Seltene Auszeichnung für einen „Ur-Viersener“

Mit dem Eisernen Meisterbrief wurde der Maler und Lackierer Hubert Reuters ausgezeichnet. Vor 65 Jahren legte der „Ur-Viersener“ die Meisterprüfung ab.

Viersen – Die besondere Urkunde nahm Hubert Reuters (87) auf der Terrasse seines Hauses in Viersen entgegen. Ingo Pawlowski, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Niederrhein überreichte sie ihm gemeinsam mit seinem Stellvertreter Manfred Göppert und Marc Peters, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Gekommen waren auch Weggefährten, darunter der ehemalige Innungsobermeister Josef Mertens: Reuters war viele Jahre Vorstandsmitglied der Innung.

Mit 13 begann Hubert Reuters seine Lehre bei einem Malermeister in Viersen. „In der Schule konnte ich gut malen, und mein Vater sagte: Werde Maler und Lackierer, da kannst du dich selbstständig machen“, erinnert er sich und fügt lächelnd hinzu: „Das war Gesetz.“ Nach der 1955 abgelegten Meisterprüfung war es dann soweit: Reuters machte sich selbstständig und baute zusammen mit seinem Partner Paul Kuhlen einen großen Maler- und Lackiererbetrieb auf.

Seltene Auszeichnung: Über den Eisernen Meisterbrief freute sich Hubert Reuters (vorne Mitte). Obermeister Ingo Pawlowski (l.) von der Maler- und Lackierer-Innung Niederrhein, sein Stellvertreter Manfred Göppert (2.v.r.) und Hauptgeschäftsführer Marc Peters on der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Foto: Kreishandwerkerschaft

Das Unternehmen gehörte zu den ersten, die sich im Gewerbegebiet Mackenstein ansiedelten. Dort bauten Reuters und Kuhlen 1960 eine große Halle mit einer Autolackiererei und einem sehr fortschrittlichen Energiekonzept: „Wir hatten ein Gas-Blockheizkraftwerk, mit dem wir die Geräte betrieben und die Halle geheizt haben“, erzählt Reuters. Zeitweise beschäftigte der Betrieb 40 Mitarbeiter, zu den Spezialitäten gehörte das Sandstrahlen von Autos.

Eine besondere Verbindung hat Hubert Reuters zu Kaiser’s Kaffee – und das nicht nur, weil sein Betrieb den Fuhrpark der Supermarktkette lackierte und Malerarbeiten in den Filialen ausführte. Bei einem dieser Aufträge lernte er seine spätere Frau Anni kennen, die dort als Verkäuferin arbeitete. Inzwischen sind die beiden seit 63 Jahren verheiratet, sie haben zwei Töchter und einen Sohn.

Über Jahrzehnte engagierte sich Reuters für den Nachwuchs in seinem Handwerk. 35 Jahre war er Lehrlingswart der Maler- und Lackierer-Innung, ein Vierteljahrhundert lang arbeitete er im Gesellenprüfungsausschuss mit, davon zehn Jahre als Vorsitzender. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz wurde er mit der Silbernen Medaille der Handwerkskammer ausgezeichnet, außerdem ernannte ihn die Innung zu ihrem Ehrenmitglied. „Wir konnten immer auf ihn zählen“, betonten sowohl der ehemalige Obermeister Josef Mertens als auch Obermeister Ingo Pawlowski.

Mit 63 setzte sich Hubert Reuters zur Ruhe. Von seinen Kindern wollte keines den Betrieb übernehmen. Auch im Ruhestand blieb Hubert Reuters in Bewegung: Viele Jahre pilgerte er zu Fuß nach Trier. Sport hatte schon immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt. Er nahm an Leichtathletik-Wettbewerben teil, lief Langstrecken bis 25 Kilometer, sammelte dabei zahlreiche Siegerurkunden und engagierte sich als 2. Vorsitzender der Leichtathletik-Gemeinschaft Viersen. Noch bis vor wenigen Jahren trainierte er regelmäßig auf seinem Laufband.