St. Tönis: Sinnvolle „Arbeitsgelegenheiten“ dienen einem guten Zweck

AGH ist eine Abkürzung, mit der eigentlich nur Experten in der Erwachsenen-Weiterbildung oder in den Jobcentern etwas anfangen können. AGH steht für „Arbeitsgelegenheiten“ und stellt ein niederschwelliges Angebot für allererste Schritte zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt dar. Das kann für die veranstaltenden Institutionen ein mühsames Geschäft sein, denn oft sind die Teilnehmer unorganisiert oder gar unmotiviert, zumindest unpünktlich.
Nicht so beim BZ Bildungszentrum in St. Tönis.

St. Tönis – Hier stehen alle Teilnehmer morgens um 9 pünktlich auf der Matte. Letztes Jahr waren es zehn, dieses Jahr sind es zwölf, nächstes Jahr sollen es 19 sein – „weil es so gut läuft,“ erzählt Vertriebsleiter Bernd Rütten. Die Vorschrift vom Amt, in diesem Fall das Jobcenter Viersen, lautet, dass die Beschäftigung in der AGH einerseits gesellschaftlich sinnvoll sein soll, andererseits dürfen keine bestehenden Arbeitsplätze gefährdet werden.
„Wir haben damit angefangen, alte Fahrräder zu reparieren,“ erinnert sich Rütten. Das haben aber andere auch gemacht. „Dann organisierte unser Haustechniker Hans-Peter Spitz Baumscheiben.“ Seitdem setzt man ganz auf Holz, bastelt Vogelhäuser und Pflanzkästen, in denen sich prima Gemüse und Kräuter anbauen lassen. Die Stimmung in der Werkshalle am Tempelsweg 40 ist gut, Dozent Andreas Hauser hat die Mischung aus Autorität und Kumpelhaftigkeit, die dafür sorgt, dass alle mit Begeisterung dabei sind.

Teilnehmer der AGH mit ihren Produkten. Dabei sind vom BZ-Bildungszentrum Geschäftführer Andreas Böhm (links) Dozent Andreas Hauser (Mitte) und Vertriebsleiter Bernd Rütten (rechts). Foto: BZ

Aus den Baumscheiben werden massive Weihnachtssterne gesägt, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Sie gehen, schön verziert mit Leuchtdioden, als Spende an den Verein OPEN, der Projekte in Nicaragua unterstützt. Letztes Jahr wurden sie erstmalig auf dem Weihnachtsmarkt an der Alten Kirche in Krefeld angeboten – und 14 Stück waren innerhalb einer Stunde ausverkauft. So hat man dieses Jahr vorgesorgt und über 30 Stück hergestellt, alles in Handarbeit. Am Samstag (8. Dezember) sind sie wieder auf dem OPEN-Stand in Krefeld zu bewundern. Manager würden von einer „Win-Win-Situation“ sprechen: Eine sinnvolle „Arbeitsgelegenheit“, die anspornt, Freude macht – und auch noch einem guten Zweck dient.

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