St. Martin in Dülken – Kein Schimmel mit stolzem Reiter, aber dafür eine brennende Mühle

Keine mit Süßigkeiten und Obst gefüllte Tüten, jedoch eine überdimensionale Mühle aus Stroh und ein glitzerndes Feuerwerk – der Dülkener Martinszug ist etwas Besonderes und einzigartig in der Region. Mittlerweile seit 150 Jahren ist Verein aktiv und damals wie heute begrüßen die Mitglieder Gäste aus der ganzen Region bei dem Zug durch die Stadt.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Es ist noch hell, als durch Dülken eine übergroße Strohmühle transportiert wird um an der Melcherstiege ihren zeitweisen Platz zu finden. Rund vier Meter hoch und transportiert von den „Dülkener Strohschweinen“. Dahinter stehen hiesige Junglandwirte, die auf ihrer Facebookseite den Einblick in eine artgerechte Schweinemast ermöglichen. Sie unterstützen den Dülkener Martinsverein, der sich seit 150 Jahren für die Planung und Umsetzung des Stadtzuges verantwortlich zeigt. In diesem Jahr wird deshalb die Mühle wieder brennen. Gebaut hat der Verein sie selbst, denn die Mühle, die bisher von den Stadtwerken und der NEW gebaut worden war, war weggefallen, ein Feuerwerk war an diese Stelle getreten. Kein Vergleich zu der Tradition, deshalb musste wieder eine Mühle her – das Feuerwerk gab es dennoch.

Foto: Dülkener Strohschweine

Während an der Melcherstiege die letzten Vorbereitungen getroffen werden, sammeln sich die Menschen am Neumarkt. Zwar besteht der Dülkener Martinsverein nur aus neun Mitgliedern, die die Aufgaben teilweise traditionell innerhalb der Familie weitergeben, an diesem Abend sind jedoch zudem zahlreiche Helfer vor Ort um die Sicherheit der Veranstaltung zu gewährleisten oder, so wie die engagierten Junglandwirte aus Dülken, dort Hand an zu legen, wo Hilfe benötigt wird.

Wer hier einen St. Martin erwartet, dem fällt bald auf, dass hier in Dülken eben doch alles ein wenig anders ist, denn dem Zug voran wird ebenfalls eine Mühle getragen, schließlich gehörten die Mühlen immer schon zu Dülken. Die traditionellen St. Martins-Lieder gibt es aber natürlich trotzdem, unter anderem die Musikfreunde Dülken 2016 haben ihre Instrumente mitgebracht, die Gruppe begleitet zum ersten Mal den Zug. Bertram Hoogen schaut stolz über die Menge hinweg. Er ist der Vorsitzende des 1869 gegründeten Vereins.

Foto: Dülkener Strohschweine

„Hören Sie es auch schon? Rabimmel, rabammel, rabum“, sagt ein älterer Herr, der selber eine Laterne in der Hand hält. „Aber nur geliehen“, schmunzelt er und zeigt auf ein kleines Mädchen, dass neugierig eine andere Laterne in Form einer Ente bewundert. Als die Querflöte erklingt zuckt sie hoch und schnell ist der Großvater seine Laterne los. „Jetzt geht es los“, sagt die 6-Jährige und ihre Augen leuchten. „Und wir haben eine Mühle in Dülken und keinen ‚weißen Schimmel‘.“ Weißer Schimmel? Ihr Großvater lacht und streicht ihr zärtlich über das Haar. „So sind ’se eben, die Kinder.“

Dann setzen sich die ersten Teilnehmer in Bewegung und mit jedem Schritt kommen neue hinzu, reihen sich ein und der Zug wächst Meter für Meter. Manche singen mit lauter Stimme mit, andere murmeln nur die Musik – aber alle sind gerne dabei. Auch, wenn es nach dem Verbrennen der Mühle und dem Feuerwerk keine gefüllte Martinstüte gibt. Gesammelt hat der Verein traditionell im Vorfeld Spenden für Winterkleidung – Spenden für die Menschen, denen es nicht gut geht, ganz im Sinne des Heiligen Martin und seiner Mantelteilung. Die Spende erhalten die Dülkener Grundschule und die Förderschule, diese entscheiden darüber, welche Schüler eine dicke Jacke oder warme Schuhe für die anbrechende Winterzeit dringend benötigen. Durch die engagierte Arbeit des Dülkener St. Martinsvereins 1869 e. V. konnten in den letzten Jahren unzählige Kinder warme Winterkleidung erhalten. Der Zug ist in jedem Jahr ein einzigartiges Spektakel, welches aber nur durch die Unterstützung vieler helfender Hände zustande kommen kann und so freut sich der Dülkener St. Martinsverein 1869 e. V. über Unterstützer und Spender. (nb)

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