestellt, dass Scapsis Erlebnisse der vergangenen 30 Jahre aufgreift. Ihr Aushängeschild, welches bereits in der Debütsingle „Narbe im Gesicht“ zu hören und fühlen ist spiegelt sich auch in ihrem ersten Musikvideo- AUTHENTIZITÄT. Das Ergebnis für diese ehrliche und nahbare Künstlerin: Goldauszeichnung beim Deutschmusik Songcontest und gleich zwei Auszeichnungen beim Deutschen Rock und Pop Preis für ihre EP „Old School“.

Pfarrer Christoph Simonsen von der Citiykirche Mönchengladbach und die Musikerin Scapsis beim gemeinsamen Videodreh. Foto: privat

Mit ihren tief aus dem Herzen stammenden Texten und neuerdings chilligen Beats im Gepäck, sorgt die Musikerin für eine kreative Reise, an der nicht nur Rapfans teilnehmen möchten. Für Rockmusiker Daniel Wirtz, absolviert Scapsis das Vorprogramm in Heinsberg, die Aachener Zeitung findet: „Scapsis brach das Eis und zog das Publikum in ihren Bann“. Scapsis inspiriert mit ihrem Storyelling, regt zu einem Perspektivwechsel an und wird somit Patin ihrer Gesamtschule für das Projekt -Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage- an dem u.a SOOKEE, JORIS, oder auch Jerome Boateng mitwirken. Mit ihrem Songbeitrag „NEIN“, setzt die Songwriterin ein klares Statement zu Mobbing, Gewalt und Extremissmus jeglicher Art. Zu ihren Fans, den Scaptikern, pflegt sie einen intensiven Kontakt über Social Media und bezieht sie in Entscheidungen ein.

„Ich bin Patin für das bundesweite Projekt „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage‘ und mein größter Erfolg ist die Rückmeldung der Menschen, denen meine Musik Mut macht“, so die Musikerin. „Und genau deswegen habe ich mir trotz dieser schwierigen Zeit als Ziel gesetzt keinen Stillstand zuzulassen und tatkräftige Unterstützung erhalten, sodass mein Video mit klarem Statement für die Liebe und Vielfalt, zu meiner aktuellen gefühlsturbulenten Single „Sag Mir“ produziert werden konnte.Die Folgen der Pandemie traf ja die Kulturbranche sehr hart.“

Mit dem Musikvideo möchte die Musikerin die momentane Situation der Künstler wiederspiegeln und die Atmosphäre, die in der Club- & Kulturszene herrscht-Streamingkonzerte in leeren Clubs, anstatt Livekonzerte mit Publikum. Daher sieht man sie u.a im Club einsam auf einer Couch vor dem Smartphone performen.

Die Idee kam ihr, als sie für die „Poetry Slam und Lesebühne“ in Mönchengladbach einen Livestream im Projekt42 hatte und während der Veranstaltung in diesem riesigen leeren Club ohne Publikum merkte, wie sehr sie das erneut berührt, dass so viele Selbständige in dieser schlimmen Situation stecken und ihre Geschäfte, Clubs und Restaurants geschlossen sind. „Also dachte ich mir, warum soll ich diesen Club nicht anderweitig nutzen und auf ihn aufmerksam machen, sodass zumindest ein wenig dazu beigetragen werden kann, um diesem Stillstand der gerade herrscht etwas entgegenzuwirken und neue Inspirationen entstehen und Ideen entwickelt werden können.“

Der autobiographische Song „Sag Mir“ handelt über die Liebe ihres Lebens (ihre Ehefrau) und die Botschaft besteht darin sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist und mutig zu sein. Jeder darf zu seinen Gefühlen stehen und die Liebe leben, egal ob hetero, homo, bi, trans, queer. Ein homosexuelles Liebespaar sind die zwei Hauptdarstellerinnen auch im wahren Leben und daher sehr authentisch, mit denen unter anderem am Schloss Wickrath gedreht wurde.

„Tatsächlich hat mich die katholische Kirche bei meinem Dreh mit einem klaren Standing für die LGBTQ-Community supportet. Pfarrer Christoph Simonsen von der Citiykirche Mönchengladbach zeigt nicht nur Flagge, sondern wirkt ebenfalls im Video mit. Eine Mischung, die man als Zuschauer nicht gewohnt ist und auch nicht erwartet. Rap trifft auf Kirche und Kirche trifft auf die queere Rapperin Scapsis, die einen Dreh mit einem katholischen Pfarrer für ein Deutschrapmusikvideo umsetzt. Sind doch sonst immer fette Autos, dünne Frauen, viel nackte Haut und noch mehr Drogen in üblichen Rapvideos zu sehen, zeigen wir uns mit einem „Feature“, der aus der Reihe tanzt und dabei für Vielfalt und Akzeptanz steht. Pfarrer Simonsen hat mit eigenen Worten das Statement, welches das Musikvideo transportiert, am Ende nochmal manifestiert. Wie das aussah erfährt der Zuschauer im fertigen Musikvideo. Statement Fashion um unsere Haltung klar zu transportieren ist ebenfalls vertreten.“ Geplant ist eine Livepremiere (im Mai) auf YT, sodass auch hier erneut ein direkter Austausch mit den Fans statt finden kann. (opm)