Sluis – Von missglückten Eroberungsplänen und mondänen Flaniermeilen

Das kleine Städtchen Sluis nahe an der niederländischen Grenze zu Belgien hin hat sich zu einem mondänen Ort entwickelt, der bei Paaren, Familien und Bestagern gleichermaßen für seine Einkaufsmöglichkeiten beliebt ist.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Sluis/Niederlande – Die Innenstadt ist gesäumt von bekannten Designermarken zwischen denen sich Restaurants, Möbelgeschäfte oder Verführer mit belgischer Schokolade niedergelassen haben. Ein besonderer Ausflugstipp sind die Abendmärkte im Juli und August. Sluis hat mit dem Tourismus eine neue Chance gefunden, denn die wirtschaftliche Blütezeit endete mit dem Versanden des Wasserwegs „Het Zwin“.
Entstanden ist der ursprüngliche Seearm „Het Zwin“ bereits 1134 bei einer schweren Sturmflut. Mit einer Flussmündung in die Nordsee diente er lange Jahre als Handelsstrecke bis nach Brügge. Hiervon profitierten auch die Städte Aardenburg, Damme und St. Anna ter Muiden, die in dieser Zeit ihre wirtschaftliche Hochzeit feierten, bis der Wasserlauf im 16. Jahrhundert um 1550 zu sehr versandet war.

Sluis selbst entstand ab 1280 bei einer Schleuse im Zwin und erhielt vom flämischen Grafen Gwijde van Dampierre 1290 das Stadtrecht. Die Stadt galt ab 1383 als Festungsstadt und als Vorhafen von Brügge. In ihrer Bucht fand die erste große Schlacht des Hundertjährigen Krieges, die Seeschlacht von Sluis statt, im Jahre 1492 wurde Sluis von Philipp von Kleve-Ravenstein vergeblich belagert. Noch im Achtzigjährigen Krieg (1568 – 1648) bildete „Het Zwin“ die Frontlinie zwischen den Niederländern und Spaniern.

Die Innenstadt von Sluis ist gesäumt von bekannten Designermarken zwischen denen sich Restaurants, Möbelgeschäfte oder Verführer mit belgischer Schokolade niedergelassen haben. Foto: Rheinischer Spiegel

Zwar im Zweiten Weltkrieg, im Oktober 1944, größtenteils durch eine Bombardierung der Alliierten zerstört, erinnern heute noch die zum Teil gut erhaltenen Festungsanlagen an die vergangenen Kriege. Nach dem Krieg wurde die Stadt vollständig wiederaufgebaut.

Das 1390 erbaute Rathaus verfügt als einziges in den Niederlanden über einen flämischen Belfried, einen Glockenturm. Es beherbergt zudem die Holzfigur des ältesten Glockenspielers des Landes, Jantje van Sluis. Es handelt sich bei dieser aus dem Jahr 1424 stammenden Figur um einen sogenannten „hannekin“ („Johannetje“). Zu jeder vollen und halben Stunde erklingt durch das mechanische Glockenmännchen der Ton der Stadtglocke. Die Figur geht zudem auf eine Legende zurück, denn Jantje van Sluis wird als Held verehrt. Er soll Sluis im Achtzigjährigen Krieg vor dem Untergang gerettet haben, weil er zu tief ins Glas schaute und dabei vergaß die Glocke zu läuten. Die Spanier hatten jedoch das Glockenläuten als Zeichen des Angriffs vereinbart und warteten vergeblich, wodurch ihr Eroberungsplan missglückte.

Auf dem Platz Walplein steht zudem die Büste von Johan Hendrik van Dale, der hier von 1828 bis zu seinem Tode 1872 lebte. Walpein stellte das große Wörterbuch der niederländischen Sprache zusammen, welches heute noch tonangebend im niederländischen Sprachraum ist. (ea)

Sluis hat mit dem Tourismus eine neue Chance gefunden, denn die wirtschaftliche Blütezeit endete mit dem Versanden des Wasserwegs „Het Zwin“. Foto: Rheinischer Spiegel

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